Pirmasens Kalorienzählen und Hormonyoga

Vier Freundinnen, alle über 40, finden sich zu einem Mädels-Abend zusammen, öffnen eine Flasche Sekt, erzählen sich Geschichten übers Älterwerden, begutachten Falten und graue Haare und geben sich Tipps im Umgang mit den Wechseljahren. Dass ein solches Meeting auf sehr hohem Niveau geschehen kann und als Ergebnis mehr zu bieten hat als klischeehafte, feministische Parolen, zeigte am Sonntag der Auftritt der vierköpfigen Damengruppe „Die Schönen Mannheims“, die mit ihrem Musikkabarett „Hormonyoga“ im Bürgerhaus Schuhfabrik in Waldfischbach-Burgalben gastierte und es blendend verstanden, nicht nur die rund 250 anwesenden Damen zu begeistern.
Obwohl die sieben Männer wahrscheinlich von ihren amüsierwilligen Ehefrauen mitgeschleppt, zwischen ihnen und ihren besten Freundinnen eingeklemmt wurden und vor Beginn der Veranstaltung verlegen grinsten, sollten auch an der rund zweistündigen Show ihre Freuden haben. Als nämlich auch sie, gleich in den ersten Minuten, mit der entwaffnenden Begrüßung „Guten Abend, liebe Menopausistinnen, Menopausisten und Noch-Menstruantinnen“ angesprochen wurden, war nicht nur das Eis schnell gebrochen, sondern auch die Marschrichtung des rund zweistündigen Programms klar, das eben auch die Herren der Schöpfung mit einbeziehen und die satirischen Boshaftigkeiten gleichermaßen auf den jeweiligen Sexus des Zuschauers verteilen sollte. Die „Schönen“ Anna Krämer, Stefanie Titus, Susanne Back und Smaida Platais waren also keineswegs gekommen, um sich blutrünstig über die Verfehlungen des „starken Geschlechts“ herzumachen, sondern lieferten Kleinkunst, die sich mit dem sturen Einhalten von Grenzen schwer tut – sowohl hinsichtlich der Geschlechter, als auch im Hinblick auf ihr musikalisches und schauspielerisches Können. Mit viel Ironie thematisierten die vier Damen nicht nur Menopausen, Super-Plus-Binden und Schönheitsoperationen, sondern widmeten sich auch klassischen Beziehungsproblemen, weiblichen Sehnsüchten sowie kleinen und großen Lebenslügen – zwischen Kalorienzählen und Hormonyoga eben, einem Sport, von dem man übrigens munkelt, dass es ihn wirklich geben soll. Das alles zusammengepackt in einer ausgereiften und anspruchsvollen Bühnenshow, die sich gleich mehrerer Genres bediente: Kabarett, Comedy und Revue. Dass die vier „Schönen“, von denen jede als Sängerin und Schauspielerin, Musicaldarstellerin oder gar Operndiva ausgebildet ist, erst seit 2011 zusammen auf der Bühne stehen, tat dem Ganzen keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Woran andere mitunter Jahrzehnte feilen, hat das Quartett es schon nach vier Jahren geschafft, derart minutiös aufeinander abgestimmt zu sein und zu harmonisieren, dass bissige Kommentare und komödiantische Pointen mit äußerster Präzision dargeboten werden können. Wenn zum Beispiel Susanne Back sich zum Männerfang stundenlang aufbrezelt, Zehen und Fersen in unbequemen Highheels mit Pflastern beklebt und die gewünschte Reaktion des männliches Geschlechts dann doch ausbleibt, Smaida Platais, das Älterwerden beklagend, mehrfach zur Sektflasche greift, um sich selbst Vergessen zu schenken oder Anna Krämer sich mit „Früher hieß meine beste Freundin Tina, heute ist es Tena“, schonungslos zu Inkontinenz bekennt, dann ist das vor allem eins: Brüllend komisch. Stefanie Titus begutachtete das bunte Treiben vom Flügel aus, auf dem sie ihre Kolleginnen begleitete und erwies sich dabei mit trockenen Kommentaren als wahrer Fels in der Brandung, der milde lächelt, wenn es die drei Freundinnen mal wieder übertrieben haben. Nicht zuletzt waren es diese kleinen, unerschöpflichen Anekdoten aus dem großen Fundus weiblichen Alltagslebens, die den musikalischen Schwerpunkt des Programms auflockerten, liebevoll umrahmten und für die nötige Würze sorgten.