Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Kreativ durch die Krise

Das Produktionsteam der CD (von links): Martin Frobeen, Seung-Jo Cha und Sonja Doniat.
Das Produktionsteam der CD (von links): Martin Frobeen, Seung-Jo Cha und Sonja Doniat.

Für Künstler ist es in der Corona-Krise schwierig, wirtschaftlich und künstlerisch zu überleben. Die aus Münchweiler stammende Sängerin Sonja Doniat hat die Zeit des ersten Lockdowns kreativ genutzt. Mit der Pianistin Seung-Jo Cha und dem Produzenten Martin Frobeen hat sie eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen und eine weihnachtliche CD eingespielt. Steffi Sieber sprach mit Doniat über dieses Projekt.

Seit wann existiert die Idee, eine CD zu produzieren?
Die Idee hängt tatsächlich eng mit der Corona-Krise zusammen, entstand aber schrittweise. Ich bin zwar glücklicherweise am Peter-Cornelius-Konservatorium als Lehrerin für Gesang und musikalische Früherziehung angestellt, so dass wenigstens diese Verdienstquelle nicht versiegt ist, allerdings bin ich nur mit 60 Prozent eines vollen Deputats dort tätig, weil ich die restliche Zeit normalerweise als freischaffende Sängerin brauche, da ich mit Opern-Produktionen und meiner Konzerttätigkeit viel unterwegs bin. Dies ist alles weggebrochen und ich hatte Zeit und wollte sie gerne sinnvoll nutzen. Zusammen mit meiner Klavierbegleiterin habe ich überlegt, in einem Tonstudio ein paar Aufnahmen für unsere Homepages machen zu lassen, damit die auf dem aktuellen Stand sind, wenn der Kulturbetrieb wieder Fahrt aufnimmt. Finanzieren wollten wir das teilweise mit dem Geld, das uns als Künstlerstipendium zur Überbrückung der Krisenzeit vom Land gezahlt wurde. So fing alles an, und das war sozusagen der erste Schritt auf dem Weg zur CD.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Martin Frobeen in Köln?
Ich war in meiner Kindheit in Münchweiler Mitglied im Südwestpfälzer Kinderchor. Bereits mit vier Jahren bin ich hinter meinen beiden älteren Schwestern zu den Chorproben marschiert. Später war ich beim Frauenchor Ex-semble und bin diesem Ensemble bis heute treu. Diese Erfahrung hat mich übrigens inspiriert, selbst ein Frauen-Ensemble zu gründen – 4meret. Allerdings ist das kein Chor, sondern wir sind alle vier studierte Sängerinnen und Solistinnen mit voll ausgebildeten Stimmen. Mit Ex-semble haben wir etliche CD-Aufnahmen mit Martin Frobeen gemacht. So habe ich ihn kennen und schätzen gelernt und mich an ihn gewandt mit der Bitte, ein paar Aufnahmen für die Homepage zu machen. An eine komplette CD dachten wir erst noch nicht und doch war die Kontaktaufnahme mit einem professionellen Tonmeister der zweite Schritt zur CD.

Wie sind Sie auf die Komponisten Engelbert Humperdinck und den nahezu unbekannten Willibrord Ballmann gestoßen?
Wir haben für die Homepage überlegt, welche Stücke sich wohl eignen würden. Wir haben ein bisschen recherchiert und sind auf Humperdincks Jubiläumsjahr gestoßen, der im Jahr 1921 gestorben ist. Ich bin als Solistin regelmäßig bei Konzerten im Kloster Maria Laach. Dort habe ich vor zwei Jahren die Weihnachtslieder von Humperdinck gesungen. Bei unseren Recherchen ist uns aufgefallen, dass diese schönen spätromantischen Lieder kaum eingespielt wurden. So entstand der Gedanke, mit diesen Liedern und Stücken aus Humperdincks musikalischem Krippenspiel „Bübchens Weihnachtstraum“ zu Weihnachten 2020 das Jubiläumsjahr einzuläuten. Bei meinen Konzerten in Maria Laach war ich auch den beiden Zyklen „Fünf Christkindlieder I und II“ begegnet, die der Laacher Benediktinermönch Willibrord Ballmann komponiert hat und die leider nahezu unbekannt sind. Noten hiervon gibt es nur noch antiquarisch und Aufnahmen sucht man vergeblich. Das war genug Material für eine ganze CD, und wir wagten den Gedanken zu fassen, als Duo Sopran und Klavier eine professionelle Weihnachts-CD zu produzieren. Das war Schritt drei zur CD – allein es fehlte uns das Geld!

