Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Jüdische Komponisten zum Jom-Kippur-Fest: Kammermusikalische Raritäten

Friedrich Edelmann (Fagott) und Rebecca Rust (Cello) beim Konzert zum Jom-Kippur-Fest in Dahn.
Friedrich Edelmann (Fagott) und Rebecca Rust (Cello) beim Konzert zum Jom-Kippur-Fest in Dahn.

Mit einem Konzert mit Werken jüdischer Komponisten oder thematischen Bezügen zum Judentum fesselten Friedrich Edelmann und Cellistin Rebecca Rust am Sonntagabend anlässlich des jüdischen Jom-Kippur-Festes im Haus des Gastes über 80 Besucher.

Auch Klassikfreunde konnten manche Rarität an diesem außergewöhnlichen Kammermusikabend entdecken. Zum Auftakt stellten die beiden wunderbar miteinander harmonierenden Musiker die „Songs of Ascents“ von Max Stern (geb. 1947) vor. Diese Gesänge begleiteten den Aufstieg zum Berg Zion. Eine Uraufführung an diesem Abend waren Sterns „Hassidic Duets“ für Cello und Fagott.

„Diese Musiktradition kommt aus Osteuropa, aus dem Mittelalter“, erzählte Friedrich Edelmann, der das Konzert auch moderierte. „Sie beruhen auf alten Tanzweisen. Ich hatte Stern geschrieben, dass wir Stücke brauchen, weil das Repertoire für unsere Besetzung nicht so groß ist. Und er hat uns diese Stücke dann auf unseren Notruf hin geschickt“, meinte Edelmann mit humorvollem Schmunzeln.

Das „grummelnde“ Fagott

Dunkle Fagottklänge fanden sich zu einem Thema zusammen, während Rebecca Rust am Cello eine gegenläufige Melodie ausführte, die sich mit dem ersten Thema zu einer prägnant punktierten Weise in tiefen, dunklen Farben zusammenfand, das Fagott „grummelte“ geradezu. Vor dieser Klangfolie entspann sich dann weich und volltönend ein Cellothema, das mit seinen punktierten Rhythmen spontan an einen kraftvoll stampfenden Tanz denken ließ.

Wie ein Ruf wirkte das Thema des nächsten Duettes in aparten, orientalisch anmutenden Harmonien. Sie erinnerten entfernt an die modale Tonalität, die für die Musik des Nahen Ostens charakteristisch ist, aber auch in der alten Kirchenmusik verwendet wird. Das Cellothema steigerte sich auf aufeinander aufbauenden aufsteigenden Tonstufen immer intensiver, während das Fagott in tiefen, dunklen Lagen neue Impulse setzte. Das Werk klang in einem hohen, ruhigen Cellothema aus.

Ergreifende Eindringlichkeit

Das dritte Duett zeichnete sich durch den auffordernden Charakter des Themas aus, das sich auf beide Instrumente auffächerte. Ein zu religiösen Festen gesungenes Werk ist Sterns „Prayer“ aus seinen Lobgesängen für Cello und Fagott. Friedrich Edelmann gestaltete das Thema mit ergreifender Eindringlichkeit in warmen Farben, während das Cello einen dezenten Klangteppich darum wob.

Ein anderer jüdischer Komponist, der vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten als Direktor des damals sehr angesehenen Mainzer Konservatoriums wirkte und dessen Werke auf zahlreichen Opernspielplänen standen, bis ihre Aufführung verboten wurde, war der in Wien geborene Hans Gal (1890-1987). Er flüchtete nach England, wo er nach einer Zeit im Internierungslager in Edinburgh eine neue Heimat fand und seine akademische Karriere fortsetzen konnte. „Er war auch an der Gründung des Edinburgh Festival beteiligt“, erzählte Friedrich Edelmann. Aus seiner Suite für Cello solo spielte Rebecca Rust die Sätze „Cavatina“ und „Alla Marcia“. Die „Cavatina“ zeichnete sich durch weiche, dunkle und sehr emotionale Klänge aus, die an eine elegische Erzählung ohne Worte denken ließen. Die Wehmut dieses Werkes ließ Rebecca Rust mit ihrem sehr differenzierten Spiel, das ganz im Dienst der Interpretation stand, ergreifend lebendig werden. Ganz anders war der Charakter von „Alla Marcia“. Der punktierte Rhythmus mit seiner auffallenden schweren Taktzeit wurde erst durch auftaktige Umspielungen aufgelockert. Auch hier war das Spiel der Cellistin von tiefster Empfindung geprägt.

Instrumente fallen einander ins Wort

„In diesem Stück zeigt Hans Gal, dass er nie seinen Humor verloren hat“, machte Edelmann seine Zuhörer auf das Divertimento für Fagott und Cello op. 90 Nr. 1 neugierig. „Es wirkt fast wie ein Dialog zwischen zwei Personen.“ Und tatsächlich fielen sich die beiden Instrumente immer wieder ins Wort, während sie sich in der Übernahme des Themas abwechselten. Das extrem nuancenreiche Spiel der beiden Musiker unterstrich den Gesprächscharakter des Werkes.

Da der französische Opernkomponist Georges Bizet (1838-1875) eine jüdische Mutter hatte, stand auch sein „Kleines Duett für Fagott und Cello in c-Moll“ auf dem Programm, ebenso eine Bearbeitung des Gefangenenchores der nach Babylon verschleppten Juden aus Giuseppe Verdis (1813-1901) Oper „Nabucco“. Mit den „7 Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium 'Judas Maccabäus“ von Ludwig van Beethoven (1770-1827) ließen die beiden Künstler einen ungewöhnlichen Kammermusikabend ausklingen. Für den Applaus bedankten sie sich mit einem Gebet von Ernest Bloch (1880-1959).

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