Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Kameras an Ampeln: Was die Geräte können und was nicht

Immer mehr Ampeln im Stadtgebiet erhalten Kameras über der Ampel, die der Steuerung der Ampel dienen sollen und datenschutzrecht
Immer mehr Ampeln im Stadtgebiet erhalten Kameras über der Ampel, die der Steuerung der Ampel dienen sollen und datenschutzrechtlich harmlos seien, wie die Stadtverwaltung versichert.

An immer mehr Ampeln im Stadtgebiet tauchen Kameras auf. Sie dienen nur der Verkehrssteuerung, versichert die Verwaltung. Das wollten wir aber mal genauer wissen.

In der Gasstraße, Ringstraße und Adlerstraße sind Kameras an Ampeln schon länger im Einsatz. Rathaussprecher Maximilian Zwick will nicht von Kameras reden, sondern sieht die Anlagen eher als „Detektoren“. Die Kamera erkennt ein Fahrzeug, egal ob Auto, Bus oder Fahrrad und meldet an den Verkehrsrechner, dass da jemand auf Grün wartet. Diese Aufgabe übernehmen schon lange Induktionsschleifen im Boden mit magnetischen Induktionsfeldern. Die erkennen allerdings oft keine Fahrräder und werden bei Straßenbauarbeiten immer wieder beschädigt.

„Kameras bieten den Vorteil, dass sie bei notwendigen Straßenbauarbeiten nicht beschädigt werden und darüber hinaus auch das Detektorfeld nachträglich justiert werden kann“, erläutert Zwick. Mit der Kamera könne ein weit nach hinten reichendes Feld erfasst werden. So könne beispielsweise bei langen Rückstaus an einer Ampel erkannt werden, dass die Ampel länger als üblich auf Grün schalten sollte. Bis zu 75 Meter weit kann einer der verwendeten Kameratypen blicken. Bei Induktionsschleifen müssten entsprechend viele Schleifen verlegt werden.

Kennzeichen werden nicht erfasst

Die Kameras seien allerdings etwas teurer als die Schleifen, weshalb die Verwaltung immer abwägen müsse, welche Technik für welche Ampel nun die beste ist, erläutert Zwick weiter. Im Jahr 2005 wurden in der Ringstraße die ersten Kameras hinter dem Rathaus installiert. 2008 folgten Kameras entlang der Adlerstraße. Hier werde jedoch keinesfalls dauerhaft gefilmt und aufgezeichnet, was so vor der Berufsschule los ist, versichert Zwick. „Die Auflösung der Kameras ist dabei so niedrig, dass weder Personen noch Kennzeichen erfasst werden können“, betont der Rathaussprecher. Die Polizei habe auf die Bilder ebenso wenig Zugriff wie die Stadtverwaltung. Nur wenn ein Servicetechniker mit seinem Wartungscomputer komme, könne auf das Bild zugegriffen werden, versichert Zwick. So einen Wartungscomputer habe die Stadtverwaltung nicht, weshalb auch die Presse nicht mal einen Blick auf die tatsächlich gelieferte Bildqualität werfen könne, wie Zwick auf Anfrage mitteilte.

Verwendet werden laut Zwick die Modelle Traficam und Trafione der Firma Yunex Traffic Global in München. Und die schwärmt in Prospekten von den vielen Möglichkeiten für eine Verkehrssteuerung mit ihren Kameras, die – natürlich auch längst mit Künstlicher Intelligenz verknüpft – weitreichende Schlussfolgerungen für eine Stadt treffen kann und problematische Verkehrssituationen schon im Vorfeld verhindern könne. Die Frage nach der Auflösung der Bilder beantwortet ein Firmensprecher mit 640 mal 480 Pixel VGA. Das ist eine Auflösung, die in der Anfangszeit der digitalen Fototechnik nicht mal akzeptiert wurde. Die Kameras liefern Bilder mit gerade mal 0,3 Megapixeln, heute kann jedes Handy bedeutend mehr Megapixel leisten. Vergleichbare Aufnahmen mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixel – sie war beispielsweise bei Videospielen in den 90er Jahren gängig – aus Überwachungskameras sehen sehr verpixelt aus und erlauben tatsächlich nur die Unterscheidung zwischen Lastwagen, Auto und Radfahrer sowie ob dieser sich bewegt oder steht. Selbst einfachste Überwachungskameras liefern heute bereits viel hochauflösendere Bilder. Die schwach aufgelösten Kamerafotos der Pirmasenser Ampelkameras haben allerdings auch nur ein kleines Datenvolumen und sind entsprechend leicht verarbeitbar von den Verkehrsrechnern.

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