Pirmasens
Irgendwo in Pirmasens: Von Leerständen in Städten und spannenden Berufen
Sie wohnen beide in Contwig? Kommen aber von hier?
Legout: Jein, ich bin ein Rheinländer, beziehungsweise auch Franzose. Ich bin groß geworden in Frankreich.
Und wo genau?
Legout: In der Nähe von Paris, Montargis im Département 45 Loiret.
Und wie lange haben Sie dort gewohnt?
Legout: Sechs Jahre, die ganze Vorschule. Ich bin mit 12 zurück nach Deutschland.
Schenk: Ich komme aus Wuppertal, seit 1966 bin ich in Zweibrücken.
Was führt Sie denn heute nach Pirmasens?
Schenk: Langeweile. (lacht)
Das heißt, Sie gehen etwas bummeln? Machen Sie das öfter?
Legout: Ja, so einmal in der Woche sind wir meistens in Pirmasens.
Also gefällt es Ihnen hier?
Legout: Ja, was heißt gefallen, es ist mal was anderes als Contwig.
Schenk: Zweibrücken, das ist eigentlich auch ein schönes Städtchen, oder nicht?
Zweibrücken hat mittlerweile ja auch dieselben Probleme mit Leerständen.
Legout: Ja, natürlich. Das haben wir hier eben auch noch gesagt, da unten steht so viel leer.
In Zweibrücken kenne ich eigentlich nur das Outlet.
Schenk: Ja, und die Fußgängerzone ist auch sehr schön, die haben jetzt wieder Fontänen an. Ich finde es da ganz schön, gefällt mir eigentlich besser als Pirmasens, muss ich ehrlich sagen.
Legout: Wie gesagt, wir kommen hierher, und das ist während Corona mal ein kleiner Unterschied für uns. Obwohl wir es gut haben, in Contwig ist direkt der Pfälzerwald, da sind auch Pfälzerwald-Hütten, also man kann viel spazieren gehen, ohne dass man andere Leute trifft.
Schenk: Und wir sind schnell in Frankreich. Über Hornbach sind wir schnell dort.
Legout: Bis zur Grenze sind es nur 3,5 Kilometer und bis nach Bitsch sind es knapp 20 Kilometer.
Also fühlen Sie sich noch verbunden mit Frankreich?
Legout: Ja natürlich. Meine drei Schwestern wohnen noch in Frankreich bei Montargis.
Und Sie, Frau Schenk, sprechen auch Französisch?
Schenk: Nein, leider nicht. Ich bin zu faul oder ich war zu faul (lacht), jetzt ist es sowieso zu spät.
Legout: Und es ist eine schwierige Sprache. Die Sache bei Sprachen ist, dass man immer dranbleiben muss. Il faut toujours rester dans la langue. Il faut toujours parler. Ich war noch zusätzlich Gerichtsdolmetscher für Englisch und Französisch und war bei der amerikanischen Kripo.
Ach wirklich?
Legout: Ja, deswegen konnte ich mit 50 in Rente gehen! Ich war, glaube ich, gerade mal zwei Wochen 50, und da bin ich weg. Der Beruf hat mir Spaß gemacht, jede Menge. Ich hätte auch weitermachen können, aber dann hätte ich umsonst gearbeitet, und wer macht schon sowas?
Was haben Sie da genau gemacht?
Legout: Ich war amerikanischer Kriminalbeamter, bei der CID (Criminal Investigation Division).
Was haben Sie da alles erlebt?
Legout: Da könnte ich ein ganzes Buch mit ein paar hundert Seiten schreiben.
Hat es sich denn nur um Militärangehörige gedreht?
Legout: Das Militär und die Angehörigen. Wir hatten ein Gebiet, das ging hoch bis Baumholder und dann bis nach Landau, für das wir zuständig waren. Ich war Verbindungsoffizier zur gesamten Gendarmerie in Deutschland und war zuständig für ganz Frankreich.
Die Serie
Für unsere Serie „Irgendwo in Pirmasens“ sind wir jede Woche auf der Suche nach Gesprächspartnern, mit denen wir über Pirmasens, Gott und die Welt plaudern.