Pirmasens „Hauptsache live“
Die Begrüßungsreden des Vorsitzenden – nein, mal im Ernst: Jedes Konzert hat seine eigene Atmosphäre, und das Schönste ist es, immer wieder zu sehen, was wir in den vergangenen Jahren mit unseren aktiven Helferinnen und Helfern auf die Beine gestellt haben. Und natürlich unser so treues, immer wieder begeisterungsfähiges, aber durchaus auch kritisches Publikum. Es gab unglaublich schöne Begegnungen mit tollen Musikern, aber vor allem auch mit Menschen, die etwas zu sagen haben. Das beeindruckt mich persönlich am meisten. Kein herausragendes Konzerterlebnis? Das Herausragende ist immer der aktuellste Live-Act – mit nur wenigen Ausnahmen. Diese zu nennen, würde mir leichter fallen, aber mein Schweigemantel ist selbstredend über diese Musiker geworfen. Ein tolles Jahresabschlusskonzert hatten wir mit der ewig jungen New Yorker Sängerin Audrey Martells, die nach dem Konzert noch so herrlich natürlich war und bis lange in die Nacht hinein mit uns am Tisch verweilte. Leider gab es mit dem Ableben einiger Jazz-Freunde auch nicht so schöne Momente. Vor allem der Abschied von unserem Mitbegründer und langjährigen Aktiven Helmut „Peacy“ Briesach fiel uns und mir doch sehr schwer. An welchem Punkt sind Sie mit der Programmgestaltung für die kommende Saison? Wir haben ausnahmsweise schon einige Künstler für die kommende Saison engagiert – Bands, die in der vergangenen Saison leider absagen mussten oder für die wir keinen freien Termin hatten. Unsere Saison eröffnen wir im Oktober mit dem Instrumentalquartett „Forsonics“ aus Düsseldorf, Wuppertal und Köln. Darauf folgt das Münsteraner „Trio Indigo“ mit der Sängerin Maja Minjoli im Dezember. Im Februar begrüßen wir zum zweiten Mal das Quintett „Mois et les autres“ mit der fantastischen Sängerin Juliette Brousset, die auch schon mit den „Les Brünettes“ bei uns im E-Werk aufspielte, oder besser aufsang. Im April werden wir dann das eigentlich für die vergangene April-Soiree angekündigte „Jessica Gall Trio“ aus Berlin bei uns im E-Werk begrüßen. Wie wird bei den Dahner Jazzfreunden entschieden, wer kommt? Über das ganze Jahr erhalte ich Anfragen nicht nur aus Deutschland, sondern aus Europa und zum Teil auch aus den USA. Aus den zirka 800 jährlichen Bewerbung treffen unser zweiter Vorsitzender Martin Stoeckel und ich eine größere Vorauswahl, bei der wir zunächst die musikalische Qualität und die unterschiedlichen Stilrichtungen im Ohr haben. Dann treffen wir uns mit Vorständlern, engen die Vorauswahl ein, bringen aber auch weitere Kandidaten ins Spiel. Denn es gilt, eine möglichst große Bandbreite für die kommende Saison zu haben. Wichtig ist uns, dass die Bands nicht zeitnah im näheren Umfeld engagiert sind. Darüber hinaus sollten die Musiker bei uns nicht zu Stammgästen werden. Da sind uns Abwechslung und Neues wichtig. Sie sind Musiklehrer am Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium in Dahn. Wie sieht es da mit dem Jazz-Nachwuchs aus? Im schulischen Musikunterricht genießt der Jazz eher ein Schattendasein. Allerdings widmen wir uns in AGs durchaus auch jazzigen Arrangements. Aber selten gibt es bei uns Schüler, die sich mit Leidenschaft dem Jazz verschrieben haben. Vielen ist kaum bewusst, wie sehr der Jazz beziehungsweise Blues mit in ihre Musikrichtungen hineinwirkt und ihnen – wenn auch oft unbewusst – durchaus im Alltäglichen, wie etwa in der Werbung und in der Filmmusik begegnet. Immerhin kommen einige – vor allem ehemalige Schüler – zu unseren Veranstaltungen und sind auch Mitglieder bei den Dahner Jazz-Freunden. In Pirmasens hat sich nun auch ein Jazz-Club gegründet. Gab es da Gespräche im Vorfeld, damit die Dahner Tipps, Tricks und Erfahrungen weitergeben können? Diese Frage kann ich leider mit einem klaren „Nein“ beantworten. Von der Vereinsgründung erfuhr ich eher aus der Zeitung und dann