Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Holzdeppe verstärkt Fußball-Bundesligist

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Dass Praktikant Raphael Holzdeppe dazu kommt, Partner von Mainz 05 auch mal bei einem Bundesliga-Spiel im Stadion zu betreuen, ist wegen der Corona-Lage derzeit nicht sehr wahrscheinlich.

Doch, er könne schon Kaffee kochen, versichert Raphael Holzdeppe lachend. Dabei ist das gar nicht seine Aufgabe, obwohl der ehemalige Stabhochsprung-Weltmeister gerade beim FSV Mainz 05 ein Praktikum macht. Trotz der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2021 in Tokio hat er ein bisschen Zeit – und nutzt sie mal anders.

„Bezogen aufs Praktikum war Corona in diesem Jahr für mich eigentlich ein Segen“, sagt der Sportler des LAZ Zweibrücken. Denn statt wie sonst um diese Jahreszeit in der Vorbereitung ein Trainingslager in Südafrika zu beziehen, „bleiben wir diesmal natürlich zu Hause“. Dadurch hatte der 31-Jährige auf einmal die drei Monate Zeit am Stück, die es aus seiner Sicht für ein Praktikum auch braucht, um richtig reinzukommen: „Ich wollte schon lange ein Praktikum machen, aber eben kein kurzes. Zuvor hat mir immer die zeitliche Komponente einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Über den Tellerrand in Mainz

„Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass es nicht klappt mit einem Praktikum“, erzählt Holzdeppe vom Risiko, sich Anfang des Sommers mitten in der Corona-Krise und mit vielen Firmen in Kurzarbeit zu bewerben. Zudem hatte er für sein freiwilliges und unbezahltes Praktikum, das gar nicht verpflichtend für seinen Online-Studiengang „Marketing“ an der IUBH in Bad Honnef ist, auch eigene Vorstellungen. „Ich habe mich nur als Teilzeitpraktikant beworben“, erläutert er. Schließlich musste die Arbeit ja kompatibel sein mit seinem Studium und der sportlichen Vorbereitung auf das Olympia-Jahr.

Online-Studium passt

Doch dann bekam er über den Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saar Kontakt zum Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. „Es hat mich immer gereizt, mal über den Tellerrand zu schauen, in dem Fall zum großen Bruder Fußball“, sagt Holzdeppe. Die Mainzer waren nicht abgeneigt, es gab ein virtuelles Vorstellungsgespräch – und seit dem 5. Oktober ist Holzdeppe nun bis Jahresende Praktikant auf der Geschäftsstelle der Nullfünfer, im Bereich Sponsoren- und Partner-Management. „Deren Geschäftsstelle ist so groß wie die des ganzen Leichtathletik-Verbands“, staunte er in den ersten neun Tagen nicht schlecht, in denen er – mit dem Stabhochsprung-Training pausierte er da noch – in Vollzeit ran musste und durfte.

Dass diese ersten Tage von 9 bis 18 Uhr eine Umstellung für ihn und durchaus anstrengend waren, gibt Raphael Holzdeppe unumwunden zu. Immerhin kann er sich die Anfahrt sparen, denn er hat sich in einer Einzimmerwohnung auf dem Mainzer Trainingsgelände eingemietet. „Auch da hatte ich Glück: Wegen Corona ist die Trainerakademie derzeit nicht voll ausgelastet“, berichtet er. Mittlerweile – wieder mit Training – ist er im Teilzeitmodell angekommen. „Der Modus ist deutlich einfacher für mich“, sagt er.

2022 mit Master beginnen

Nach dem Abitur im Jahr 2009 am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium hatte Holzdeppe zunächst die Grundausbildung als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr gemacht, war dann Sportsoldat und hatte ein Fernstudium in Ansbach (Internationales Management) begonnen. Ab 2012 studierte er an der Hochschule Marketing und Medien in Ismaning. „Von den Inhalten war es perfekt. Aber es gab viel Präsenzunterricht, das war schwer mit dem Sport zu verbinden“, blickt er zurück.

Nun also seit einem Jahr das Marketing-Studium an der IUBH, „eigentlich alles dasselbe, ein BWL-Studium“, stellt er fest. „Zusammen mit dem Sport ist es perfekt, ich kann es mir einteilen, wie ich will.“ Es funktioniere alles online, er könne selbst Klausuren von überall auf der Welt schreiben. Ende 2021 will er seine Bachelor-Arbeit schreiben, im Jahr 2022 mit dem Master beginnen. „Dann wäre ich 2024, zum Karriere-Ende mit dem großen Ziel Olympia in Paris, mit dem Studium fertig.“

In Mainz jetzt war er schnell eingegliedert, „es ist sehr integrativ hier“, findet er. Er wurde in verschiedene Projekte eingearbeitet, zunächst als helfende Hand beim Verfassen und Korrigieren von Texten. In seinem derzeitigen Projekt ist sein Aufgabenbereich schon größer, er fühlt sich da fast als vollwertiger Partner. Ob er tatsächlich auch mal bei einem Mainzer Bundesliga-Spiel dabei ist und Partner betreut, ist wegen der Corona-Lage unklar.

Neben dem Praktikanten-Job trainiert er momentan auch in Mainz. Heim- und Bundestrainer Andrei Tivontchik schaut nun zwei- bis dreimal pro Woche vorbei, wenn es wieder ans Kraft- und Stabhochsprungtraining geht.

Hoffen auf normalere Saison

Die Corona-Saison hat Holzdeppe abgehakt. „Ich glaube, wir haben das Maximale rausgeholt. Ich hab’ mir nichts vorzuwerfen“, sagt er. Er hätte nicht gedacht, dass am Ende noch so viele Wettkämpfe – „ich hatte noch elf“ – stattfinden. Fürs kommende Jahr hofft er auf eine „normalere Saison mit früherer Planungssicherheit“. Bezogen auf Olympia 2021 in Tokio ist er positiv gestimmt: „Ich glaube, dass die Spiele stattfinden. Wenn es nicht so wäre, könnte ich nicht jeden Tag 100 Prozent im Training geben.“

Zurück zum Kaffeekochen. „Gar kein Problem“, versetzt Holzdeppe mit Blick aufs typische Praktikanten-Klischee lachend: „Zuhause haben wir eine Pad-Maschine. Und die Mainzer haben einen Vollautomat, da muss ich gar nichts machen.“

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