Pirmasens Kita-Trubel beginnt früher und dauert länger
Morgens in der Südwestpfalz: Es ist kurz nach sechs. Die hellen Räume des Haus des Kindes auf der Husterhöhe sind leer, es ist noch ruhig. Nicht mehr lange. Denn anders als in anderen Kitas der Stadt beginnt der Kindergartentrubel dort früher und dauert länger. Betreut werden Kinder ab einem Jahr von 6 bis 20 Uhr.
Die vierjährige Milena ist an diesem Morgen das erste Kind, das Leiterin Sigrid Schmenger gegen halb sieben in Empfang nimmt. Die erfahrene Erzieherin hat Frühschicht. Ab 6 Uhr kommen normalerweise die ersten Kinder. Jetzt in der Ferienzeit ist es etwas ruhiger. Auch, weil die Gruppe der größeren Kinder an diesem Tag einen Ausflug in den Zoo geplant hat. Milenas Mama arbeitet im Pirmasenser Medi-Center. Ihre Arbeitszeit beginnt viertel vor sieben. Sie muss sich beeilen. „Milena ist gut drauf heute“, sagt sie und verabschiedet sich mit einem Kuss von ihrer Tochter.
Viele Eltern arbeiten im Schichtdienst
„Die Frühschicht mag Milena nicht ganz so gerne“, weiß Schmenger. Mit einer Brezel in der Hand kuschelt sich die Kleine nach dem Ankommen noch ein bisschen zu ihrer Erzieherin auf den Schoß. Sie fühlt sich wohl, braucht einfach noch ein paar Minuten Zeit. „Ich kenne sie schon lange, wir haben mit den Kindern und mit vielen der Eltern ein sehr vertrautes Verhältnis“, erzählt Schmenger. Das bringe die Organisation in der Kita mit sich. Wer einen Platz im Haus des Kindes erhalten möchte, muss bei der Anmeldung belegen, dass er berufstätig ist. Das wird auch zwischendurch immer wieder überprüft. Viele der Eltern seien im Schichtdienst tätig und gerade deshalb auf die erweiterten Öffnungszeiten angewiesen.
Rat an Eltern: sich gegenseitig helfen
Ab 6 und bis 20 Uhr werden Kinder auf der Husterhöhe betreut. Maximal neuneinhalb Stunden dürfen sie täglich dort bleiben. „Selbst das ist für manche unserer Eltern eine Herausforderung“, weiß Sigrid Schmenger. Viele müssten zu ihrer Vollzeitstelle lange Fahrzeiten bewältigen und nicht immer gebe es Großeltern, die einspringen können, wenn Not am Mann ist. „Wir raten den Eltern, sich in solchen Fällen möglichst untereinander zu helfen“, sagt Schmenger. Sie weiß: ein langer Kita-Tag ist auch für die Kinder anstrengend. Weniger für die Kleinen, die über den Tag verteilt immer wieder Schlafen, sondern eher für die größeren Kinder, sagt sie.
Ausgebucht und lange Warteliste
47 Kinder werden aktuell im Haus des Kindes betreut. „Wir sind ausgebucht, die Warteliste ist lang. Frühestens ab Herbst 2018 ist ein Platz verfügbar“, sieht Schmenger großen Bedarf für die verlängerten Öffnungszeiten. Wer einen Platz habe, der gebe ihn freiwillig kaum mehr her, sagt sie und erzählt von einer Familie, die sogar ihren geplanten Umzug in den Kreis dafür aufgeschoben habe.
Kita nur zwei Wochen in Sommerferien zu
Inzwischen hat Milena ihre Brezel verspeist und taut auf. Es klingelt. „Hör mal, jetzt kommt Luis“, sagt ihre Erzieherin. Luis ist mit eineinhalb Jahren einer der Jüngsten. „Er hat nicht ganz so gut geschlafen heute Nacht“, informiert seine Mama und fügt an, „er bleibt heute nur bis halb eins“. Trotz unruhiger Nacht ist der Kleine zufrieden und inspiziert erst mal die Spielkisten. „Das war anfangs nicht immer so“, sagt Schmenger. Zum Glück wisse er noch nicht, dass er ganz in der Nähe wohne, meint sie lachend. Sonst hätte er sicher öfter mal heimgewollt. Inzwischen fühlt sich der Junge im Kindergarten wohl. Gemeinsam mit Milena entscheidet er sich für die Schaukelpferde. Während die beiden zusammen spielen, räumt Sigrid Schmenger die Spülmaschine aus. Tee und Fläschchen zubereiten gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben, wie das Wickeln und Füttern der Jüngsten. Die Arbeitszeiten der Erzieherinnen auf der Husterhöhe richten sich danach, wann die ersten Kinder kommen und die letzten gehen. Sind vier Regel- oder zwei Krippenkinder da, muss zwingend eine zweite Erzieherin anwesend sein. Immer eine Woche im voraus legen die Eltern Bring- und Abholzeiten fest. „Die meisten haben feste Schichtpläne und sind sehr zuverlässig“, meint Schmenger. 14 Erzieherinnen arbeiten auf der Husterhöhe, lediglich zwei Wochen in den Sommerferien ist das Haus des Kindes geschlossen. Bei Fabian verläuft der Abschied an diesem Morgen nicht ganz so rund. Er ist müde, zudem bleibt die große Schwester nicht mit ihm im Kindergarten. Sein Vater bringt sie zum Bahnhof für den Zoo-Ausflug. „Heute werde ich wohl nicht pünktlich kommen“, meint er schmunzelnd, während er sich Zeit für die Verabschiedung nimmt.
Ungewöhnliche Arbeitszeiten für Erzieherinnen
Für Nadine Wieser und ihre quirligen Mädels Mila und Lucy ist das Angebot der Kita perfekt. „Ich könnte sonst nicht arbeiten“, sagt die Röntgenassistentin. Ein kurzer Abschiedskuss für ihre zwei und dann muss sie los. Die Mädchen haben bereits ihre Freundin Milena gefunden und ziehen sich ins Turnzimmer zurück. Es ist halb acht, so langsam füllt sich die Gruppe und mit Janine Keller ist vor einer Weile die zweite Erzieherin eingetroffen. Die junge Frau arbeitet seit einem Jahr auf der Husterhöhe und das „sehr gerne“, trotz der ungewöhnlichen Arbeitszeiten, wie sie sagt. Wie an jedem Tag wird sie mit den Kindern auch heute gegen halb neun gemeinsam frühstücken und dann in ihre jeweiligen Gruppenräume gehen. Bei schönem Wetter steht außerdem ein 3000 Quadratmeter großer, von allen Räumen zugänglicher Garten zur Verfügung.