Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Im Einklang mit der Natur: Einblicke in Thomas Weiners Garten-Paradies

Der Folienteich wirkt heute wie ein Weiher.
Der Folienteich wirkt heute wie ein Weiher.

Der Begriff „Garten“ ist untertrieben, vielmehr passt „riesiges Biotop“. Schon an der Einfahrt ist zu erkennen, dass am Ortsrand von Erlenbrunn ein ausgeprägtes Bewusstsein für Natur und Umwelt vorherrscht. Hier lebt der Landtagsabgeordnete Thomas Weiner mit seiner Familie.

Die große Einfahrt ist links und rechts von Wildblumenwiesen gesäumt; ein kleines Bienenparadies. Rechts dahinter ein großer Stapel aus Baumstämmen, verziert mit einem großen „W“ wie Weiner. Hier haben bereits einige „Gäste“ Lebensraum gefunden. Was sich dem Besucher dahinter eröffnet, ist eher ein kleines Biosphärenreservat als ein Garten. Thomas Weiner hat über die Jahre Unglaubliches erschaffen. „Natürlich bin ich nur langsam reingewachsen in all diese Dinge. Ausgangspunkt des Ganzen war die Erkenntnis, dass ich mehr Bewegung brauche und Gartenarbeit an der frischen Luft gut für meine Gesundheit ist. Dass man damit aber auch etwas Schönes gestalten und das Mikroklima für Mensch und Tier verbessern kann, diese Erkenntnis ist dann schrittweise hinzugekommen“, erklärt er.

Beim Rundgang durch das riesige Gelände erklärt er, dass viele Bäume und Sträucher noch von der ehemaligen Baumschule stammen, deren Besitzer irgendwann verschwunden sei. Er habe dann zunächst jemanden eingestellt, sich aber nach und nach selbst die entsprechenden Kenntnisse angeeignet. Der älteste Baum, den er hier selbst gepflanzt hat, ist nun fast dreißig Jahre alt. Stolz erklärt Weiner: „Die Esskastanie hat inzwischen schon einen stattlichen Umfang von 1,40 Metern, liefert tausende Esskastanien für Mensch und Tier, und am Stamm wurden schon mehr als zehn Generationen Singvögel großgezogen.“ Sein ältester eigenhändig aus Samen gezogener Baum sei nun schon fünfzehn Jahre alt. Die Baumschule betreibt er nach wie vor. Jeden Herbst würden Bäume und Sträucher verkauft und auch für öffentliche Anlagen gespendet.

90 Prozent der Gartenarbeit bewältigt er selbst

Es ist ein ausgedehnter Spaziergang durch das weitläufige Gelände. Es geht vorbei an verschiedensten Bäumen und teilweise blühenden Sträuchern, durch wilde Wiesen, in denen nur Pfade gemäht sind. Viele große Fingerhut-Pflanzen blühen gerade auf, ebenso die Blaue Iris. Breite Hecken als geschützten Rückzug für Kleintiere, Totholzstapel und angehäuften Heckenschnitt, aber vor allem immer wieder Wasser gibt es zu sehen. Vom kleinen Kübel mit Wasserpflanzen über Biotope, Auffangbecken, Bachläufe bis hin zum riesengroßen Naturteich mit Enten, Fröschen und allem, was sonst so kreucht und fleucht.

Teiche hätten ihn schon immer fasziniert, berichtet Weiner. Schon an seiner ersten Wohnung habe er am Hang einen kleinen Teich angelegt und so erste Erfahrungen mit Randbefestigung und Höhenausgleich gesammelt. „Ich habe mir immer schon einen großen Wassergarten gewünscht“, sagt er. Dieses Gelände am Ortsrand von Erlenbrunn bot sich dafür an. Unmengen an Erde wurden hier über die Jahre bewegt. Den ersten großen Teich im Gelände legte Weiner vor zwanzig Jahren an. Über zwei Jahre dauerten die Arbeiten. Heute ist nicht mehr erkennbar, dass dies ein Folienteich ist; er sieht aus wie ein Weiher, mit natürlich gewachsener Flora und Fauna. Genau das ist der gärtnerische Anspruch von Thomas Weiner: dass man das Eingreifen, die Gestaltungsarbeit, nicht sieht. Er möchte den natürlichen Kreislauf erhalten und unterstützen. Chemie gebe es in seinem Garten nicht.

