Pirmasens Große Stimme in der kleinen Stadt

Bühnenauftritte wie diesen 2018 in Frankfurt vermisst Nguyen Ngoc Ngan in der Pandemie am meisten.
Bühnenauftritte wie diesen 2018 in Frankfurt vermisst Nguyen Ngoc Ngan in der Pandemie am meisten.
Weltenbürgerin: Nguyen Ngoc Ngan wurde in Vietnam geboren, hat in Marseille Gesang studiert und lebt nun in der Saarpfalz.
Weltenbürgerin: Nguyen Ngoc Ngan wurde in Vietnam geboren, hat in Marseille Gesang studiert und lebt nun in der Saarpfalz.
Open Stage als Einladung an die Gäste des „Phantasia“ – sobald der Lockdown beendet ist.
Open Stage als Einladung an die Gäste des »Phantasia« – sobald der Lockdown beendet ist.

Nguyen Ngoc Ngan wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt geboren, studierte in Frankreich Gesang und lebt nun mit ihrem Mann Phan Truong in Blieskastel – wo sie eine Art Doppelleben führen: Auf der einen Seite hat das Ehepaar ein asiatisches Restaurant etabliert, auf der anderen Seite leben die beiden ihre Musikleidenschaft auf internationalen Bühnen aus.

„Near, far, wherever you are“ – diese Zeilen, durch James Camerons Film „Titanic“ für immer verknüpft mit Céline Dions Stimme, füllen den Gastraum des Asia-Restaurants „Phantasia“ in Blieskastel-Lautzkirchen voll aus: Nguyen Ngoc Ngan ist kurz aufgestanden, höflich lächelnd in einer kurzen Gesprächspause, nimmt das Mikrofon und hebt an. Mühelos, von den ganz leisen Tönen bis hin zum pathetischen Finale entert sie das Lied, ihre Lippen, ihr Gestus spiegeln wider, wie leicht es ihr an diesem Morgen, ganz ohne Einsingen, fällt, diesen musikalischen Giganten mal eben so als Beispiel ihrer gesanglichen Bandbreite zum Besten zu geben.

Von der Oper zu Pop

Pop-Balladen sind ihr Ding, wie sie zuvor auf Englisch erzählt hat. Deutsch lernt sie gerade, versteht es besser als sie es selbst sprechen kann. Sie ist eine Weltenbürgerin: Geboren in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, kam die Vietnamesin in jungen Jahren nach Frankreich, arbeitete als Koreanisch-Lehrerin, studierte in Marseille klassischen Operngesang. Aber, so erzählt die zierliche Frau zutiefst bescheiden, sie selbst fand ihren Gesang nicht gut genug für die Oper und entdeckte die Popmusik für sich, besonders Balladen. Und sie machte Karriere, sang auf internationalen Bühnen von der Schweiz über Norwegen bis nach Vietnam vor bis zu 18 000 Menschen, ist in ihrer Heimat als Sängerin längst bekannt.

Die Musik war es auch, die sie vor wenigen Jahren Phan Truong begegnen ließ. Der gebürtige Münchner mit vietnamesischen Wurzeln machte zwar sehr jung im Osten des gerade wiedervereinigten Deutschland eine Lehre in der Gastronomie, in deren Anschluss er 1994 mit nicht einmal 19 Jahren in Feldkirchen nahe seiner alten Heimatstadt München sein erstes Restaurant, später in Gauting am Starnberger See sein erstes Sushi-Restaurant eröffnete. Doch neben seiner Leidenschaft fürs qualitätvolle Kochen schlägt sein Herz für die Musik: Philipp, wie er seit Kindertagen genannt wird, spielt begnadet Klavier, liebt das Gitarrenspiel, beherrscht Schlagzeug, komponiert und hat ganz nebenbei noch eine Ton- und Lichttechnikausbildung gemacht.

In ihr Herz komponiert

Auf dieser Schiene wurde Nguyen Ngoc Ngan auf ihn aufmerksam, bat ihn um eine Komposition und lud ihn zur Premiere nach Paris ein. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, wurden ein Paar. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Phan Truong wurde über Bekannte auf ein freiwerdendes Restaurant im saarpfälzischen Blieskastel aufmerksam und war Feuer und Flamme: Gemeinsam mit seiner Frau konnte hier der Traum wahr werden, ein stilvolles Asia-Restaurant zu betreiben, das zugleich Raum bieten sollte für Musik, für die Musik von Profis genauso wie von blutjungen Anfängern. 2019 starteten die beiden und erfuhren schnell regen Zuspruch für ihr Konzept, das den Gästen eben nicht nur Küchengenuss bieten, sondern zugleich Raum der kulturellen Begegnung, des Erlebens sein sollte.

Die Gitarre, das Piano, Sound