Pirmasens
Interview: Vorstandchef Tackenberg über die Zukunft des PFI
Herr Tackenberg, am 15. Januar wurde die Öffentlichkeit von der Trennung von Geschäftsführerin Claudia Schulte überrascht. Was waren die Gründe für diesen Schritt?
Zunächst einmal muss ich deutlich machen, dass es nach außen ein überraschender Schritt war, nicht aber für den Vorstand. Denn es war schon länger deutlich geworden, dass es unterschiedliche Vorstellungen über die PFI-Ausrichtung für die nächsten Jahre gibt.
Worin liegen diese Unterschiede?
Da ist einmal das Verhältnis unserer Standorte in Pirmasens und in Asien, wo wir in Hongkong angesiedelt sind und in China-Mainland ein weiteres Forschungslabor haben. Schon seit Jahren sind wir an dem Thema, dass sich beide Standorte als ein Unternehmen und nicht als Wettbewerber sehen müssen. Wir nehmen uns ja als Unternehmen nichts weg. Das Gegenteil muss der Fall sein: Wir müssen uns ergänzen. Es kann ja nicht sein, dass wir von Pirmasens Mitarbeiter zu Kunden nach China schicken, obwohl wir dort Personal dafür vor Ort haben. In dieser Frage sind wir jetzt über einen längeren Zeitraum nicht vorwärtsgekommen.
Aber das war es noch nicht, oder? Nach PZ-Informationen geht es auch um die Vermarktung des Instituts?
Ja, das Prüf- und Forschungsinstitut muss sich besser verkaufen, besser gesagt die Institutsleitung muss es besser verkaufen. Deren Aufgaben haben sich inzwischen in Richtung Betriebswirtschaft und Marketing verschoben. Wir sind in einem Wettbewerb, da geht es nicht mehr um das Verwalten, sondern die Institutsleitung muss Akquise betreiben. Wobei ich betonen will: In den 13 Jahren der bisherigen PFI-Leiterin war nicht alles schlecht, aber jetzt ist es nicht mehr in die gleiche Richtung gegangen von Vorstand und Institutsleitung.
Haben Sie schon jemand gefunden, der die Nachfolge antritt?
Die Trennung von der bisherigen Leiterin wurde zwar am 15. Januar vollzogen, die Entscheidung haben die Gesellschafter aber schon gegen Jahresende 2024 gefällt. Nach diesem Beschluss wurden auch schon die ersten Schritte für eine Nachfolgelösung unternommen. Das braucht aber seine Zeit, ich rechne da mit etwa sechs Monaten, bis die Stelle neu besetzt ist. Bis dahin kümmere ich mich um die Aufgaben der Institutsleitung.
Wie wurde die Trennung von der bisherigen Institutsleitung intern aufgenommen?
Momentan herrscht eine gute Stimmung, ich würde sogar sagen sogar eine Aufbruchsstimmung bei Abteilungsleitungen und Mitarbeitern. Schließlich sind wir auch nicht getrieben, etwas tun zu müssen – aber wir wollen etwas tun.
Wie ist das Prüf- und Forschungsinstitut aktuell aufgestellt? Seine Ursprünge liegen ja in der Schuhbranche…
Die Schuhindustrie war der Ursprung und das Kerngeschäft, inzwischen macht sie aber nur noch etwa 50 Prozent aus. Wir prüfen inzwischen für viele Branchen, gerade haben wir Wanderstöcke getestet – und jüngst hatten wir sogar eine Anfrage für Sexspielzeug. Stark entwickelt hat sich die Biotechnologie als Standbein mit dem Energiepark in Winzeln, da laufen einige Forschungsprojekte.
Wie konkret sind denn die Projekte im Energiepark?
Wir forschen nicht nur, sondern wir haben auch schon Ergebnisse: Wir speisen in Winzeln schon ins Netz ein. Auch könnten wir unsere Anlagen verkaufen, wenn wir denn Käufer finden. Da liegt das Problem, das politische Problem: Es gibt viele Interessenten, die aber zögern, weil sie sich fragen: Wohin geht es politisch mit der Energiepolitik? Daher ist es schwierig, unsere Bioraffinerie zu vermarkten und zu verkaufen. Und auch wenn es um die weitere Forschung geht, sind wir in der Warteschleife: Zwar kommen immer wieder Politiker, die angetan sind, schließlich ist die Speicherung von Energie das große Thema, aber Fördergeld fließt wenig. Und aktuell haben wir noch eine Haushaltssperre auf Bundesebene.
Und dann gibt es da noch das International Shoe Competence Center (ISC)…
Das ISC ist seit einigen Jahren eine Abteilung des Prüf- und Forschungsinstituts, das seinen Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung hat. Inzwischen gehen auch, trotz des Namens, die Angebote und Aktivitäten weit über die Schuhbranche hinaus. Da möchte ich nur einmal das Kursangebot für den IHK-zertifizierten Nachhaltigkeitsmanager nennen, das branchenübergreifend stark nachgefragt wird.
Wie steht das Prüf- und Forschungsinstitut wirtschaftlich da?
Wir sind aktuell nicht schlecht unterwegs. Natürlich hatten wir nach Corona schwierige Jahre, mussten auch wegen der wirtschaftlichen Entwicklung danach strampeln. Momentan kommen wir auf einen Umsatz von rund sieben Millionen Euro. Zwar läuft es inzwischen wieder, aber wir müssen uns dennoch über die Zukunft Gedanken machen. Da sind für mich Kooperationen ein wichtiges Thema, denn wir sind in unserer Branche ein kleiner Player in der Nische. Jüngst wurde über Fusionspläne zweier großer Institute berichtet, die im Fall eines Zusammengehens weltweit 180.000 Mitarbeiter hätten. Zum Vergleich: Wir haben in Pirmasens 100 Beschäftigte, in Asien noch einmal 70 Mitarbeiter. Allerdings hat es auch Vorteile, ein kleines Institut zu sein: Die Kunden haben kurze Wege, können auch einmal einen Abteilungsleiter direkt kontaktieren, das ist zu unserem Markenzeichen geworden.
Noch ein Wort zum Standort Pirmasens auf der Husterhöhe: Reicht der Platz aus?
Wir sind glücklich mit diesem Standort, der auch groß genug ist. Da müssen wir auch immer das Shoe Competence Center einbeziehen. Erst kürzlich haben wir eine Abteilung in dessen Räume verlagert, damit wir im PFI selbst Platz geschaffen haben.
Zur Person
Michael Tackenberg ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender des Prüf- und Forschungsinstituts Pirmasens. Ursprünglich stammt Tackenberg aus dem bayerischen Rosenheim. An der Pirmasenser Schuhfachschule ließ er sich Ende der 1980er Jahre zum Schuhtechniker ausbilden.