Pirmasens Integration beginnt mit Sprachkenntnis

Zum Thema Integration von Flüchtlingen hörte der Pirmasenser Stadtrat am Montag zwei ehrenamtliche Sprachlehrerinnen und drei Flüchtlinge. Schon vorher waren im Stadtrat Lehrer und Erzieherinnen zu Wort gekommen.
Ursula Gebhard, gelernte Lehrerin unter anderem an Schulen in Stuttgart, arbeitet seit 2014 als ehrenamtliche Sprachförderin an der Landgraf-Ludwig-Realschule plus auf der Husterhöhe. Sie unterricht Kinder, die nicht oder nur schlecht Deutsch sprechen. Im Moment hat sie selbst elf Schüler, insgesamt werden über das Förderprogramm der Husterhöhschule 31 Schüler unterrichtet. Gebhard erinnerte daran, dass sich der Pakt für Pirmasens schon vor der Flüchtlingswelle des Sprachproblems angenommen habe. „Ohne Sprache keine Integration, keine Wertevermittlung, kein Beruf“, brachte sie die Bedeutung von Sprachkenntnissen auf den Punkt. Ihr gehe es bei ihrer Arbeit auch um die Vermittlung bestimmter Werte und Gewohnheiten, sagte Gebhard. Ihre Erfahrung: Es gebe wenig Unterschiede zwischen pubertierenden ausländischen und pubertierenden deutschen Kindern. Ihr Fazit: Unterm Strich mache es großen Spaß und man habe schnelle Erfolge. Aber natürlich verschwieg sie auch die Probleme nicht. Etwa das fast tägliche Ärgernis, dass ihre Schüler ihre Arbeitsmaterialien vergessen. „Ich habe selbst schon viele Füller und Hefte bezahlt“, sagte sie. Oder dass die Kommunen bei der Integration von Flüchtlingen vom Kultusministerium allein gelassen werden. Ursula Girisch, 39 Jahre lang Lehrerin am Gymnasium, bringt im Auftrag von Pakt und Diakonie vor allem geflüchteten Männern Deutsch bei, „weil ich das für sehr wichtig halte“. Der Unterricht sei wegen der vielen Nationalitäten und des unterschiedlichen Bildungsstands nicht einfach, es prallten verschiedene Traditionen, Werte und Kulturen aufeinander, sagte sie. Dennoch gehe man sehr respektvoll miteinander um. Girisch appellierte an die Bereitschaft der Menschen, auch das Fremde kennenlernen zu wollen. Zu Wort kamen im Stadtrat auch drei Flüchtlinge: ein junger Mann aus Eritrea, der als Verkäufer in einem Biomarkt in Pirmasens arbeitet, ein 21-jähriger Afghane, der nicht verstehen wollte, dass Flüchtlinge, die eine Arbeit haben, nicht automatisch in Deutschland bleiben können, und ein junger Iraner, der vor dreieinhalb Jahren nach Deutschland kam, am Kant-Gymnasium Abitur (Note: 1,2) gemacht hat und heute Medizin in Dresden studiert. Oberbürgermeister Bernhard Matheis stellte fest, dass bei der Betreuung der Flüchtlinge das System aus Haupt- und Ehrenamtlichen weitgehend funktioniere. Dennoch sei die Forderung richtig gewesen, dieses System nicht zu überlasten.