In einer Holzkiste schlummern die Igel

Unser Weg führt vorbei an einem gepflasterten Rondell, ringsum eine Sandsteinmauer mit vielen Steinpflanzen. „Auf diesem Platz habe ich vor 24 Jahren schon meinen 40. Geburtstag gefeiert“, erinnert er sich. Weiter geht es Richtung Gemüsegarten, vorbei an Beerensträuchern. Im abgegrenzten und in rechteckige Beete unterteilten Gemüsegarten stehen in den ungenutzten Beeten Jungbäume aus der eigenen Anzucht. Auf der anderen Seite, eingezäunt bei den Erdbeeren, schlafen friedlich zwei Igel in einer Holzkiste mit Stroh. Thomas Weiner hebt vorsichtig den Deckel an. Mittlerweile können die nachtaktiven Tierchen auch schon weiter raus ins Gelände. Tagsüber genießen sie aber noch den Schutz in ihrer Ecke.

Wir gehen weiter zum Wohnhaus. Vor der Terrasse ein Pferch mit jungen Enten, drinnen im Büro ein Käfig mit jungen Wachteln. Alle im eigenen Brutkasten ausgebrütet, nachdem zuvor mehrere Gelege einem Marder zum Opfer gefallen waren. Ein Teil der Jungenten darf aus dem Pferch, und es geht im Gänsemarsch gemeinsam zum großen Teich. Während die kleinen Enten unter unserer Aufsicht planschen und die Frösche eine Konzerteinlage geben, sitzen wir am Ufer. Gerade seit der Corona-Pandemie genieße er es sehr, viel Zeit im Garten verbringen zu können, erzählt Weiner. Derzeit bewältige er etwa neunzig Prozent der Gartenarbeit alleine. Das hält ihn fit.

„Willst du ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner“

Der gebürtige Pirmasenser absolvierte nach dem Abitur 1976 ein Studium der Volkswirtschaftslehre und der Politikwissenschaft in Saarbrücken. Anschließend war er als kaufmännischer Angestellter bei der Maklerfirma Dr. Weiner Immobilien tätig. Von 1991 bis 2009 war er deren Geschäftsführer und Mitgesellschafter. Seit 1996 sitzt er für die CDU im rheinland-pfälzischen Landtag.

Weiner ist Mitglied beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und im NVS, dem Naturschutzverband-Südpfalz. Er hofft, mit seiner Art des Gärtnerns ein wenig Vorbild für andere zu werden − zugunsten der Natur und der Umwelt, weg von den Schottergärten.

Zum Abschied zitiert Weiner ein altes chinesisches Sprichwort: „Willst du einen Tag glücklich sein − betrinke dich. Willst du eine Woche glücklich sein − schlachte ein Schwein. Willst du ein Jahr glücklich sein − heirate. Willst du dein Leben lang glücklich sein − werde Gärtner.“

Info

Thomas Weiner wirbt, wie der Naturschutzbund Nabu, für Totholz im Garten. Denn es zählt zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. „Lassen Sie Raum für alte Baumstämme, Totholzhecken, Stängel oder Laubhaufen“, rät der Nabu, denn all das biete Insekten Nahrung, Versteck und Baumaterial. Arten wie die Gewöhnliche Löcherbiene, Blauschwarze Holzbiene, Goldwespe, Goldrosenkäfer und der Gemeine Widderbock seien auf totes Holz angewiesen. Auch Amphibien, Reptilien, Spinnen, Vögeln, Fledermäusen, Igeln, Haselmäusen und anderen Tieren biete es einen wichtigen Lebensraum, Sommer wie Winter. Auch Steinhaufen, eine Stelle mit offenem Boden und ein kleiner Teich seien wichtige Rückzugsorte und im heimischen Garten einfach umzusetzen.

Wirbt für Totholz als Lebensraum für Insekten: Thomas Weiner.
Wirbt für Totholz als Lebensraum für Insekten: Thomas Weiner.
Mit den Enten im Gänsemarsch.
Mit den Enten im Gänsemarsch.
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