Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Im katholischen Dekanat gibt es noch rund 10.000 Kirchenmitglieder

Als „ehrlich und offen“ beschreibt Dekan Johannes Pioth die Pirmasenser im Gespräch mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Birgit Oster.
Als »ehrlich und offen« beschreibt Dekan Johannes Pioth die Pirmasenser im Gespräch mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Birgit Oster.

„Kirche in Corona-Zeiten war und ist durchaus gewöhnungsbedürftig.“ Johannes Pioth, katholischer Dekan in Pirmasens, kann den vergangenen Monaten dennoch auch positive Aspekte abgewinnen. Corona habe Dinge beschleunigt, im guten genauso wie im schlechten, sagt er.

„Können wir uns irgendwo in der Nähe der Pfarrei treffen“, lautete die Frage des Pfarrers vor dem Termin. Aktuell sei er ohne Auto unterwegs, erklärt Johannes Pioth. Das alte habe den Geist aufgegeben, das neue sei noch nicht da. Auch wenn es mitunter etwas beschwerlicher sei, in Pirmasens komme er für diese begrenzte Zeit auch gut zu Fuß und mit dem Fahrrad zurecht, sagt der Dekan.

Pioth stammt aus der etwas fahrradfreundlicheren Vorderpfalz. Seiner Heimat ist er noch immer eng verbunden, verbringt freie Tage und die Ferien oft im Elternhaus. Als er nach einer Station in Speyer vor mehr als zehn Jahren nach Pirmasens kam, habe er sich sofort wohl gefühlt, sagt er. „Mir ist schnell aufgefallen, dass die Leute ehrlich und offen sind, zudem gefällt mir die Stadt und ihre Entwicklung“, betont der Dekan. Die Zusammenarbeit in der Pfarrei, mit den Kollegen und den anderen Konfessionen sei unkompliziert, offen und konstruktiv. Und es sei leicht, in der Stadt um Spenden zu werben. Insbesondere dann, wenn es um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gehe, meint er.

Wie lässt sich Kirche den Menschen näher bringen?

Diese Bereitschaft schwinde allerdings schnell, wenn es um die Kirche als Institution oder auch die kirchlichen Gebäude gehe. „Das ist natürlich kein Pirmasenser Problem“, verweist Pioth auch auf die große Zahl der Kirchenaustritte. Die waren in den vergangenen Jahren so hoch wie nie zuvor, sagt er. Die Beziehung der Menschen zur Kirche schwinde. Dennoch gebe es noch rund 10.000 Kirchenmitglieder in seinem Dekanat.

Ihn beschäftige deshalb oft die Frage, wozu Kirche da ist und wie er sie den Menschen näher bringen könne. Er sagt, immer dann, wenn er mit Menschen in Kontakt trete – etwa bei der Hochzeit, bei Taufen oder auch Sterbefällen – ergäben sich interessante Gespräche. „Ich spüre, dass die Menschen die Beziehung zu Gott suchen, weniger aber zur Kirche als Institution“, sagt er. Seine Aufgabe, den Glauben, so wie er ihn erfahre, weiterzugeben, sei heute schwerer als früher. Wichtig aus seiner Sicht sei es deshalb, den Glauben mit der modernen Lebenswelt der Menschen zu verbinden und positive Kontakte zur Kirche herzustellen. „Wie das geschehen kann, darüber haben wir uns in der Pfarrei bereits viele Gedanken gemacht“, sagt er. Das sei aber nur ein Baustein. „Eine große Frage wird sein, wie wir uns als Kirche verstehen.“

„Wir waren in der ersten Zeit fast nur damit beschäftigt, den Mangel zu verwalten“

Dass es eine sehr treue Gemeinde in Pirmasens gibt, das hat Pioth in der Corona-Zeit erfahren. „Für uns kamen der Lockdown und die damit verbundenen Einschränkungen sehr überraschend“, blickt er zurück. Er und seine Kollegen hätten alles nur schwer begreifen können. „Wir waren in der ersten Zeit fast nur damit beschäftigt, den Mangel zu verwalten“, gibt er zu. Auf Online-Gottesdienste wie in anderen Pfarreien seien sie nicht vorbereitet gewesen. „Ich denke aber, auch viele unserer Gemeindemitglieder nicht“, ergänzt Pioth. Dennoch hätten sie versucht, so gut wie möglich den Kontakt zu halten. „Wir wissen, dass unseren Kirchenmitgliedern gerade in der Osterzeit Vertrautes gefehlt hat“, erzählt er. So habe er Bilder von einer Familie erhalten, die in feierlicher Kleidung die Osternacht gemeinsam gefeiert hat. Gleichzeitig hätte diese Zeit den Glauben vielleicht auch auf eine andere Art gefestigt.

Dass nun nach und nach die Lockerungen erfolgen, freut den Pfarrer. Zwar sei ein Gottesdienst ohne Gesang für ihn noch immer sehr gewöhnungsbedürftig und um alle Vorgaben und Regeln einzuhalten, sei einiges an zusätzlicher Arbeit und Organisation nötig. „An viele der Regeln werden wir uns langfristig sicher gewöhnen müssen“, ist sich der Dekan sicher. Gleichzeitig ist er froh, dass eine gewisse Normalität langsam zurückkehrt.

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