Leichtathletik
Herschbergerin Christin Hussong holt ihre DM-Goldmedaille im Büro ab
„Die Siegweite von 63,93 Meter war echt in Ordnung. Ich hatte schon beim Einwerfen ein gutes Gefühl, auch wenn wir uns alle dann beim ersten Versuch schwertaten“, sagte Christin Hussong. Aber egal: „Heute zählte nur der Meistertitel, und ich bin echt stolz darauf.“
Noch drei Meetings?
Das Training hat in diesem Frühjahr und Sommer eine Frischzellenkur bekommen, die Pflicht ist erledigt, jetzt kann die Kür folgen. „Wir konnten an Sachen arbeiten, für die wir normalerweise keine Zeit haben“, sagte die 26 Jahre alte Speerwurf-Europameisterin aus Herschberg, die nun daran denkt, an den Meetings in Thum, Offenburg und Anfang September in Rovereto teilzunehmen, wenn sie denn wie geplant stattfinden. Und dann soll auch diese außergewöhnliche Saison, die so genannte „Late Season“, mit einer rund sechswöchigen Pause, ein bissel Urlaub sowie einer gesunden Mischung aus Nachdenken, Trainieren und Träumen zu Ende gehen. 2021 sollen die Olympischen Spiele in Tokio nachgeholt werden. „Ja, wir hoffen alle darauf“, merkte sie dazu an.
Oberkörper-Fehler
Sie hat die vergangenen Monate genutzt, um zusammen mit ihrem Vater und Trainer Udo Hussong an technischen Fehlern zu arbeiten. „Sie ist auch in Braunschweig wieder in den Fehler, den ihr Oberkörper macht, zurückgefallen“, sagte der wie immer filmende Coach. „Nach einem guten Versuch wie diesem auf fast 64 Meter geht sie immer zu forsch an die Sache ran. Sie müsste dann einfach ruhiger bleiben. Das wissen wir beide, und darüber reden wir auch“, sagte Udo Hussong. „Das stimmt schon. Ich weiß halt, was ich kann und was ich drauf habe, will das allen zeigen und werde dabei zu ungeduldig“, übte sich Christin Hussong in Selbstkritik. In einem Feld aber, in dem man die Nächstbeste fast sechs Meter hinter sich lässt, kann die Spannung schon schnell abfallen, das ist auch verständlich. „Ich sollte als mal ein bisschen mehr nachdenken“, sagte sie grinsend.
Trainer im Tunnel
Ohne Zuschauer zu werfen, das empfand sie schon als sehr komisch, wollte aber nicht jammern, sondern lieber dankbar sein für die Möglichkeit der Titelverteidigung: „Ich habe mich damit abgefunden.“ Ihr Vater dagegen meinte: „Für mich als Trainer machte das keinen Unterschied, ich bin da so in meinem Tunnel drinnen. Ich weiß oft auch nichts von den anderen Werferinnen.
Mama muss draußen bleiben
Alles war anders in diesem Jahr. Wenn schon die Mama daheim bleibt! „Sie hätte ja nicht mit ins Stadion gedurft“, sagte Udo Hussong gegen 20 Uhr am Samstag, kurz vor der Heimfahrt, die dann auch völlig reibungslos klappte, wie Christin Hussong am Sonntagmorgen ausgeschlafen erzählte: „Ach, das war locker.“
Eben weil keine Zuschauer da waren, hatten die zwei Handvoll Trainer die Athletinnen vor ihren jeweils letzten Versuchen mit Applaus motiviert. Ein paar kleine Interviews gab’s noch, die Dopingkontrolle, aber keine Siegerehrung. Udo Hussong fand es eher „peinlich“, dass seine Tochter ihre Medaille und ihre Urkunde im Wettkampfbüro abholen musste.