Für den vierten Schritt war neben Ihrer künstlerischen nun auch die wirtschaftliche Kreativität gefragt?
Genau. Wir beschlossen, über die Crowdfunding-Plattform „Startnext“ für unser Projekt zu werben und Geld für die Produktion der Weihnachts-CD zu sammeln. Mit unserem Projekt bewarben wir uns zusätzlich bei der „Stiftung Aventis“ für Kunst und Kultur innerhalb der Kampagne „Kultur-Mut 2020“. Offenbar fand man uns mutig und förderungswürdig und wir konnten die Aufnahmen starten. Jetzt ist alles eingespielt und der fünfte Schritt ist abgeschlossen. Es fehlt nur noch der letzte Schritt und der ist auch bereits angelaufen: Nun wird die CD gepresst, das Booklet erstellt und das Cover gestaltet. Dieses fertigt ein ganz besonderer Künstler für uns an: Der 92-jährige Bruder Lukas Ruegenberg von Maria Laach, der vor allem als Illustrator von Kinderbüchern bekannt ist.

Wann soll die CD erscheinen, wie lautet ihr Titel und wie hoch ist der Preis?
Wir hoffen, dass wir es bis zum ersten Advent schaffen – auf jeden Fall aber noch rechtzeitig vor Weihnachten soll sie für 25 Euro im Handel erhältlich sein. Den Titel haben wir nach einem der Lieder Humperdincks gewählt: „Licht der Welt“.

Können Sie die Musik von Humperdinck und Ballmann beschreiben?
Obwohl Ballmann von 1875 bis 1952 gelebt hat, ist er weder spätromantisch noch modern. Seine Melodien und Harmonien sind eingängig und von anrührender Schlichtheit, fast kindlich, aber keinesfalls kitschig. Humperdinck wurde vor allem durch seine Märchenoper „Hänsel und Gretel“ bekannt. So ähnlich wie die Musik aus dieser Oper muss man sich auch die Lieder vorstellen. Über satter spätromantischer Begleitung liegen wunderbar zu singende lyrische Kantilenen.

Haben Sie Tipps, wo sich interessierte Leser näher über Ihre Projekte informieren können?
Klar: Über die CD kann man sich online informieren bei www.startnext.com/weihnachts-cd-humperdinck. Näheres über 4meret erfährt man bei https://yout.be/Xh1BMIJuwvM und natürlich auf meiner Homepage www.sonjadoniat.com

Zur Person: Sonja Doniat

Die Sopranistin Sonja Victoria Doniat wurde 1988 in Pirmasens geboren und studierte zunächst Musikwissenschaft und Italienisch in Mainz. Ab 2012 studierte sie ebenfalls in Mainz Gesang in der Klasse von Cynthia Grose und schloss dieses Studium mit dem Konzertexamen ab. Weitere Einflüsse erhielt sie bei Arthur Janzen, Thomas Heyer und Mechthild Georg. Aktuell wird Doniat musikalisch von Nadine Secunde und Karsten Huschke betreut. Seit 2017 ist die Sängerin selbst als Dozentin am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz tätig.

Bereits während des Studiums sang sie mehrmals die Sopran-Partie in Carl Orffs „Carmina burana“. Im Konzertfach übernahm Sonja Doniat unter anderem die Sopran-Soli in Mozarts c-moll Messe, Brahms’ „Deutsches Requiem“ und in Mendelssohns „Lobgesang“, was sie zu Auftritten nach Belgien, Frankreich, Italien und mehrmals nach Israel führte.

Ihre musikalische Tätigkeit brachte Doniat in Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Jeffrey Tate, Marcus Creed, Enrico Delamboye und Adam Fischer. Ihr Operndebüt gab sie 2014 in Mozarts „Così fan tutte“ als Fiordiligi unter der Leitung von Karsten Huschke am Theater Koblenz. Weitere Auftritte brachten sie an das Papageno-Theater in Frankfurt, die Pocket opera Wiesbaden und das Theater aHa in Friedberg.

Sonja Victoria Doniat verkörperte neben Mozarts Gräfin und der Ersten Dame bereits Humperdincks Gretel, Glauce in „Medea“ von Cherubini, Euridice von Gluck und Adele sowie Rosalinde in Strauss’ „Fledermaus“.

Als Liedsängerin konzertiert Doniat mit ihrer Pianistin Seung-Jo Cha und tritt mit Werken von Fauré, Mahler, Boulanger und Barber sowie Neuer Musik auf und gibt Liederabende im In- und Ausland. Im Dezember 2020 erscheint die erste CD-Einspielung des Duos. Unter dem Namen „Licht der Welt“ erscheint die CD mit Weihnachtsliedern von Humperdinck und Willibrord Ballmann.

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