Pirmasens
In Zeiten der Coronakrise entdecken wir wieder die guten Seiten unserer Stadt
In Pirmasens lebt sich’s besser als anderswo
Auch in Corona-Zeiten lässt sich Positives berichten, sogar über die Pandemie in Bezug auf Pirmasens. Hier halten sich schließlich die Ansteckungszahlen noch in Grenzen. Bezogen auf 10.000 Einwohner finden sich in Pirmasens „nur“ 7,4 Infizierte. Das sieht ringsum ganz anders aus. Saarbrücken kommt auf 29,4 Infizierte pro 10.000 Einwohner, Karlsruhe auf einen Wert von 19,1 und Freiburg beispielsweise auf 38,5. Sehnsuchtsorte der Pirmasenser wie Berlin (13,6) oder München (32,9) und Hamburg (22,4) liegen allesamt deutlich höher als Pirmasens.
Die Erklärung dafür liefern Orte, die noch weniger Infizierte bezogen auf die Einwohnerzahl bieten: Ostholstein mit 2,8 oder Hildburghausen in Thüringen mit 2,3 und Prignitz mit 3,0 sind allesamt Regionen, die etwas abseits liegen. Das hat bei bestimmten weltpolitischen Entwicklungen wie einer hochansteckenden Lungenkrankheit auch seine Vorteile.
Gleiche Lebensverhältnisse noch bis Montag
Nur noch heute und morgen dauert der Zustand, der durch das Coronavirus die Lebensverhältnisse in Pirmasens radikal denen im Rest der Republik angeglichen hat. Es waren überall die Geschäfte zu und es gab nirgends gute Kulturveranstaltungen oder wahnsinnig angesagte Kneipen und Discos. Es war also schlicht egal, ob der Pirmasenser zuhause blieb oder sich in sein Auto setzte, was der Pirmasenser sonst sehr gerne tut, und in die weitere Umgebung aufbricht, um das Bessere zu suchen, was er allzu gerne in seiner Stadt am wenigsten vermutet.
Dieser Zustand endet am Montag, wenn überall wieder zumindest ein Teil der Geschäfte öffnet. Dann wird auch die Kolonne auf der B 10 oder der B 270 anschwellen, ganz gleich, ob in Mannheim oder Kaiserslautern mehr Corona-Infizierte als in der Pirmasenser Fußgängerzone herumlaufen.
„Es bleibt so schön“
Wobei: So ganz gleich waren die Lebensbedingungen in Pirmasens und dem Rest der Republik in den vergangenen drei Wochen gar nicht. In Pirmasens war es besser als in vielen Teilen Deutschlands. Allein die Vorstellung, bei Kontaktverbot ohne Kneipen, Geschäfte, Theater, Kinos und was sonst eine Großstadt so zu bieten hat, drei Wochen in einer kleinen und überteuerten Wohnung ausharren zu müssen. Grausig. Auf den Straßen kein Mensch. In Parks darf sich niemand auf Bänke setzen, weil sonst die Polizei einschreitet.
Da hatten es die Pirmasenser doch viel besser mit den riesigen Wäldern ringsum, in denen sich herrlich kontaktlos die längste Quarantäne überstehen lässt. Und daran ändert sich auch bei allen Lockerungen nichts. Es bleibt so schön.
Zwei Unarten: weggeworfene Einweghandschuhe und überteuerte Preise
Gar nicht schön sind Unarten von Zeitgenossen, die das Coronavirus mit sich bringt. Auf Parkplätzen vor Pirmasenser Supermärkten sind immer öfter Einweghandschuhe zu sehen. Es gibt offenbar Kunden, die vor dem Betreten des Markts die Handschuhe anziehen und vor dem Betreten des Autos nach dem Einkauf die Dinger einfach fallen lassen, wo sie gerade stehen. Wer das wegräumt, ist dem Hygienebewussten egal. Hauptsache er kommt garantiert virenfrei wieder in sein Auto.
Und noch eine Unart greift um sich, die sich früher Wucher nannte. In einer Pirmasenser Apotheke werden nicht medizinische Mundschutzmasken für 9,95 Euro angeboten. Ein halber Liter Desinfektionsmittel kostet dort 15,45 Euro. Das war in Vorcoronazeiten beides für weniger als zwei Euro zu haben und selbst zu diesem Preis hatte der Händler damals noch einen guten Schnitt gemacht.
Wie hat es der Geschäftsstellenleiter des Finanzamtes diese Woche gesagt: Es gibt Betriebe, die machen aktuell Rekordumsätze. Die Apotheke ist übrigens auch zu diesen Preisen alles losgeworden. Ein Plakat verkündet, dass alles ausverkauft sei.