Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Hauenstein feiert sein Schuhmuseum: Aus der Idee im „Ochsen“ ist ein „Leuchtturm“ geworden

Zum Erfolg des Hauensteiner Museums maßgeblich beigetragen haben (von links nach rechts): Karl und Paul Stöbener, Herbert Johann
Zum Erfolg des Hauensteiner Museums maßgeblich beigetragen haben (von links nach rechts): Karl und Paul Stöbener, Herbert Johann und Walter Gerst. Es fehlt Horst Geiger.

Es brauchte einen Journalisten, einen Bundestagsabgeordneten und viele Ehrenamtliche: Von den ersten Ideen bis zur Gründung war es ein steiniger Weg.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ adelte das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein schon vor 30 Jahren als „wunderschöne weiße Schuhschachtel“. Zum 20. Jubiläum im Jahr 2016 nannte der damalige Präsident des Bezirksverbandes Pfalz, Theo Wieder, das inzwischen international bekannte Museum einen „nachhaltigen Leuchtturm in der Sozial- und Kulturgeschichte der Pfalz“. Sein Anteil an der Transformation des Museums in eine lebensfähige Stiftung im Jahr 2004 war groß.

Zum 30. Jubiläum, das am Sonntag in einem großen Bürgerfest gefeiert wird, soll besonders betont werden: Ohne die engagierte Mitarbeit zahlreicher Ehrenamtlicher, Helferinnen und Helfer sowie Museumsführerinnen und Museumsführer wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Zugleich rücken Momente ins Licht, die bisher kaum bekannt waren, aber wesentlich zur Museumsgeschichte beitrugen.

Mehrere Zugpferde für Museumsgründung

So wurde bereits 1988 ein Journalist dieser Zeitung zum wichtigen Begleiter und medialen Taufpaten des Projekts: Klaus Hofmann (1924–2021). Der damalige Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Uelhoff (CDU, 90) initiierte damals ein Gespräch in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn an dem auch Hofmann teilnahm. Das Treffen war ein inhaltlicher und medialer Beschleuniger auf dem Weg von Planung zur Zuschussgewährung. Hofmann, langjähriger Bonner Korrespondent der Zeitung und in der Fachwelt hoch angesehen, trug die Idee des Museums in der Phase des Strukturwandels der Schuhregion immer wieder in die Öffentlichkeit, auch überregional.

Durch seine Vermittlung konnten die Verantwortlichen im Hauensteiner Rathaus zielgerichtete Gespräche mit Entscheidungsträgern führen – von der Idee bis zur Eröffnung am Freitag, 14. Juni 1996. Hofmann blieb dem Museum verbunden und war mit seiner Frau Ulla über Jahre ein gern gesehener Gast bei Ausstellungen und großen Anlässen.

Ein weiterer, bislang wenig beachteter Schlüsselmoment liegt noch früher: drei Tage vor dem historischen 100-jährigen Schuh-Jubiläum im Jahr 1986. Viele ältere Hauensteiner erinnern sich an die außergewöhnliche Bürgerversammlung im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal „Zum Ochsen“. Am Vorabend des Festes stellte sich die Gemeinde mitten in der Schuhkrise die Frage: „Was nun Hauenstein?“ Die von der CDU organisierte, von vielen politisch Interessierten mitgetragene Veranstaltung setzte bewusst auf die Expertise von Bürgerinnen und Bürgern statt auf Politiker.

„Auch in Zukunft bei unseren Leisten bleiben“

Auf dem Podium saßen unter anderem Rudolf Seibel (ASS-Gruppe, damals Landesvorsitzender der Schuhindustrie), der Arzt Peter Hoffmann (90), Josef Seibel, Enkel der Schuhgründer von 1886 und Vater des heutigen Museumsleiters Carl August Seibel, der Schuhfabrikarbeiter und spätere Betriebsleiter Eduard Bohn, der Apotheker und langjährige Vorsitzende des Hauensteiner Roten Kreuzes Karl-Heinz Schroer (79) sowie der Hauensteiner und damalige leitende dpa-Korrespondent in Stuttgart, Werner Scheib (82).

Von Scheib kam an diesem Abend die zentrale Maxime: „Wir müssen auch in Zukunft bei unseren Leisten bleiben und unsere Geschichte aus der Vergangenheit für die Zukunft erhalten. Ich schlage dazu die Verwirklichung eines Hauensteiner Schuhmuseums vor.“ Damit war die Vision geboren. Das Projekt wurde zu einer der großen Zukunftsinvestitionen im Strukturwandel des größten deutschen Schuhdorfs.

Es folgte ein langer, steiniger Weg. Fast zehn Jahre später öffnete das Museum am Freitag, 14. Juni 1996, seine Türen – heute gilt es als weltweit größtes seiner Art. Mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Festen dürfte die Zahl der Besucherinnen und Besucher bald die Marke von einer Million erreichen.

Info

Die Feier zum 30. Geburtstag ist am Sonntag, 14. Juni, von 11 bis 18 Uhr im und am Museum in der Turnstraße 5 in Hauenstein. Mit dabei sind unter anderem der Musikverein Hauenstein, der Chor Cantanova, der Kinderchor Wilgartswiesen, die Band Doppelhertz, die Hulwische mit Kinderschminken sowie die Kugel mit Spielmobil und Kindertheater.

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