Pirmasens
Johannes Meyerhöfer improvisiert quer durch die Musikgeschichte
Das Thema „heimat/en“ – das Motto des rheinland-pfälzischen Kultursommers – beschäftigte am Samstagmittag auf dem Schloßplatz in der Pirmasenser Fußgängerzone den Pianisten Johannes Meyerhöfer und sein Publikum. Eingeleitet wurde das Konzert von der Künstlertruppe „Grotest Maru“ aus Berlin, die mit ihrem Stelzentheater die Passanten mit auf einen Rundgang nahmen.
Die Definition der Improvisation aus dem Duden lautet „Etwas aus dem Boden stampfen, aus dem Stegreif tun/spielen/aufführen“. Genau das tat Meyerhöfer auf Zuruf der Passanten und Zuhörer.
Kein Wunsch wird vergessen
Das Publikum konnte sich Musikstücke oder auch Themen wünschen, die möglichst zum „Heimat“-Motto passen sollten. Meyerhöfer notierte sich die Wünsche, hörte sich das eine oder andere ihm weniger geläufige Stück auf dem Smartphone an und erstellte sich einen Plan, um während des Improvisierens keinen Wunsch zu vergessen.
Während dieser Phasen moderierte Uwe Hauser vom Stadtmarketing und musste, um die Wartezeit zu überbrücken, ebenfalls improvisieren. Er sprach mit bekannten Pirmasensern aus der Politik und Stadtverwaltung über ihre Assoziationen zum Thema „Heimat“, zu Pirmasens und Natur, das vom Kunstverein auf großen Fotostellwänden am Rande des Schlossplatzes gezeigt wurde. Außerdem begrüßte Hauser Meyerhöfers erste Klavierlehrerin Vilja Steckel, interviewte Helfried Steckel, den früheren Musiklehrer Meyerhöfers, der sein Abitur im Jahr 2005 am Immanuel-Kant-Gymnasium abgelegt hat und empfing gut gelaunt eine saarländische Touristengruppe in perfektem Saarländisch mit den spöttelnden Worten, ob sie „auch Lyoner mitgeholl“ habe.
Mozart passt zu Pipi Langstrumpf
Johannes Meyerhöfer hat an der Musikhochschule Köln Klavier, Liedbegleitung und Musiktheorie/Tonsatz studiert und lebt heute in Berlin. Er arbeitet hauptsächlich als Pädagoge. Dabei gibt er nicht nur Klavierunterricht an verschiedenen Berliner Musikschulen und als Dozent an der Musikhochschule Köln, sondern ist auch ausgebildeter Erlebnispädagoge und Coach für Transformationsarbeit und musikalische Visualisierung.
Künstlerisch liegt sein Schwerpunkt neben dem Komponieren und Begleiten auf der freien Improvisation. Dass er darin ein wahrer Könner ist, führte er auf dem Schlossplatz eindrucksvoll vor. So schaffte er es beispielsweise, das berühmte „Rondo alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit der Pipi-Langstrumpf-Melodie zu verknüpfen, das Volkslied „Dich mein stilles Tal“ in Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“ einzubauen oder in einem Reigen von Melodien von Franz Schubert „Summertime“ aus der Oper „Porgy and Bess“ von George Gershwin zu verstecken. Auch dass die Volkslieder „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ und „Der Mond ist aufgegangen“ hervorragend zu den Weisen Richard Wagners passen, hätte man vor den genialen Improvisationen Meyerhofers nicht für möglich gehalten. Sowohl die pianistische, als auch die Konzentrationsleistung Meyerhöfers sind wegen des unruhigen Kommens und Gehens und der hochsommerlichen Temperaturen zu bewundern.