Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Historischer Verein legt Jahrbuch vor

Landgräfin Karoline Henriette von Hessen-Darmstadt würde dieses Jahr ihren 300. Geburtstag feiern.
Landgräfin Karoline Henriette von Hessen-Darmstadt würde dieses Jahr ihren 300. Geburtstag feiern.

Üblicherweise wird das Jahrbuch des historischen Vereins bei der Jahreshauptversammlung im Januar vorgestellt. Wegen der Corona-Beschränkungen wird diese in den Sommer verschoben. Das druckfrische Jahrbuch ist aber trotzdem erschienen und bietet einigen Lesestoff.

Im Jahrbuch werden Vorträge abgedruckt, die im Laufe des vergangenen Jahres beim Historischen Verein gehalten wurden. Ergänzt werden sie durch Einsendungen, die sich ebenfalls mit historischen Themen befassen. Fast alle Texte beschäftigen sich mit Pirmasens und seiner näheren Umgebung.

Den Beginn macht Klaus Karg, der sich mit „Nardini und die Wittelsbacher“ beschäftigt. Pfarrer Nardini, der in Pirmasens gewirkt hat, nutzte seine Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten in München, um das Königshaus für sein Werk zu gewinnen. Die finanziellen Zuwendungen setzte er direkt in der Sozialarbeit in Pirmasens ein.

Martin Wenz beschäftigt sich mit der Markgräfin Amalie – einer Tochter von Landgraf Ludwig IX. und Karoline Henriette von Hessen-Darmstadt – und ihrem Lustschlösschen in Karlsruhe, dem sogenannte Amalienschlösschen. Dabei beleuchtet er auch das Karolinenschlösschen in Pirmasens und den dazugehörigen Garten. Der Geburtstag von Karoline Henriette, der großen Landgräfin, jährt sich am 9. März zum 300. Mal.

Markus Schussmann stellt die Ausgrabungen des Westtors eines spätkeltischen Oppidums auf dem Staffelberg in Oberfranken vor.

Richard Antoni gibt einen Bericht über das Kriegsende auf Maria Rosenberg ab. Dazu hat er Aufzeichnungen von drei Augenzeugen ausgewertet: Johannes Muth, der seit 1930 Direktor des Hauses und zuvor Kaplan in Pirmasens war; der aus Merzalben stammende Isidor Markus Emanuel, seit 1941 Exerzitienmeister und Wallfahrtspfarrer sowie späterer Bischof von Speyer; Karl Mentz aus Edesheim, der seit 1940 Kaplan auf dem Rosenberg war.

In einem weiteren Text befasst sich Richard Antoni mit dem Thema der Waldnutzung in unserer Gegend in historischer Zeit. Dazu hat er Quellen ab dem Jahr 850 ausgewertet.

Stefan Hirschmann beleuchtet die Geschichte der Burg Anebos. Dafür hat er eine Quelle aus dem Vatikanischen Geheimarchiv ausgewertet. Während des Mittelalters war die päpstliche Kurie der mit Abstand größte Urkundenproduzent. – ein reicher Fundus für heutige Geschichtsforscher.

Mit dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und der schwedischen Krone beschäftigt sich Günter Steigner. Dabei beleuchtet er nicht nur die staatspolitischen Entwicklungen sondern widmet sich auch Themen wie der Landwirtschaft, dem Forstwesen und dem Bergbau.

Moritz Klaus Weber hat seine Facharbeit zur Pirmasenser Firma Schön & Cie zur Verfügung gestellt. Dafür hat er Dokumente aus dem Privatarchiv der Familie Schön ausgewertet.

Michael Gaubatz, der zweite Vorsitzende des Historischen Vereins, hat einen Beitrag zum Ersten Weltkrieg vorgelegt. Er setzt sich darin mit den menschlichen und sachlichen Verlusten auseinander.

Ester Ringling beschäftigt sich mit der Geschichte des Ortsbezirks Gersbach. Am 1. Mai 2020 jährte sich dessen urkundliche Ersterwähnung zum 725. Mal. Der Beitrag fasst die vorliegenden Erkenntnisse zur Gründung des Ortes zusammen. Ringling hat außerdem die Denkmalliste für den Ortsbezirk durchgearbeitet und beschreibt alle unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und Anlagen in Wort und Bild.

Im September hielt Gunter Altenkirch beim Historischen Verein einen Vortrag über Volks- und Aberglaube in der Pfalz und im Saarland. Hierzu hat er nun einen schriftlichen Bericht vorgelegt, der dazu anregt, in der eigenen Vergangenheit nachzuforschen und Volks- und Aberglauben in Pirmasens aufzuspüren.

Mit dem Thema Frauenarbeitsplätze in der Pirmasenser Schuhindustrie im 19. Jahrhundert beschäftigt sich die Stadtarchivarin und Vorsitzende des Historischen Vereins Heike Wittmer. Dazu hat sie verschiedene Quellen des Stadtarchives ausgewertet. Nicht nur als Schuhträgerinnen waren die Pirmasenserinnen in dieser Zeit tätig. Die Mitarbeit von Frauen war zwingend notwendig, um die Familien ernähren zu können, so ihr Fazit.

Den Abschluss macht Tobias Burkey mit seinem Beitrag über den jüdischen Arzt Max Hoffmann. Hofmann wurde 1898 in Pirmasens geboren. Er praktizierte hier als Hausarzt, musste aber während der NS-Zeit in die USA flüchten. Auch dort war er als Arzt tätig. Er starb 1990 in New York.

Lesezeichen

Jahrbuch des Historischen Vereins Pirmasens e. V., 162 Seiten, 12 Euro, erhältlich beim Stadtarchiv und in der Buchhandlung Thalia.
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