Pirmasens „Hamlet“ begeistert als Rockmusical

Prinz Hamlet (Carl Bruchhäuser) sitzt in nachdenklicher Pose am Bühnenrand.
Prinz Hamlet (Carl Bruchhäuser) sitzt in nachdenklicher Pose am Bühnenrand.

„Shakespeares Hamlet – Das Rockmusical“ von der Opernwerkstatt am Rhein zog am Freitagabend 270 Zuschauer in die Pirmasenser Festhalle.

Ursprünglich sollte Shakespeares „Sommernachtstraum“, aufgeführt werden, doch er wurde kurzfristig abgesagt. Die Pirmasenser Kulturamtsleiterin Heike Wittmer buchte kurzerhand vom gleichen Tourneetheater, der Opernwerkstatt am Rhein, ein anderes Shakespeare-Stück: „Hamlet“.

Die Pirmasenser Festhalle war nur zu einem Drittel gefüllt, doch der Hauptsaal war sehr ordentlich besetzt, darunter erfreulich viele junge Besucher und ihnen wurde einiges geboten. Dass Wittmer in Sachen Qualität ein sicheres Händchen bewies, darf man schon verraten. Die Handlung von „Hamlet“, 1604 veröffentlicht, ging, blieb im Rockmusical-Format gleich: Etwas ist faul im Staate Dänemark. Hamlets Vater ist gestorben, seine Mutter, Königin Gertrud, heiratet Claudius, den Bruder des Regenten, wodurch er selbst zum König wird. Als Hamlet erfährt, dass es wohl Claudius war, der seinen Vater ermordete, sinnt er auf Rache. Gefangen in gesellschaftlichen Konventionen, gebunden durch seine Liebe zu Ophelia und im Zweifel, ob es richtig ist Rache zu üben oder selbst in den Tod zu gehen, nimmt die Tragödie ihren Lauf.

Fünfköpfige Band

Als cleverer Schachzug ist der Einsatz einer fünfköpfigen Band mit handgemachter Musik zu bewerten. Max Sattler, Frederick Seifert (beide Gitarre), Anke Pan (Keyboard), Rebecca Himmerich (Bass) und Trommler Matthias Plewka sorgten phasenweise gar für authentisches Rockkonzert-Feeling. Alle spielten technisch einwandfrei und verstanden es zudem, die Stimmung der Szenen musikalisch gekonnt zu unterstreichen.

Wer jedoch typische Musicalsongs erwartete, der wurde überrascht, denn es waren Hits der letzten Dekaden wie „Why Do Lovers Break Each Other’s Hearts“ (Showaddywaddy), „Road to Nowhere“ (Talking Heads), das einfühlsame „Hello“ (Adele) sowie Kate Bushs „Breathing“, die passend in die Handlung integriert wurden, respektive deren Texte Hamlets Unzufriedenheit und Ratlosigkeit nahezu perfekt widerspiegelten.

Aggressiv-rockige Ophelia

Das von Neele Pettig (Ophelia) in überraschend aggressiv-rockiger Manier inklusive Derwisch-Mentalität vorgetragene „Fuck You“ (Lily Allen) überraschte. Währenddessen fanden sich die anderen Darsteller paarweise zusammen, um im Stehen Kopulationsbewegungen zu vollführen, was zahlreichen Besuchern der älteren Generationen sichtlich gar nicht gefiel, wie auch der sehr dünne Applaus dokumentierte.

Bruchhäusers Glanzleistung

Carl Bruchhäuser sang Supertramps „Logical Song“ überraschend stark, lieferte als Prinz Hamlet eine Glanzleistung ab und darf aufgrund seines Gesamtpakets aus Mimik, Gestik, Agilität, Emotionen und Ausdruck sicherlich zu den begabtesten jungen deutschen Theaterschauspielern gezählt werden. Vor allem die Szenen mit seiner Mutter fesselten. Des Weiteren ragte Claudius-Darsteller Peter Saurbier aus einem sehr guten Ensemble heraus. Er überzeugte auch als exzellenter Sänger bei „Viva La Vida“ (Coldplay). Hier setzte er sich gar zur Band ans Keyboard und begleitete sich selbst!

Alexandra Lowygina als Königin Gertrud stand ihm kaum nach, und als Königspaar agierten sie mittels imposanter Präsenz und Erhabenheit, die ihre Charaktere glaubwürdig und majestätisch erscheinen ließen. Zudem gab es eine lustige regelmäßig wiederkehrende Gruppe mit Puppenspiel, tolle Fechtkämpfe, das Narren-Duo Güldenstern und Rosenkranz sowie top choreografierte mitreißende Tanzeinlagen, in denen höfische Elemente mit den modernen Stilen Hip-Hop, Disco und Rock’n’Roll famos verknüpft wurden. Shakespeare-Texte, aktuelle Rockmusik und ein klares, modernes Bühnendekor mit imposant-aufwendigen, historisch anmutenden Steampunk-Kostümen harmonierten prächtig. Großes Kino auf der Theaterbühne!

x