Pirmasens Jubel über Jogis Jungs

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„Deutschland, Deutschland!“ Was für ein überragender WM-Start. Die DFB-Elf gewinnt ihr Hundertstes WM-Match mit 4:0 gegen Portugal und die Pirmasenser Unicorn Sportsbar erlebt die erfolgreiche WM-Public-Viewing Premiere der deutschen Elf. Yogis Jungs und Ralph Barlogs Sportsbar, das passte gestern Abend herrlich zusammen.

Einzige Ausnahme: Der Tipp des Sportsbar-Machers selbst. „1:1“, lautet seine Ergebnisvorsage vor dem Anpfiff im heißen Salvador da Bahia. Herr Barlog, das nächste Mal etwas mutiger bitte! So wie Landtagsabgeordneter Thomas Weiner, der direkt aus dem Zug kommend in die Sportsbar tippelte, wohl den letzten freien Platz an der Riesenbar ergatterte und mit einem 3:2 zufrieden ist. Nun, beide hatten Unrecht. Dies interessierte auch keinen der begeisterten Besucher. Hätte vor 30 Jahren jemand vorhergesagt, dass am Sackbahnhof unserer Schuhstadt beim ersten Match der DFB-Elf im und vorm Bahnhof über 200 Fans, die meisten in Deutschland-Trikots, Hüten, Girlanden und Perücken, an gefühlten 20 Flat-TV Geräten, davon einer gar fast zwei Meter breit, die Copa del Mundo verfolgen, man hätte ihn für verrückt erklärt. Gleiches gilt für den Spielverlauf in Halbzeit eins. Denn auch derjenige, der eine 3:0-Führung der Deutschen vorhergesagt hätte, wäre wohl als Spinner bezeichnet worden. „Das hätte ich nicht gedacht“, sagt Patrick (32), Dauer-Tribünengast beim FK Pirmasens. Die Stimmung vor dem Match hält sich (noch) in Grenzen. Die Nationalhymne gehört vor allem bei den vielen Fan-Teenagern zum nicht beachteten Beiprogramm. Dann geht’s los. Schon beim ersten Aufreger, als Sammy Khedira neben das leere Tor schießt, sind die Fans da. „Ohh, aaah“ schallt es laut von drinnen nach draußen und umgekehrt. Doch der Lärmpegel ist steigerbar, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Mario Götze wird im Strafraum gefoult und der Schiedsrichter zeigt so schnell auf den Punkt, dass keiner der Anwesenden Zeit hat, den Strafstoß einzufordern. Thomas Müller tritt an und trifft links unten. „Tooooooooooooor!“ Die erste Anspannung löst sich so langsam. Dann die 32. Minute. „Jaaaaaaaaaaaaaaaaa!“ Dies bedeutet ganz einfach, dass die DFB-Truppe nach Ecke von Toni Kroos durch einen Klasse-Kopfball von Mats Hummels mit 2:0 in Führung geht. Tröten und Trillerpfeifen begleiten den Torjubel des Dortmunder Innenverteidigers, der in Halbzeit zwei verletzt ausscheidet. Sechs Minuten später wird′s erneut laut. Pepe bekommt den roten Karton vor die Nase gehalten. Vorteil Deutschland, ganz klar. Jetzt heißt es elf Deutsche gegen zehn Portugiesen. Und es kommt noch besser. Denn es „Müllert“ erneut. Denn das 3:0 erzielt der Mann mit dem für Tore prädestinierten deutschen Nachnamen – Müller, der Bomber der Nation lässt grüßen. Dann ist Halbzeit. „Super, über das Ergebnis bin ich sehr überrascht“, sagt die 40-jährige Elfi, die beim PSV Trier übrigens selbst dem runden Leder nachjagt und in Pirmasens Freunde besucht. „Saugut“, findet Jens aus Hinterweidenthal die „Location“ und strahlt über beide Backen, während dort das Bedienungspersonal durch die Reihen huscht. „Vom Spiel kriegen wir natürlich nicht soviel mit. Aber wenn ich frei habe, schaue ich mir die Deutschen natürlich an“, erzählt uns Stephanie, bei einem kurzen Boxenstopp. Aufgrund der deutlichen Halbzeitführung fehlt natürlich in den zweiten 45 Minuten das richtige Prickeln. Allerdings, wenn die Deutschen gefährlich vorm portugiesische Gehäuse auftauchen, sind alle wieder voll da. Ein schon mitleidiges „Aaah“ und „Ohhhh“ raunen die mittlerweile auch gut geölten Kehlen, als die Regie Cristiano Ronaldo mit trauriger Miene in Vollaufnahme zeigt. Im Gegensatz dazu fällt die Reaktion kurze Zeit später völlig losgelöst aus. Wieder steht der bayrische Müller goldrichtig, als André Schürrles Flanke zu kurz abgewehrt wird. 14 Minuten später pfeift der Unparteiische ab und die Sportsbar bebt an diesem Abend zum letzten Mal. Riesenbeifall brandet auf – und natürlich die Rufe „Deutschland, Deutschland!“

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