Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Kulturamt: Umstrukturierung sorgt für hoffnungslose Überforderung

Ein inzwischen seltenes Bild: Die Alte Post war voll besetzt, als die Mozartgesellschaft vergangene Woche zu einem Liederabend g
Ein inzwischen seltenes Bild: Die Alte Post war voll besetzt, als die Mozartgesellschaft vergangene Woche zu einem Liederabend geladen hatte.

Die Zustände im Kulturamt nach der von Kulturdezernent Denis Clauer angestoßenen Umstrukturierung sorgten am Montag für heftige Diskussionen im Stadtrat. Die Linke hatte mit einem Antrag die Rückkehr zum alten Kulturamtsleitermodell angeregt. Clauer setzt jedoch auf mehr Personal und klare Arbeitsplatzbeschreibungen.

Nicht nur die Fraktion Linke/Partei blickt mit Sorge auf das Kulturamt und die teils katastrophalen Besucherzahlen in der Festhalle, die nicht allein der Corona-Pandemie zugeschoben werden könnten, wie Linke-Fraktionssprecher Frank Eschrich betonte. Eschrich sorgte sich auch wegen der „unverhältnismäßigen Belastung“ für die neue Sachgebietsleiterin Kultur, Heike Wittmer, die neben ihrer Arbeit als Stadtarchivarin noch die gesamte Organisation des Kulturprogramms sowie die Aufsicht über die Alte Post erhalten hat. Wittmer sei „hoffnungslos überfordert“, so Eschrich, der jedoch auch betonte, dass er Wittmer nicht „an den Karren fahren“ wolle. Grundsätzlich wertet der Linke-Fraktionschef es als problematisch, „sachfremden Ressortleitern“ neben ihren eigentlichen und arbeitsintensiven Aufgaben noch die Kultur anzuhängen, die sie quasi nebenbei miterledigen müssten, womit Eschrich nicht allein Wittmer meinte, sondern auch Rolf Schlicher, der neben Marketing, Sport und Tourismus auch noch das Kulturamt leiten muss.

Das sieht auch Gerhard Hussong (SPD) als Abwertung der Kultur, die als weicher Standortfaktor für die Stadt viel zu wichtig sei, um sie so nebenbei zu erledigen. „Das braucht viel Aufmerksamkeit“, so Hussong, der die Werbung für Euroclassic als „grottenschlecht“ kritisierte. Er betonte, dass er Wittmer sehr schätze. „Es geht um die Struktur und nicht um die Person“, betonte Hussong. In seiner jetzigen Form sei das Kulturamt so aufgestellt, dass viel nicht gemacht werde, monierte sein Fraktionskollege Maurice Croissant. Es brauche mehr Netzwerkarbeit. Pädagogische Konzepte im Bereich Musik fehlten völlig.

Matheis sieht keine Versäumnisse

Keine Versäumnisse der Stadtspitze will Bernhard Matheis erkennen. Der frühere Kulturdezernent verwies auf andere, renommierte Einrichtungen wie das Pfalztheater, die auch mit weniger Besuchern zu kämpfen hätten, was klar an der Corona-Krise liege. „Die Entwicklung ist überall gleich“, so Matheis. Das habe nichts mit Strukturveränderungen zu tun. Der jetzige Kulturdezernent Clauer sieht eine weitere Ursache in dem Veranstaltungsüberhang, der in dieser Saison drei bis vier Termine mehr als früher betrage. „Das nimmt sich gegenseitig die Kundschaft“, so Clauer, der ebenfalls auf die allgemeine Theater- und Konzertmüdigkeit einer älteren Klientel verwies, die wegen Corona immer noch ängstlich sein. „Das ist von Kiel bis Garmisch zu sehen“, meint Clauer. Als Beispiel nannte er das Konzert der Sängerin Nicole, das früher innerhalb kürzester Zeit ausverkauft gewesen wäre und jetzt gerade mal 150 Menschen in die Festhalle lockte. Die Werbung sei zu recht kritisiert worden. „Das wollen wir besser machen.“ Clauer setzt zudem auf bessere Netzwerke im Musikbereich.

An der Personalie Heike Wittmer will Clauer nichts ändern. Wittmer habe Führungsqualitäten und ähnlich gute Voraussetzungen wie ihre Vorgängerin Sonja Mäß. Man müsse ihr nur Zeit für die Einarbeitung lassen. Aktuell will Clauer die Lage im Kulturamt durch Erarbeitung von Arbeitsplatzbeschreibungen verbessern. Wittmer sei nicht überlastet, es müsse aber massiv umstrukturiert werden. Wittmer habe die Kultur inzwischen als Hauptaufgabe und nicht mehr das Stadtarchiv wie früher. Die Stundenbudgets der Mitarbeiter seien zudem aufgestockt worden. Auch soll bald ein spezieller Kultur- und Eventmanager eingestellt werden.

Leitungsstelle wird ausgeschrieben

Die Stelle der Sachgebietsleitung besetzt Wittmer aktuell noch kommissarisch. Das soll in eine feste Besetzung übergehen. Die Ausschreibung dazu werde vorbereitet und Clauer äußerte im Stadtrat seine Hoffnung, dass sich Wittmer daraufhin bewerben werde. Clauer will die Umstrukturierungen bis zum Frühling beendet haben und dann noch mal im Stadtrat über die Ergebnisse berichten.

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