Pirmasens
Große Aufgaben für neuen Forstamtsleiter Florian Kemkes
Mit Kemkes vollzieht sich zeitgleich bei weiteren Führungspositionen im Forstamt ein Generationenwechsel. Der neue Büroleiter ist der aus Heppenheim stammende Daniel Koch. Für die technische Produktion ist künftig Manuel Simon aus Ludwigswinkel zuständig. Der neue Forstamtsleiter Kemkes stammt aus Nordhessen, hat in Göttingen studiert und sein Referendariat in Cochem absolviert. