Pirmasens „Ich bin ein Besessener“
Die RHEINPFALZ hatte vor geraumer Zeit eine schöne Karikatur von mir gebracht, darin steckt sicher auch ein Teil der Wahrheit. Ich hatte die Idee zu den Fototagen, der Name, das Konzept, das ich immer wieder geändert habe und der Zeit angepasst habe. Man wird eins mit so einer Veranstaltung. Sie ist ein Kind von mir, das man nicht gerne allein lässt, gerade wenn man wie ich für die Fotografie viel unterwegs ist, wird man in ganz Deutschland aber auch europaweit auf den großen Events wie die Photokina in Köln, Zingst oder der Fotogipfel in Oberstdorf angesprochen, was die Fototage in Pirmasens machen, wo die besten Fotolocations der Pfalz sind, was Pirmasens macht und …. und ….. Man erkennt, welchen Stellenwert mittlerweile diese Veranstaltung national und international genießt. Natürlich auch, was sie für die Region und die Stadt Pirmasens werbetechnisch bedeutet. Dann fällt ein Abschied schwer. Nach Gesprächen mit Politikern, Touristikern und Machern aus der Pfalz und Vertretern der Stadt Pirmasens habe ich mich zu diesem Schritt entschieden. Der Stress in dieser Zeit, etwa ein Vierteljahr vorher geht es eigentlich dann richtig los – aber ein Dreivierteljahr vorher muss das Konzept schon stehen, ist oft sehr intensiv, man lebt Fototage und ist Fototage. Vielleicht ist es Foto-Masochismus, der mich antreibt. Ich bin ein Foto-Besessener und letztendlich steht trotz dem Stress der Spaßfaktor im Vordergrund. Was hat sich an den Rahmenbedingungen im Vergleich zum letzten Mal verändert? Ich habe im Konzept die Veranstaltung gekürzt, sie dauert vom 15. bis zum 24. November, also nur noch rund zehn Tage. Wir haben nur noch zwei Grundkategorien statt drei – „der Mensch in allen Facetten“ sowie „Natur und Landschaft“. Durch die Schrumpfung im Zeitrahmen wird die Veranstaltung kompakter und mit noch mehr Power versehen. Ich denke auch das Miteinander und die Kooperation von der Messe Kreativvitti und den Fototagen ist ein spannendes Element und wird neue emotionale, kreative und wirtschaftliche Momente entstehen lassen, auf die ich mich jetzt schon freue. Allein auf der Messe sind wir ganz stark mit einem tollen Stand und vielen Events vertreten. Die Planungen sind hier auch fast abgeschlossen – Fotografie gehört heute zur Kreativwirtschaft als Meilenstein dazu, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Die Firma Cewe wird im Forum Alte Post die 100 besten Bilder des größten Wettbewerbs der Welt mit mehr als 200 000 Einreichungen zum ersten Mal öffentlich gedruckt zeigen. Darauf freue ich mich sehr und bin stolz. Und natürlich freut mich die Unterstützung durch örtliche Sponsoren sehr, denn ohne sie gäbe es keine Fototage. Wie weit sind sie mit den Vorbereitungen? Ich bin ein Mensch, der nicht leicht zufrieden zu stellen ist. Es gibt noch gewisse Defizite, die aufgearbeitet werden müssen. Ich bin mir aber sicher, es wird funktionieren. Wir hatten gerade Gespräche im Kooperationsteam mit der Stadt Pirmasens, wo wir die Eckpunkte, die schon da sind, nochmal mit Terminen und Ablaufplan bestückt haben. Jetzt kann ich wieder ruhiger schlafen. Alle Referenten sind eingeladen, alle Vorträge stehen, alle Locations sind bestückt, es ist klar, wer wo ausstellt. Und ein paar Überraschungen stehen ins Haus, die aber keine wären, wenn ich sie hier ansprechen würden. Wo sind die Ausstellungen der diesjährigen Fototage zu sehen? Wir stellen zum Beispiel in der Sparkasse Südwestpfalz wieder die Fotografen der Region mit Natur und Landschaft aus. Die VR-Bank wird auch größer vertreten sein, mehr kann ich noch nicht verraten. Das Banana-Building ist mit einer Sonderausstellung vom Fotoclub Freisen – amtierender Deutscher Clubmeister in Deutschland – mit dabei, und im Pirmasenser Krankenhaus ist eine Socialmedia Plattform „4ART Syndicat“ vertreten, die mit unglaublichen Natur- und Landschaftsbilder aus der ganzen Welt auf sich aufmerksam macht und immer wieder für Furore sorgt. Dann die Hauptausstellung auf der Messe bietet eine Zusammenkunft von nationalen und internationalen Fotostars – die Fotoweltmeister geben sich dort die Klinke in die Hand. Im Dynamikum schließlich sind die besten deutschen jugendlichen Fotografen mit einer Sonderausstellung vertreten. Wie sind Sie mit der Unterstützung seitens der Stadt zufrieden und was ließe sich da verbessern? Ich war lange im öffentlichen Dienst tätig und kenne die Zwänge durch Verordnungen und Budgetierungen zu gut. Natürlich prallen da manchmal zwei Welten aufeinander, der Vordenker trifft auf Verwaltung. Das heißt aber nicht, dass das schlecht sein muss – im Gegenteil. Ganz schnell