Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Hugo-Ball-Förderpreisträgerin Kinga Tóth liest am 13. September im Pirmasenser Forum Alte Post

Die ungarisch-deutsche Schriftstellerin Kinga Tóth wurde 2020 mit dem Hugo-Ball-Förderpreis ausgezeichnet.
Die ungarisch-deutsche Schriftstellerin Kinga Tóth wurde 2020 mit dem Hugo-Ball-Förderpreis ausgezeichnet.

Kingadeutsch nennt die Autorin und Lyrikerin ihre Sprache, die sie gern mit akustischen Akzenten inszeniert. Am Montag, 13. September, liest die Hugo-Ball-Preisträgerin im Pirmasenser Forum Alte Post.

Sie gurgelt, surrt und klackert mit der Stimme: Die experimentelle Poesie Kinga Tóths und ihre Auftritte erinnerten die Jury zum Hugo-Ball-Förderpreis 2020 an die dadaistischen Performances im legendären Züricher Cabaret Voltaire. Wer im Februar 2020 an der Verleihung des Hugo-Ball-Preises teilgenommen hat, vergisst bestimmt nicht die emotionale Dankesrede der Künstlerin mit Bezügen zu Hugo Balls Werk.

Als Mädchen habe sie leidenschaftlich gern gezeichnet-geschrieben-getanzt, erzählt die Sprachperformerin in ihrer Dankesrede während der Preisverleihung in der Alten Post. In dem kleinen, ungarischen Dorf, aus dem sie stamme, habe sie allerdings schnell lernen müssen, sich entweder mit Papier oder eben mit Sprache auszudrücken und das man Letztere auf keinen Fall tanzt. Deswegen gefalle ihr der Pirmasenser Dadaist so gut, weil er ihr sicher erlaubt hätte, starre Formen außer Acht zu lassen. Heute verwendet die Künstlerin Sprache so, wie sie es von dem Pirmasenser Dadaisten gelernt hat und zitiert als Bestätigung seine Zeilen: „Kind und Traum und früher Garten, wandeln wir durch lauter Licht.“

Auf ihrer gerade gestarteten Tour kommt Kinga Tóth nach Stationen in München, Tallin, Berlin und Rostock nach Pirmasens. Moderiert wird die Lesung von Mladen Gladiv, Journalist und Autor bei der Zeitung „Die Welt“. Anschließend folgen Auftritte in Paris, Graz und Neusiedl/See.

Texte als Maschinen, deren Sound sie zitiert

Sie sei ein lebendiges und gegenwärtiges Fragezeichen und wie Hugo Ball eine konsequente Grenzüberschreiterin, beschreibt der österreichische Kulturwissenschaftler Thomas Macho die Künstlerin in seiner Laudatio, die er im März 2020 bei der Preisverleihung im Pirmasenser Forum Alte Post hält. Mit der Leichtigkeit, die es ihr erlaube, die Grenzen zwischen den Sprachen zu überschreiten, bewegt sie sich auch zwischen den Künsten, findet Macho, der in Wien und Berlin lehrt. Denn Texte seien für Tóth Organismen, also „living bodies“, aber zugleich auch Maschinen, deren Sound sie in den Performences häufig zitiere, beschreibt Macho die Kunst der Hugo-Ball-Förderpreisträgerin.

Dada, Heiligkeit und das Cabaret Voltaire

Macho betont eine weitere Parallele zu Hugo Ball. Seit Herbst 2019 sei Kinga Tóth Stipendiatin der Landis & Gyr Stiftung im schweizerischen Zug und arbeite an einem Werk mit dem Titel „Maria Machina“. Bei ihrer Arbeit gehe es ihr um das Leben heiliger Frauen, der Gottesmutter, um traditionelle Gebete und klösterlich-meditative Tätigkeiten, die sie ins Heute übersetzt und aus denen sie audiovisuelle Gebete komponiert und inszeniert. Dies erinnere an Balls Passion für die katholische Mystik. Außerdem weist der Professor für Kulturwissenschaft darauf hin, dass Tóth während der 11. Manifesta im Züricher Cabaret Voltaire aufgetreten sei - ein weiterer Brückenschlag zum Pirmasenser Dadaisten.

Eine außergewöhnliche Biografie

Kinga Tóth, 1983 in Ungarn geboren, arbeitet auf experimentelle Weise interlingual auf ungarisch, deutsch und englisch und kreiert so Performances und Installationen. Sie ist Literatur- und Sprachwissenschaftlerin, Kulturmanagerin, Journalistin, Lektorin und Übersetzerin und nicht zuletzt(Klang-)Poet-Illustratorin. Neben ihrer häufig spartenübergreifenden schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet sie Deutsch und deutsche Literatur. In diesem Jahr wurde sie mit der ersten Lyrik-Residency der Villa Waldberta (Feldafing) und der Stiftung Lyrik Kabinett (München) ausgezeichnet. Nähere Informationen unter www.kingatoth.com und www.pirmasens.de/hugoballpreis.

Details

  • Die Lesung der Hugo-Ball-Förderpreisträgerin Kinga Tóth ist am Montag, 13. September, ab 20 Uhr im Pirmasenser Forum Alte Post am Joseph-Krekeler-Platz zu erleben.
  • Der Eintritt ist frei.
  • Platzreserviereungen sind erforderlich. Diese können telefonisch beim Kulturamt Pirmasens unter der Telefonnummer 06331/842352 oder per E-Mail kartenverkauf@pirmasens.de vorgenommen werden.
  • Es gelten die tagesaktuell gültigen Corona-Auflagen.

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