Lust auf Sommersport (5)
Kanufahren: Mal Wildwasser, mal Naturerlebnis
Sie sind erst kürzlich wieder nach Hause gekommen. Zwei Tage war Heike Jung mit ihrer Familie im französischen Metz. Nicht für die Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern ihres Flusses wegen. „Die Mosel ist der nächstgelegene Fluss, der Wildwasser bietet“, erklärt Jung.
Fahren auf Wildwasser ist eine der verschiedenen Disziplinen, die der Kanusport bietet. Allerdings ist sie die am wenigsten für Anfänger geeignete, weil gefährlichste Disziplin. „Es bietet sich immer an, seine ersten Erfahrungen auf ruhigerem Gewässer zu machen“, sagt Jung, nachdem sie ihren weißen Sprinter am Bootshaus der Wassersportfreunde Zweibrücken geparkt hat. Das könne ein See sein, es gebe aber auch Touren auf der Saar oder der Ill inklusive Einführungskurs. „Der gibt einem mehr Sicherheit“, erklärt sie.
Nie alleine
Einsteiger sollten schwimmen können und keine Angst davor haben, auch mal mit dem Kopf unter Wasser zu tauchen. Außerdem ist es ratsam, eine Schwimmweste und einen Helm zu tragen. Ob an Zweigen oder Felsvorsprünge, die ins Wasser ragen: Man kann sich schnell einmal den Kopf stoßen. Wichtig sei, nicht alleine unterwegs zu sein. Außen müsse immer jemand dabei sein, der im Notfall helfen könne.
Im Zweibrücker Bootshaus macht sich Tochter Britta Jung gerade für das Training fertig. Hier lagern die meist aus hartem Plastik gemachten Ein- oder Zweisitzer, bevor sie auf dem Wasser zum Einsatz kommen. Es gibt auch Kanadier, in offener oder geschlossener Variante, damit die Beine während der Fahrt nicht durch hereinspritzendes Wasser nass werden.
Anfänger brauchen Geduld
Britta Jung gehört dem rheinland-pfälzischen D-Kader an. Auf dem nahe gelegenen Schwarzbach trainiert die 13-Jährige, die im Mai bei den süddeutschen Meisterschaften der Schülerinnen in Fürth sowohl im Kajak- als auch im Canadier-Einer den zweiten Platz erreichte, viermal die Woche für ihre Wettkämpfe. „Am schwierigsten ist es, das Kanu gerade zu halten“, weiß die Schülerin des Pirmasenser Immanuel-Kant-Gymnasiums aus Erfahrung. Besonders bei Anfängern dauere es immer eine ganze Weile, bis sie überhaupt gerade aus fahren könnten.
Viele würden sich zu Beginn häufig im Kreis drehen, erzählt Heike Jung. Dagegen hilft, mit dem sogenannten Stechpaddel nicht nur auf einer Seite des Kanus ins Wasser zu stechen, sondern hin und wieder auch überzugreifen und auf der anderen Seite zu paddeln. „Ich mache das nach Gefühl“, sagt Britta. Neben dem Stechpaddel mit nur einer Fläche gibt es noch das Paddel mit zwei Flächen, eine an jedem Ende. So eines verwendet Britta Jung gerade bei ihrem Training. Sie hält es in der Mitte fest, mit einer rotierenden Bewegung berührt abwechselnd jede Seite das Wasser. So fährt sie schnell durch die Stangentore, die an Seilen befestigt über dem Schwarzbach hängen.
Rot-weiße Stangentore müssen flussaufwärts durchquert werden, grün-weiße flussabwärts. Wer eine Stange berührt, bekommt Strafsekunden auf seine Rennzeit hinzugerechnet. Zumindest bei einem Wettkampf.
„In einem Flow“
Jetzt steht für sie erst einmal Training auf dem Plan. Und man trainiert beim Kanufahren so einiges: „Den Bizeps oder den Trizeps zum Beispiel – und natürlich die Ausdauer“, zählt Britta auf und schwärmt: „Es macht total Spaß. Auf dem Wasser bin ich in einem Flow.“ Aber auch von der Natur um einen herum bekomme man viel mit. „Man sieht Eisvögel, schöne Landschaften oder besondere Wasserfarben“, erzählt Heike Jung.
Neben Britta sind auch ihre Brüder Erik, Niels, Ulf und Holger Jung im Kanuslalom Wettbewerbe gefahren. „Sie sind aber aus der Leistungssportkarriere draußen“, erläutert Heike Jung. Für die technischen interessierten Jungs fehlt wegen des Studiums oder der Promotion am Karlsruher Institut für Technologie schlicht die Zeit und die Nähe zum fließenden Gewässer. Für sie liege der Reiz mittlerweile darin, auf wildem Gewässer neue Strecken zu erkunden. Kürzlich waren sie deswegen in Norwegen unterwegs.
KANUKURSE
- Bernd Dörr bietet für den Deutschen Verband für Abenteuersport, Region Pfälzerwald, mit Sitz in Pirmasens Kanukurse an. „Hauptsächlich für Lehrer oder Leute aus der Sozialpädagogik, die mit ihren Schülern Kanufahren wollen“, erklärt der Pirmasenser. Im Juli war er mit der Kanu-AG der Dahner Realschule plus in Österreich im Drautal (Tirol). In der hiesigen Region sei es schwierig, entsprechende Gewässer zu bekommen, weshalb die Kurse oft in Südfrankreich stattfänden. Dörr: „Normalerweise wird der erste Tag in ruhigem Gewässer verbracht.“ Ganz wichtig sei es, Kenterübungen zu machen, wenn man mit dem geschlossenen Kajak unterwegs ist. „Kanusport hat auch viel mit Naturerlebnissen zu tun“, bestätigt der Kursleiter die Eindrücke der Familie Jung.
- Ein einwöchiger Kurs kostet laut Dörr 250 bis 300 Euro. Hinzu kommen Anreise und Übernachtung.
DIE SERIE
Die Sommerzeit ist eine Zeit, in der Menschen draußen Sport treiben wollen. Gerne am Wasser oder im Sand. Wir wollen Lust auf Freiluft-Randsportarten wecken, die man nur oder vorwiegend im Sommer ausübt. Dazu sprechen wir mit Vereinen, Anbietern, Trainern oder Sportlern aus der Region. Bisher sind erschienen: Stand-up-Paddling auf dem Clausensee (16. Juli), Segeln beim Wasgau-Segelclub Pirmasens (23. Juli), Beachvolleyball beim Turnverein Lemberg (26. Juli) und Wakeboarden mit dem Dahner Philipp Burkhart (28. Juli).