Pirmasens Keine Angst vor dem Pieks
Die Diskussion um eine Impfpflicht erhitzt derzeit die Gemüter. Der Pirmasenser Kinderarzt Tamir Biran würde sie gut finden. Weil bei den Gegnern oftmals auch Aufklärungsgespräche nicht weiterhelfen, wie er sagt. Erfreulich ist: In der Südwestpfalz gibt es nicht besonders viele Impfgegner.
In Pirmasens, Zweibrücken und dem Landkreis liegt die Impfquote bei Kindern im Spitzenbereich des Landes. Während anderswo die Impfbereitschaft der Eltern drastisch gesunken ist, liegt sie in der Südwestpfalz bei weit über 90 Prozent. „Es gibt bei uns nur sehr wenige Eltern, die ihre Kinder gar nicht impfen lassen und auch gegen Aufklärungsgespräche immun sind“, sagt Tamir Biran, Kinderarzt im Pirmasenser Medicenter. Auch die Verantwortlichen beim Pakt für Pirmasens freuen sich über „einsichtige“ Eltern. Eine Impfpflicht, wie sie derzeit heftig diskutiert wird, sei „nicht unbedingt“ vonnöten, höchstens, um den schwindend geringen Anteil von Impfgegnern zu erreichen. Die Südwestpfälzer haben keine Angst vor dem Pieks einer Spritze. Wie Ulla Eder, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, der auch die Abteilung Gesundheitswesen der Städte Pirmasens, Zweibrücken und dem Landkreis angegliedert ist, erläutert, wurden 1400 Kinder, die nach den Sommerferien eingeschult werden, vor kurzem untersucht. „Die Impfquote bei den relevanten Kinderkrankheiten war dabei sehr hoch“, sagt sie. Gegen Röteln, Masern, Mumps und Keuchhusten seien 97 Prozent der Kinder aufgrund einer Impfung geschützt, bei Windpocken seien es 94 Prozent, bei Diphtherie und Tetanus ebenfalls 97 Prozent. „Wirkliche Probleme mit Impfgegnern haben wir in unserer Region nicht. Die Impfquote ist seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Damit gehören wir im Land zur absoluten Spitzengruppe“, freut sich Eder. Den Grund dafür sieht die Pressesprecherin in der Arbeit der Kinderärzte, die Eltern vor Risiken eines fehlenden Impfschutzes warnten und unablässig Aufklärungsgespräche führten. „Das mag woanders in dieser Bandbreite nicht der Fall sein“, spekuliert Eder. Einer dieser von der Kreisverwaltung sehr gelobten Kinderärzte ist Tamir Biran, der seit zehn Jahren mit seiner Praxis in Pirmasens ansässig ist, neuerdings im Medicenter. „Es gibt in Pirmasens nicht viele Impfgegner“, bestätigt er. „Die Zahl derer, die ihre Kinder gar nicht impfen lassen, ist sehr gering.“ Diejenigen, die sich einem Impfschutz komplett verweigerten, machten dies meist aufgrund falscher Informationen und Gerüchten. „Die meisten von ihnen lesen etwas im Internet und bekommen dann Angst. Dass Impfen beispielsweise Autismus verursacht oder solche Dinge. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Diese Eltern spielen russisches Roulette. Und da helfen leider auch keine Aufklärungsgespräche mehr.“ Das Internet sei wirklich keine gute Quelle, um sich in Sachen Impfen schlau zu machen. „Da sollte man sich lieber beim Robert-Koch-Institut informieren“, rät der Kinderarzt. Um die Impfgegner dennoch zu erreichen, hält der Kinderarzt die derzeit diskutierte Impfpflicht für „sinnvoll“, etwa gekoppelt an ein Kita-Verbot für nicht geimpfte Kinder, um eine Gefährdung von anderen Säuglingen und Kleinkindern zu minimieren. Auch beim Pakt für Pirmasens wird das Impfverhalten der Eltern gelobt. „Wir hatten noch nie jemanden, der sich dem komplett verweigert hat. Uns ist da noch nie etwas Negatives aufgefallen“, sagt Pakt-Koordinatorin Sabine Kober, die das Netzwerk für Kinder leitet. Auch sie berät in ihrer täglichen Arbeit Eltern. „Wir erklären ihnen, warum eine Impfung lebenswichtig sein kann. Das wird sehr schnell eingesehen und die Leute gehen mit dem Kind zum Arzt. Von daher würde ich nicht sagen, dass wir eine Impfpflicht unbedingt bräuchten. Mit einer Impfquote von 97 Prozent sind wir in der Region sehr gut aufgestellt“, sagt Kober.