Pirmasens Kaum Folgen für Arbeitsmarkt

Seit 1. Januar gilt bundesweit der Mindestlohn von 8,50 Euro. Für die einen bringt er mehr Gerechtigkeit, andere befürchten Stellenabbau. Bei der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens sieht man dies gelassen: Er rechne nicht mit Auswirkungen auf dem Südwestpfälzer Arbeitsmarkt, stellt Agentur-Chef Hans-Jürgen Omlor fest.
Die Westpfalz und damit die Südwestpfalz liege zwar bei den aktuellen Wachstumsprognosen für Beschäftigung mit 0,8 Prozent unter der Prognose für ganz Rheinland-Pfalz (1,5 Prozent), stellt Hans -Joachim Omlor fest. Dennoch deute auch auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nichts auf einen Beschäftigungsabbau hin. Noch sei es zwar zu früh, um Konkretes über Folgen des Mindestlohns sagen zu können, betont der Agentur-Chef. Aber er sehe dem gelassen entgegen und erwarte in der Südwestpfalz kaum Folgen auf dem Arbeitsmarkt. Man müsse dies ohnehin auf lange Sicht betrachten, meint Omlor. Gerade vor dem Hintergrund eines wahrscheinlichen Arbeitskräftemangels: „Wer guten Lohn erhält, bleibt auch einem Unternehmen treu“. Und wer arbeite, solle schließlich eine angemessene vernünftige Entlohnung erhalten, findet er. Wer wird aus seiner Sicht profitieren vom neuen Mindestlohn, wer nicht? Bei den Branchen, stellt Omlor fest, könnte die neue Entlohnung etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Taxigewerbe, in der Landwirtschaft bei Erntehelfern, in der Zeitarbeit oder zum Teil auch bei Friseuren zu Buche schlagen. Vor allem dort, wo viele Helfertätigkeiten verrichtet werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu berechnet, dass in der Südwestpfalz 10,6 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten von dem neuen Mindestlohn profitieren dürften (wir berichteten), insbesondere Frauen und Ungelernte. Omlor glaubt nicht, dass dadurch unbedingt Stellen abgebaut werden. „Wenn Arbeit da ist, muss sie ja auch gemacht werden.“ Ein Gastronom werde jetzt vielleicht eher überlegen, ob er die Arbeit auf mehrere Minijobber verteile. Denn jetzt erreiche einer die Grenze zur Sozialversicherungspflicht mit weniger Stunden als bisher, nämlich mit 53 im Monat. Oder der Gastronom erhöhe seine Essenspreise. Und wenn die Gesellschaft der Meinung sei, man brauche einen Mindestlohn – was die meisten ja befürworteten –, dann müsse sie auch bereit sein, dies langfristig mitzutragen. Es gibt eine weitere Gruppe, die vom Mindestlohn profitieren kann: die so genannten Aufstocker – Menschen, die arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie staatliche Unterstützung benötigen. Diese Gruppe sei lokal allerdings nicht groß, sagt Omlor. Es gebe zwar in der Stadt Pirmasens unter den insgesamt 3750 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (Stand: Mitte 2014) 848 Erwerbstätige. Aber unter den Vollzeitbeschäftigten gebe es wiederum nur 21 so genannte Bedarfsgemeinschaften mit einem Zahlungsanspruch unter 200 Euro im Monat, die bei Erhalt eines Mindestlohnes nicht mehr zu den Bedürftigen zählten. Das seien zwar für Pirmasens nicht viele, aber bundesweit gesehen sehe es anders aus, meint Omlor. Er glaubt daher, dass der Mindestlohn durchaus auch den Steuerzahler entlasten werde. (tre)