Pirmasens In seiner Heimat unvergessen

Aus dem Jahr 1843 datiert Heinrich Bürkels Ölgemälde eines Wirtshauses im Gebirge.
Aus dem Jahr 1843 datiert Heinrich Bürkels Ölgemälde eines Wirtshauses im Gebirge.

Heinrich Bürkel wurde in Pirmasens geboren, absolvierte hier auch eine Kaufmannslehre, doch schon mit 20 Jahren zog es ihn weg aus der Heimat nach München, wo er sich nach schwierigem Anfang als herausragender Vertreter der Biedermeiermalerei etablierte. Er verknüpfte in seinen Bildern seine Vorliebe für Landschaften mit Genremotiven aus dem Landleben, die viel Humor und eine poetische Verklärung des Volkslebens verraten. Bürkel orientierte sich dabei als Autodidakt hauptsächlich an niederländische Meistern, glänzte bei Ausstellungen sowie bei den Weltausstellungen von London und Paris und gelangte über größere Verkaufserfolge zu Wohlstand. Außer der Dresdner und der Wiener Kunstakademie berief ihn auch die Münchner Kunstakademie, die ihn am Anfang noch wegen mangelnder Begabung abgelehnt hatte, in seinen Erfolgsjahren zum Ehrenmitglied. Von Heinrich Bürkel sind rund 6000 Zeichnungen und etwa 1000 Ölgemälde überliefert, die außer in Privatbesitz vor allem in den öffentlichen Museen von Nürnberg, Lübeck, Dessau, Mainz, Milwaukee, St. Petersburg, Kopenhagen, Winterthur, Riga und natürlich Pirmasens zu finden sind. Damit erreichte der Maler auch über seinen Tod vor 150 Jahren hinaus bis heute eine gehörige Nachwirkung. Deshalb ist es für Pirmasens besonders schmerzlich, dass viele Bürkel- Gemälde aus dem eigenen Bestand bei Kriegsende als Beutekunst verschwanden. Wenn sie dann, wie 2007 mit dem „Blick auf Rom“ geschehen, in Auktionshäusern auftauchen, können die hohen Preise aus der leeren Stadtkasse oft nicht bezahlt werden. Heinrich Bürkel wurde am 29. Mai 1802 in Pirmasens geboren. Seine wenig begüterten Eltern konnten ihm nach dem Besuch der Volksschule keinen weiterführenden Bildungsweg finanzieren. Sie wünschten eine Laufbahn als Kaufmann, gaben ihn zunächst bei einem Gerichtsschreiber in eine Schreiberlehre und staunten immer wieder über seine trefflichen Zeichnungen. Nach Kontakt mit dem Maler Friedrich Helmsdorf und den damit verbundenen Fortschritten, schuf Heinrich Bürkel 1820 ein Porträt von seinem Vater, das ihm schließlich 1822 die Erlaubnis zum Kunststudium in München eintrug. Doch hier wurde er vom Akademiedirektor Peter von Langer als „talentlos“ abgeschoben. Das war eine bittere Pille für den Pfälzer, der nun seinerseits den Kontakt zu Münchner Malern wie Peter von Hess suchte, in Schleißheim Gemälde berühmter Niederländer kopierte und sich dabei für die Motive und Malweise von Philipps und Pauwels Wouwerman begeisterte. Die berühmten Niederländer, die in ihre Landschaften Motive von Jagdgesellschaften, Reitertreffen und vor allem aus dem Volksleben einbezogen, faszinierten den Pfälzer. Diesen Vorbildern eiferte er als Autodidakt nach. Mit Erfolg. Bürkel nahm sich zusammen mit Ernst Kaiser ein Atelier in München, schuf Bilder im Wouwerman-Stil, orientierte sich außerdem stark am Malerfreund Peter von Hess und fand nach Gründung des Münchner Kunstvereins, der Gegenkraft zur konservativen Akademie, Unterstützer bis hin zu ersten Bildverkäufen. Nun reifte in Heinrich Bürkel der Plan für eine Italienreise. Aber das war erst 1829 möglich. Seine Studienreise führte ihn durch ganz Oberitalien. Die zweite Tour gönnte sich der junge Maler 1830. Sie dauerte zwei Jahre. Er machte nun die Bekanntschaft anderer Künstlergrößen bis hin zu Berthel Thorvaldsen, der ihm sogar zwei Bilder abkaufte, vervollkommnete mit den italienischen Anregungen seinen Malstil erheblich und ergänzte seine Motivpalette durch Ansichten vom italienischen Volksleben bis hin zur Einbeziehung von Ruinendarstellungen. Nach Bürkels Rückkehr 1832 nach München wurden aus seinen Skizzen und Zeichnungen treffliche Bilder, die sich verkaufen ließen und ihm ersten Wohlstand bescherten. Dazu gehörte, dass er 1834 Johanna von Hofstetten heiraten konnte. 1839 realisierte Bürkel seine dritte Italienreise. Jetzt galt er schon als erfolgreicher Künstler, der nicht mehr auf Notunterkünfte angewiesen war. Nach seiner Heimkehr nach München ging es weiter bergauf. Seine Bildkompositionen wurden harmonischer und die Farben kräftiger. Er verkaufte seine Bilder mit Hilfe des Kunstvereins in ganz Deutschland und bis in die USA, und er beteiligte sich mehr und mehr an Ausstellungen. Als Konsequenz der Erfolge wurde Bürkel von den Akademien in Wien und Dresden zum Ehrenmitglied berufen und zählte zum wachsenden Freundeskreis auch Berühmtheiten wie Adalbert Stifter oder Carl Spitzweg. Besonderen Zuspruch erfuhr der Maler durch die Kunstvereine in Braunschweig und Nürnberg, die ihm mehrere Sonderausstellungen widmeten. Darüber unternahm er 1854/55 seine vierte Italienreise. 1858 sprang dann auch die Münchner Akademie über ihren sprichwörtlichen Schatten und verlieh dem lange ignorierten Maler die Ehrenmitgliedschaft. Mehr noch. Seine Beteiligungen an den Weltausstellungen in London und Paris 1862 und 1867 krönten seine erfolgreiche Malerlaufbahn. Doch parallel dazu reduzierten ausufernde Krankheiten sein Schaffen erheblich. Darüber starb Bürkel am 10. Juni 1869 in München. Er wurde 67 Jahre alt. Seine humoristischer Realismus hatte die Genremalerei des Biedermeier erheblich bereichert und dem Sohn der Stadt Pirmasens Wohlstand beschert.

Heinrich Bürkel in einem Porträt von Franz von Lenbach.
Heinrich Bürkel in einem Porträt von Franz von Lenbach.
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