Pirmasens
Landtagswahl: Denise Müller tritt für die „Partei“ an
Die „Partei“ will Missstände sichtbar machen, hat aber auch Pläne für eigene Initiativen, erzählt Denise Müller. „Wir haben tatsächlich ein Wahlprogramm.“ Eine große Forderung sei die Einrichtung von 24-Stunden-Kitas, die täglich geöffnet sind – auch am Wochenende, um berufstätigen Eltern gerecht zu werden. „Wir sind der Meinung, eine Erholung mit Kind ist keine Erholung. Da muss man auch mal Eltern vor Kindern schützen.“
Sie wolle sich im Landtag für mehr Praxisnähe in Schulen einsetzen: „Ausflüge in Tiermastbetriebe – wo kommt das Essen her, das ich auf dem Tisch habe? – oder in Flüchtlingsheime – wie leben die Menschen, die wir aufnehmen? –, und als krasses Beispiel hätten wir die Idee, Kinder mal ins Rotlichtmilieu zu führen“. Es sei wichtig, früh zu erleben, wie verzweifelt manche Menschen sind, meint Müller. „Das sehen die Kinder heute nicht. Sie werden vor ein Buch gepackt, legen Prüfungen ab, kommen aus der Schule und wissen über das Leben nichts.“ Satire ist für die „Partei“ die Waffe der Wahl.
Medizin und Malerei
Müller lebt in Pirmasens, stammt aus Lemberg und arbeitet als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte in der Landgrafen-Apotheke. Ihre Arbeit bereite ihr Freude. Eigentlich wollte die 33-Jährige Kunst studieren, diese Leidenschaft betreibt sie als Hobby weiter: Müller malt mit Acryl – abstrakt, um ihre Gefühle auszudrücken. Ihr Sohn teile diese Liebe nicht. „Malen und Basteln ist die Höchststrafe für mein Kind.“ Der Fünfjährige spielt und tobt und rennt lieber, erzählt sie.
Denise Müller will in diesem Jahr heiraten. Zwar ist offen, inwiefern die Pandemie ein Fest zulässt, doch sie und ihr Verlobter seien schon einige Jahre zusammen. Da eile es nicht. Das große Fest mit einer freien Traurednerin sei ohnehin erst für 2022 geplant.
Für Erst-und Jungwähler
2018/19 begann Müller, sich politisch zu engagieren. „Ich dachte mir: Von der Couch aus motzen, das machen die meisten – und es bringt nichts.“ Sie habe sich informiert, konnte sich aber mit keiner etablierten Partei identifizieren. Über ihren Bekannten Florian Kircher, der im Pirmasenser Stadtrat sitzt, kam sie mit der „Partei“ in Kontakt und sei relativ zügig beigetreten. „Wir sind die Partei, die Erst- und Jungwähler anspricht“, sagt die 33-Jährige. Ihr Wahlkampf finde überwiegend in den sozialen Medien statt. Deshalb schade der Lockdown nicht besonders – im Gegenteil, eher sitzen mehr Südwestpfälzer daheim vorm Rechner, meint die Kandidatin.
Müller ist Mitglied im Pirmasenser Kulturausschuss. Dieses Engagement wurde durch die Pandemie stark gebremst: Die ganzen Veranstaltungen fielen aus. Müller befürwortet das Konzept für ein neues Stadtfest. „Ich finde die Idee super, um mal wieder Leute nach Pirmasens zu ziehen: Ein großes Stadtfest, in der Stadt verteilt, statt mehrere kleine, die nur drei, vier Pirmasenser anziehen. Niemand von auswärts fährt aufs Exefest nach Pirmasens.“ Als Ausschussmitglied wollte sie die Vorbereitungen tatkräftig unterstützen – „aber vielleicht nächstes Jahr oder übernächstes Jahr“.
Die Idee der Grünen einer Fahrradstadt hält sie für unsinnig. Immerhin sei Pirmasens die Stadt der vielen Hügel. Die Lösung der „Partei“ für den öffentlichen Nahverkehr: „Zeppeline“.