kommt man so auf den Boden der Realität zurück. Ich bin sehr optimistisch, dass nach unseren letzten Teamgesprächen der Zug richtig Fahrt aufnimmt und auch zum richtigen Zeitpunkt in den Bahnhof einfährt – apropos, dort werden ab August schon Bilder zu sehen sein. Ich bin jetzt zufrieden und kann ruhig schlafen. Gibt es andernorts eigentlich eine vergleichbare Veranstaltung oder sind die Pirmasenser Fototage einzigartig? Nein nicht mehr. Zingst ist wesentlich größer als die Fototage, man hat sich dort breit aufgestellt und nutzt den Ausfall der Photokina, der größten Fotomesse der Welt, um nochmals gewaltig aufzustocken. Oberstdorf ist unglaublich gewachsen, man arbeitet dort durchgängig mit einem Team an dem Fotogipfel. Es gibt noch mehrere solche Veranstaltungen, die man nennen könnte. Trotzdem ist Pirmasens für mich einzigartig – wer hat ein Forum Alte Post, wer hat solch eine tolle Jugendherberge, wer hat ein Dynamikum, wer hat solch einen tollen Pfälzerwald und wer hat solch ein tolles Publikum wie die Pfälzer und explizit die Pirmasenser? Wenn Sie die ersten Fototage mit den kommenden vergleichen – worin liegen die wesentlichen Unterschiede? Es ist alles professioneller geworden, andere Sponsoren sind im Boot, wie die ZukunftsRegion Westpfalz, PTI oder Cewe. Der Rheinberger ist nicht mehr das Herz der Veranstaltung, sondern die Messe und das Forum Alte Post. Das Konzept hat sich geändert, denn wir alle haben dazu gelernt. Das Niveau der ausgestellten Fotos ist von Fototage zu Fototage enorm gewachsen und vor allen Dingen anders geworden – wir zeigen immer noch, dass Nichtprofis genau so gute Bilder machen können wie Profis – es liegt oft am Marketing, wo jemand steht oder natürlich ob er überhaupt Profi sein will. Immer noch dreht sich alles um Fotografie und um Vorträge – aber auch hier sind wir internationaler geworden. Die ersten Fototage 2008 in der Baustelle vom Rheinberger werde ich nie vergessen. Es war schon einzigartig, durch eine unglaubliche Energieleistung vieler um und in Pirmasens waren sie überhaupt möglich gewesen. Was werden die Höhepunkte der nächsten Fototage sein? Die Höhepunkte beginnen mit der Gala, mit den Gästen wie Jamari Lior, aber auch den Fotografen aus der Region wie Aljoscha Hirschinger und Jens Theobald. Dann am Sonntagabend mit Beppo Niedermeier durch Afrika in der Alten Post und vorher auf der Messe Kreativvitti sein Vortrag über Timelapes. Am 18. November gibt es einen Workshop mit dem Top-Model Bing Yang Lui im Studio Stileben. In der Alten Post halten Daniel Spohn über Tasmanien und Immanuel Schulz über Kolumbien Vorträge. Dann folgt der Power-Tag 22. November mit sieben Vorträgen zu Natur und Landschaft. Es ist ein Hammerprogramm. Wird es nur diesen einen Workshop geben? Es werden auf der Messe Kreativvitti etliche Mitmachworkshops angeboten werden, aber auch zwei im Studio Stileben. Outdoor-Workshops wird es im November allerdings nicht geben. Sie arbeiten mit dem Pfalztheater zusammen. Können Sie das kurz skizzieren und wird davon auch etwas bei den Fototagen zu sehen sein? Ich habe gerade für das Pfalztheater das Jahresbuch mit Bildern bestückt – sprich wir waren zwölf Tage durch die Pfalz mit allen Schauspielern, Tänzern und Musikern unterwegs und haben an Top-Locations und Gastspielorten Bilder gemacht. Etwa 45 Bilder sind in dem neuen Jahresbuch sein, das am 3. Mai in Kaiserslautern im Pfalztheater präsentiert wird wurde. Bei den Fototagen wird das Pfalztheater bei der Gala dabei sein, beim Tag der ZukunftsRegion und bei der Finissage – ich freue mich sehr. Die Frage, die sich nach jeden Fototagen stellt: Machen Sie weiter oder waren das Ihre letzten Fototage? Das kann man und sollte man im Vorfeld einer so großen Veranstaltung nicht beantworten, das hängt von vielen Punkten ab – nicht nur von der Gesundheit. Ich denke, man soll jetzt zielorientiert arbeiten und danach sich zurücklehnen und ein paar Gespräche führen. Auf jeden Fall möchte ich, wenn Gott will, 2020 mit meiner Frau wieder eine Küstentour am Atlantik machen – ähnlich wie vor vier Jahren als wir 2500 Kilometer an der Atlantikküste von Lagos in Portugal nach Etretat in Frankreich entlanggefahren sind. Das war ein Abenteuer, das man einfach gemeinsam erleben muss. Wagen wir zum Schluss einen Blick in die Glaskugel: Werden die Fototage sterben, wenn Sie sich zurückziehen? Das ist eine schwierige Frage. Wahrscheinlich werden sie in dieser Form nicht mehr weitergehen. Mein Netzwerk ist stetig gewachsen. Fotobegeisterte gibt es genug hier in der Region, und vielleicht rufen sie etwas auf – Denkanstöße sind gesetzt, es muss dann wachsen.