Pirmasens Im Porträt: Der Busenberger Autor Peter Schantz
Im Dahner Tal gilt der Autor Peter Schantz als Unikum. Immer mit Jackett, allzu oft auch mit einer Zigarette in der Hand, erzählt er von nonlinearem Denken, fragmentierten Texten und bleibt doch auf dem Boden, will sich neuerdings sogar der Mundart widmen. In seinem Geburtsort Busenberg fällt er aus dem Rahmen und passt doch ganz genau dorthin.
Im Café Busch in Busenberg ist das Treffen mit Peter Schantz, der zu seinem Lebenslauf keine großen Worte verlieren will. 1954 in Busenberg geboren, dann zum Studium der Sozialpädagogik nach Düsseldorf umgezogen, um 1989 wieder nach Erlenbach und später in sein Geburtshaus nach Busenberg zurückzukehren. Gearbeitet hat er als Sozialpädagoge und freier Journalist. Geschrieben hat er seit seinem 23. Lebensjahr. Die Liebe zu „ausgewählten Damen“ beflügelte ihn und entfachte seine Leidenschaft für die Poesie. „Das war aber sehr blumig. Da stehe ich nicht mehr dazu. Sie sind aber gut angekommen“, erzählt Schantz schmunzelnd über seine Gedichte.
Einfluss von Lyriker Rolf Dieter Brinkmann
Die Poesie, die er heute pflegt, ist da wirklich sehr verschieden. Sehr beeinflusst habe ihn der früh gestorbene Lyriker Rolf Dieter Brinkmann. Peter Schantz pflegt einen experimentiellen Umgang mit der Sprache und ist wandlungsfähig. Eine Zeitlang habe er plakative Gedichte bevorzugt, die nicht so tiefschürfend wie die heutigen Zeilen gewesen sein sollen. Seriell-additive Gedichte folgten, bei denen er 2000 Sätze, die mit „Ich“ anfangen, aneinanderreihte. Das Büchlein dazu mit dem Titel „Ich, Ich, Ich und Ich“ ist ebenso vergriffen wie die anderen Publikationen des Busenbergers. Für einen eigenen Roman interessierte sich Schantz nie so recht. „Das liegt dann in der Schublade und kein Lektor will es lesen“, gibt sich der Busenberger desillusioniert vom Literaturgeschäft. Seine Bücher hat er oft selbst verlegt und auch verkauft. Ein weiterer Grund, keinen Roman zu schreiben, ist seine Neigung für das Nonlineare. „Das liegt mir mehr.“ Ohne roten Faden etwas erzählen. Dem Leser Fenster öffnen, die gleich hinter einem anderen Fenster und einer anderen Blickrichtung verschwinden, das ist die Welt, von der Schantz erzählen will. „Wir nehmen grundsätzlich nonlinear wahr und denken auch so“, ist Schantz überzeugt.
Kein Lyrik-Blog
Dazu passt perfekt die Cut-Up-Technik, die er von William Burroughs übernommen hat. Seiten aus Büchern werden abgeschnitten und an anderer Stelle wieder zusammen montiert. Alte Gedichte von sich selbst habe er so neu gemixt, erzählt Schantz. Oder das Tagebuch-Projekt, bei dem er 3500 Seiten Tagebuch aus zehn Jahren jetzt mit gesammelten Eintrittskarten, Parkscheinen, Knöllchen und anderen Alltagszetteln beklebt. Aber nicht chronologisch sondern nonlinear, wie es sich gerade ergibt. Da überrascht es nicht, dass die aktuelle Hugo-Ball-Preisträgerin Ann Cotten genau die Art von Literatur macht, die Peter Schantz verzückt. „Die schätze ich und lese es gern.“ Was er gar nicht schätzt, ist die digitale Welt. Obwohl seine Lyrik ideal für einen Blog oder andere Internetformate wäre, lehnt er diese Art von Publizieren ab. „Ich warne vor der Digitalisierung von Welt, Mensch und Ideen.“ Die virtuelle Welt hält er gar für gefährlich, da sie in das Zwischenmenschliche eindringe und viel zerstöre. In den 90er-Jahren habe er selbst eine Internetseite ausprobiert, aber schon bald wieder eingestellt. Hingegen die über das Internet groß gewordene Idee des Book-on-Demand findet er wieder gut. Bücher müssten generell nicht zu tausenden auf Vorrat gedruckt werden, sondern gerade nur so, wie der Bedarf ist, meint Schantz. Seine Texte schreibt er übrigens noch auf einer Brother-Reiseschreibmaschine. „Druckerpatronen sind mir zu teuer.“
Bis sechs Stunden Lesen und Schreiben am Tag
Aktuell hat er sich der Mundart zugewandt. „Das ist aber kein Worscht, Weck und Woi-Kram“, betont Schantz, der lieber kritische Texte in der Mundart seiner Heimat schreibt. Die Mundart findet er erhaltenswert und zunehmend durch die Zuwanderung hochdeutsch sprechender Menschen bedroht. „Das wird immer mehr verhochdeutscht“, was Schantz als Werteverlust empfindet. Für den Winter und die langen Nächte hat er sich mit ganz anderem Lesestoff eingedeckt. Der Documenta-Reader, Habermas und für die ganz langen Nächte „Das Kapital“ von Karl Marx. Täglich vier bis sechs Stunden, das ist sein Pensum zum Lesen und Schreiben. Und oft gehe es bis in die Nacht hinein.