auch über Mail-Verteiler. Wir gratulieren dem neugegründeten Jazz-Club in Pirmasens und wünschen ihm gutes Gelingen bei seinen Veranstaltungen. Eine gewisse Vorbild-Funktion unseres Jazz-Vereins darf hier aber sicherlich konstatiert werden. Sind Kollaborationen mit dem Pirmasenser Jazz-Club geplant? Gemeinsame Konzerte sind aus unserer Sicht recht fruchtlos – da sehen wir uns auch nicht in der Rolle der Initiatoren. Und Bands für zwei Tage an so nah beieinander liegenden Orten zu engagieren, da würden wir uns jeweils ja selbst in Konkurrenz treten. Aber – wir machen natürlich weiter Werbung für unseren Nachbar-Verein und freuen uns auch über deren Besuch bei unseren Konzerten und der Mitwirkung bei unserer Offenen Bühne, wie es ja gerade auch von Bernd Adlers Seite in den vergangenen Jahren schon häufiger der Fall war. Gibt es andere Partnerschaften? In den vorangegangenen Jahren haben wir mit dem Relais Culturel in Weißenburg und zuletzt auch mit Bad Bergzabern zusammengearbeitet und mit Jazz d’hiver eine kleine gemeinsame Konzertreihe zustande gebracht. Dies ist aber in den letzten zwei Jahren eingeschlafen, was vor allem an der umstrukturierten Verwaltung des Relais Culturel liegt. Haben die Dahner Jazzfreunde auch Jam-Sessions oder nur die Offene Bühne zum Abschluss der Saison? In der Gründungsphase unseres Jazz-Vereins vor nunmehr 14 Jahren waren solche Sessions angedacht und fanden auch ab und zu mal statt, aber es hat sich dann doch die jetzige Vorgehensweise durchgesetzt, einmal im Jahr eine große Offene Bühne zu veranstalten, und hier die Möglichkeit zur Session zu bieten. Wir sind ja nur ein kleiner Kreis von ehrenamtlich aktiven Helferinnen und Helfern, und da möchten wir uns dann auch nicht überstrapazieren. Sechs große Konzerte und eine Offene Bühne bringen da genügend Arbeit. Sie haben angekündigt, dass die Eintrittspreise moderat steigen werden. Warum? Bei der Jahreshauptversammlung wurde der Antrag zur moderaten Erhöhung der Eintrittspreise gestellt. Im Grunde sind wir von Beginn an viel zu günstig. Vergleichbare Veranstalter verlangen durchaus das Doppelte und weit darüber hinaus. Aber wir wollten ja mit unseren günstigen Eintrittspreisen auch einem großen Kreis von Interessierten die Möglichkeit geben, hochwertige Jazz-Musik im Dahner Alten E-Werk live zu erleben. Die Finanzierung erfolgt bei uns in der Hauptsache über die Eintrittspreise und die Einnahmen aus dem Verzehr. Potenzielle Sponsoren gibt es nur wenige in Dahn, und natürlich arbeiten wir alle rein ehrenamtlich. Zum Glück unterstützt uns die Stadt mit der Zurverfügungstellung des Alten E-Werks. Einen letzten Sockel bilden die Mitgliederbeiträge, die wir zur Absicherung benötigen. Zudem sind auch viele Anschaffungen zu tätigen, wie die gesamte PA, das Licht, Tische, die Werbematerialien und letztlich soll auch die seit Jahren von uns angestrebte Renovierung, insbesondere der Toiletten mitfinanziert werden. Außerdem steigen die Kosten, insbesondere bei den Gagen der verpflichteten Jazz-Musiker, und es sind zunehmend weitere Hotel-Übernachtungen einzuplanen. Nach längerer Diskussion wurde die Erhöhung der Eintrittspreise um zwei Euro von 13 auf 15 Euro beschlossen. Ob wir vielleicht auch mal bei besonders hochwertig angesiedelten Künstlern einen höheren Sonder-Eintrittspreis veranschlagen, wurde ebenfalls diskutiert und positiv entschieden. Offene Bühne Die Offene Bühne beginnt am kommenden Sonntag um 11 Uhr. Auftreten wird die Hausband mit Benno Stoeckel (Gitarre), Lothar Frary (Piano) und Dietmar Bäuerle (Drums). Mit von der Partie sind auch die Gruppen „Camarillo“, „PlusMinus“ von der Kreismusikschule unter der Leitung von Lothar Frary sowie die Rock-Bigband des OWG mit Karl-Heinz Knöller und Holger Ryseck. Gefragt sind wie immer Beiträge aus dem Publikum. Bei Regen entfällt die Offene Bühne ersatzlos.