Pirmasens König der Prediger hält Hof

Ein wunderbarer Entertainer: Marcel Adam.
Ein wunderbarer Entertainer: Marcel Adam.

Marcel Adam versteht es, sich in die Herzen des Publikums zu singen, findet Lothar Feldner, Programmgestalter des Kulturzentrums Alte Kirche in Vinningen. Damit hatte er Recht. Denn bestimmt 130 Fans des Liedermachers waren am Sonntag zum ausverkauften Konzert gekommen und waren begeistert. Denn es trat ein Musiker auf, den sie bestens aus dem Haus am Lindenbrunnen kannten, wohin ihn die inzwischen verstorbene Maria Schwartz wiederholt zum Auftritt eingeladen hatte.

Gab es anfangs noch Probleme mit der Akustik und war der Künstler irritiert von dem Knarren der Stühle, wurde das Konzert im Laufe des Abends immer intensiver und harmonischer und endete gar mit einem Vokalgesang zu „Am Ende denke ich immer nur an dich“ von „Element of Crime“, der die Stimme Marcel Adams mit denen des Publikums einte. Eröffnet wurde das Konzert mit Hannes Waders „Gut, wieder hier zu sein“, ein passender Titel, um seine Vinninger Fangemeinde zu begrüßen, die zum Glück solch gute Musik zu schätzten wussten, weil sie – wie der Sänger scherzte –, genauso alte Säcke seien wie er selbst. Ja, seine Kommentare waren stets mit einer Prise Humor versehen. Marcel Adam, Sänger, Gitarrist und Entertainer, verstand es prächtig, mit dem Publikum zu plaudern, zu scherzen und es auch gesanglich in das Konzert einzubinden, so dass flugs eine sehr persönliche Atmosphäre entstand. Er sei der König der Prediger, erzählte er seinem Publikum, und dennoch der erste, der sich nicht an das halte, was er an Lösungen für das Leben der anderen so parat hat. Vielleicht macht ihn genau diese Philosophie dem Publikum so sympathisch, denn es menschelte heftig, als er seine Anekdoten und Geschichten von früher erzählte. Mit den Inhalten seiner Lieder öffnete sich eine Art musikalisches Familienalbum, mit dem er eine Hommage an Menschen und Orte von früher zum klingen brachte. Die Rede ist von Titeln wie „S’onner“, „Sellemols“, und „Die Muddergoddes uff em Bersch“, die von früher und seiner Kindheit erzählen. Mit „Flamenco Blues“ hingegen brachte er einem verstorbenen Musikerkollegen eine musikalische Andacht und mit „De Passage“ erinnerte er daran, dass wir alle nur „uff de Durchrääs“ sind. Zu „S’Onner“ verrät Adam noch mehr: 167 Euro bringe ihm das Lied bei der Gema, und sei damit sein Favorit, sein höchstbezahlter Titel. Seine Lieder sind übrigens mal auf Deutsch, mal auf Französisch und oftmals auch in Mundart der Region. Auch wenn der französische Chansonnier, Liedermacher und Mundart-Komödiant nicht nur eigene Lieder sang, war sein Konzert dennoch sehr persönlich, weil ihm die gewählten Titel anderer Sänger, die er für sich adaptiert und arrangiert, offenbar sehr nahe gehen. Dazu gehören Gitte Hennings „Ich will alles“, „Wunder geschehn“ von Nena, „Ich will den Platz in meinem Herzen neu vermieten“ von Udo Lindenberg und „Liebe ist ein Liebe ist wie wildes Wasser (Die Rose)“, im Original gesungen von Bette Midler, für das er besonders viel Applaus bekam. Das letzte Lied seiner Konzerte sei übrigens immer „Von guten Mächten“ nach dem Text von Dietrich Bonhoeffer und der Musik von Siegfried Fietz in einem Arrangement von Marcel Adam. Das gefiel seinem Publikum, das ihm für den musikalischen Hoffnungsschimmer mächtig applaudierten. Schade nur, dass der Liedermacher ankündigte, nicht mehr so viel reisen zu wollen, um außerhalb seines geografischen Umfelds aufzutreten, nachdem er im vergangenen Herbst gesundheitlich angeschlagen war. Doch die Alte Kirche in Vinningen hält er für einen wunderbaren Ort und die Veranstalter, die ihm die Treue halten, würde er letztendlich kaum enttäuschen. Außerdem sprach Marcel Adam am Sonntag mit dem Pirmasenser Musiker Fred Schütz über ein mögliches gemeinsames Konzert. Die Fans können sich also freuen: Die Karten, dass Marcel Adam wieder kommt, stehen gar nicht schlecht.

Mehr zum Thema
x