Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Jubiläum: Martina Stegner seit 25 Jahren als Heilpraktikern tätig

„Wer während der Therapie wütend wird, weil er viele Ängste im Leben aushält, darf bei mir auch schreien“, sagt Martina Stegner.
»Wer während der Therapie wütend wird, weil er viele Ängste im Leben aushält, darf bei mir auch schreien«, sagt Martina Stegner.

Vor 25 Jahren hat sich die Heilpraktikerin und Körperpsychotherapeutin Martina Stegner mit einer Praxis selbstständig gemacht. Seitdem versucht sie, mit vielseitigen Therapien in unterschiedlichsten Anwendungsgebieten Menschen zu helfen – sowohl Kindern und Jugendlichen als auch Erwachsenen. „Körper berührt Seele“ ist das Credo von Stegner.

Angefangen hat für Martina Stegner alles, als sie mit 30 Jahren selbst krank wurde und deshalb anfing, ihr eigenes Leben zu überdenken. Als Medizinisch-Technische-Radiologie-Assistentin an der Uniklinik Homburg war sie bereits im medizinischen Bereich tätig, wurde durch eine Bekannte allerdings auf die Heilkunde aufmerksam.

Zeitungsartikel sorgt für Kundschaft

„Durch die Krankheit habe ich gemerkt, dass ich selbst eigentlich unglücklich war. Mein eigentlicher Beruf war mir irgendwo zu technisch angehaucht, weswegen ich mich die nächsten Jahre heilpraktischen Studien in Göttingen und München gewidmet habe. 1996 war ich schließlich staatlich geprüfte Heilpraktikerin und hing meinen alten Beruf endgültig an den Nagel. Bis dahin war es allerdings ein strammer Weg“, erzählt Stegner. Die eigene Praxis, zunächst in der Rodalber Straße, folgte wenig später. Durch einen Zeitungsbericht wurden die ersten Klienten auf sie aufmerksam. „Mein damaliger Mann warf einen Flyer von mir in den Briefkasten der RHEINPFALZ. Die ,Pirmasenser Rundschau’ veröffentlichte daraufhin einen großen Artikel über mich und auf einen Schlag hatte ich an die 30 neue Klienten“, erinnert sie sich.

Ängste schlagen sich körperlich nieder

Die Arbeitsgebiete von Stegner sind vielfältig, immer wieder besucht sie Seminare in ganz Deutschland und bildet sich fort. So behandelt sie sowohl Menschen mit chronischen Schmerzen, für die die Schulmedizin noch keine Lösung gefunden hat, als auch Patienten, die unter Ängsten aufgrund früherer Traumata leiden. „Oft schlagen sich diese Ängste auch körperlich nieder. Die Klienten leiden dann beispielsweise unter massiven Schlafstörungen oder entwickeln in jungen Jahren eine Magersucht“, sagt Stegner.

Tiefenpsychologische Psychotherapie oder auch Hypnoseanalyse seien hier beispielsweise Methoden, um an unbewusste seelische Vorgänge heranzukommen und so das menschliche Verhalten und Erlebte erklärbar zu machen. Großen Wert lege sie darauf, den Körper der Klienten in die Psychotherapie mit einzubeziehen, denn das habe einen guten Grund: Bewusst- und Unbewusstsein stehen laut Stegner in unmittelbarer Wechselwirkung.

Klienten werden immer jünger

„Die meisten, die zu mir kommen, haben eine Odyssee an Ärzten hinter sich. Darunter gibt es auch sehr junge Menschen. In 25 Jahren wurden meine Klienten immer jünger“, sagt Stegner. Aber auch Schulmediziner hätten ihre Sichtweise auf Stegners Beruf im Laufe der Jahre verändert. „Als ich mit meiner Praxis anfing, bin ich mir selbst wie ein Exot vorgekommen. Ärzte haben mich kritisch beäugt, heute empfehlen sie mich und schicken mir den ein oder anderen Patienten. Die Gesellschaft ist gegenüber Heilpraktikern generell viel offener geworden“, hat die Pirmasenserin festgestellt. Da sie selbst nicht zuletzt durch ihre eigene Krankheit gelernt habe, was wichtig im Leben sei und wie es sich anfühle, Hilfe zu brauchen, sei ihr im Umgang mit Hilfesuchenden stets an einer Kommunikation auf Augenhöhe gelegen.

„Vertrauen ist für mich der Anfang von allem Heilen“, meint Stegner dazu. So tiefgreifend die Probleme ihrer Patienten auch seien und so schlimm, was einige von ihnen vielleicht in ihrer Kindheit erlebt habe – das Lachen kommt in der Praxis von Martina Stegner, die seit 22 Jahren am Sommerwald angesiedelt ist, nicht zu kurz. „Ich bin ein lustiger Mensch und lache viel mit meinen Klienten – natürlich schafft auch gemeinsames Lachen Vertrauen“, so Stegner. „Wer während der Therapie wütend wird, weil er viele Ängste im Leben aushält, darf bei mir auch schreien. Es ist schon vorgekommen, dass ich mit Patienten unter Hypnose gekämpft habe, weil sie gerade dabei waren, zu lernen, wie man sich wehrt“, berichtet die Heilpraktikerin und Körperpsychotherapeutin. Das eigene Jubiläum hätte Stegner allerdings fast vergessen. „Im Corona-Trubel ging es etwas unter, dass ich im Mai diesen Jahres seit 25 Jahren im Beruf stehe. Die Ehrennadel des Heilpraktikerverbands, die ich geschickt bekam, hat mich dann wieder daran erinnert“, erzählt Stegner lachend.

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