Pirmasens Haus für den Verkauf aufgehübscht

Wer sein Auto verkaufen will, räumt es vorher auf, putzt und poliert es, rückt die guten Seiten ins Rampenlicht.
Genau das tut auch ein „Home Stager“, nur mit Immobilien. Michaela Weber hat 2012 dafür das erste Unternehmen in der Südwestpfalz gegründet. Eine Geschäftsidee, die ihr beim Gründerinnen-Wettbewerb 2015 Platz eins einbrachte.
Der Garten ist zugewuchert, Fliesen sind vermoost. Im Haus fällt der erste Blick auf eine angegilbte Wand mit Abdrücken von Bilderrahmen, in einem Zimmer haben die früheren Hausherren zwar die Wand gestrichen, leere Farbeimer aber stehen lassen. Im Schlafzimmer hängen an einer Garderobe noch Dessous. Wer solches sieht, dem dürfte es schwer fallen, sich sein neues behagliches Zuhause vorzustellen. Und so, stellt Michaela Weber fest, gehe es den meisten Menschen – weswegen die dann auch dem Gesehenen sogleich den Rücken kehrten. Zu sehen bekommt Michaela Weber solches immer wieder. Zuletzt in einem Haus in der Vorderpfalz, das etwa ein halbes Jahr zum Verkauf angeboten wurde – vergeblich. Dann wechselten die Eigentümer den Makler und der schaltete einen „Home Stager“ ein – also eine Fachkraft, die Häuser und Wohnungen vor einem Verkauf herrichtet, ihnen sozusagen die passende Bühne (englisch „stage“) verschafft. Michaela Weber ist eine solche Fachfrau. Seit Mitte 2012 hat die Pirmasenserin, die hauptberuflich eine Agentur für Kommunikation und Public Relations sowie für Übersetzungen und Sprachtraining betreibt, sich ein zweites Standbein aufgebaut: „Wachgeküsst Homestaging“ heißt ihr Unternehmen, für das sie im April beim Gründerinnen-Wettbewerb „Grips Award“ der Stadt Pirmasens mit einem der beiden ersten Plätze ausgezeichnet wurde. Den ersten Anstoß gab die eigene Erfahrung: 2007 besichtigte Michaela Weber in Pirmasens das Haus eines älteren Herrn, mit kleinen vollgestopften Zimmern, wenig ansprechend. Andere Interessenten waren abgeschreckt, nicht so Michaela Weber. Denn sie habe sich damals gut vorstellen können, etwas daraus zu machen. Sie machte, renovierte kräftig, zog 2008 ein. Den Ausschlag zur Gründung gab dann später ein Bericht über Home Staging: Michaela Weber beschloss, ihre Kreativität zu nutzen, qualifizierte sich bei der Deutschen Gesellschaft für Home Staging, trat dem Berufsverband bei – als erste und bislang einzige „Home Stagerin“ in der Südwestpfalz. Als Konkurrenz zu Maklern betrachtet sie sich nicht. Im Gegenteil. Makler verkauften eher die harten Fakten wie Wert, Lage und Umgebung, stellt sie fest. „Ein Home Stager ergänzt, was fürs Bauchgefühl wichtig ist“. Denn wie bei vielem sei auch beim Hauskauf der erste Eindruck ganz entscheidend. Und das beginnt für sie bereits beim Auftritt im Internet, das zunehmend wichtiger werde. Als sie 2007 ein Haus gesucht habe, seien noch papierene Exposés wichtig gewesen, auch der Blick auf die Schaufenster der Banken. Heute schauten viele nur auf Internet-Plattformen. Und dort fänden sich oft unvorteilhafte Auftritte: Häuser in Briefmarkenformat, dunkle Aufnahmen leerer Räume. So war es auch bei dem Haus in der Vorderpfalz, das ebenfalls im Internet angeboten worden war. Der erste Eindruck, erinnert sich Michaela Weber, sei wenig vorteilhaft gewesen: „unaufgeräumt“ und „vernachlässigt“. Ein Eindruck, der sich beim Besuch verdichtete und den die 46-Jährige beseitigen wollte. Michaela Weber legte los: mit Aufräumen, Putzen, Renovieren, Möblieren, Dekorieren. Doch „einfach einen Teppich hinlegen“ reiche meist nicht aus, stellt sie fest. Man müsse einen Plan fürs Ganze haben, Stil und Farben des Hauses aufgreifen, um „ein Gefühl zu kreieren“. Auch Möbel aus dem eigens angeschafften Miet-Fundus stellt sie auf. Nicht nur wegen der Atmosphäre – in leeren Räumen sei es oft schwierig, die Dimensionen richtig einzuschätzen, sagt die Fachfrau. Bei all dem gehe es keineswegs darum, Mängel zu verdecken, betont sie, sondern darum, die „Schokoladenseiten“ eines Hauses hervorzuheben. Was nicht immer einfach ist. Etwa dann, wenn das Bad wie im Beispielfall mit Braun-beigefarbenen floralen Fliesen besticht. Weber und ihr Team machten aus der Not eine Tugend – und aus der 70er-Jahre-Nasszelle eine echte Retro-Oase. Drei Tage lang war ein Dreier-Team am Werk, dann kam der Makler, stellte die neuen Fotos ins Internet – und drei Wochen später war der Kaufvertrag perfekt. Verkauft wurde das Haus dann für 210.000 Euro, sagt Weber; beim ersten Makler war es noch für 199.000 Euro eingestellt. Das Homestaging hat 2500 Euro gekostet: für Konzept, Reinigung, Renovierungs- und Gartenarbeiten, Pflanzen, neue Holzfliesen und Miet-Möbel. Zwischen einem und drei Prozent des Verkaufspreises liegen die Kosten für Homestaging im Schnitt. In großen Städten ist „Home Staging“ längst ein Begriff, obwohl sich dort Immobilien derzeit ohne viel Zutun verkaufen. Für umso wichtiger hält es daher Michaela Weber, dass Verkäufer abseits jener Ballungszentren Immobilien ins richtige Licht rücken. Das gelte auch in Pirmasens, meint sie. Das oft gehörte Argument, hier hätten die Leute kein Geld, kann sie nicht nachvollziehen. Schließlich nähmen diese ja auch in Kauf, mit dem Preis immer weiter hinunter zu gehen. Info Internet: www.wachgeküsst-homestaging.de, E-Mail: Michaela.Weber@wachgekuesst-homestaging.de. Das Stichwort: Home Staging Als „Home Staging“ bezeichnet man das professionelle Herrichten eines Hauses oder einer Wohnung, um potenzielle Käufer oder Mieter dafür zu interessieren. Der Begriff lehnt sich an das englische „stage“ (Bühne) oder „staging“ (Inszenierung) an. In den USA gibt es Home Staging seit den 70ern. In Deutschland wächst der Bereich noch: 2006 wurde die erste Agentur in Hamburg eröffnet, 2010 entstand die Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign in Wiesbaden. Der Berufsverband verzeichnet rund 250 Mitglieder. Oft sind es Makler, Inneneinrichter oder Gestalter, die Home Staging als weiteres Standbein in ihre Tätigkeit integrieren. (tre)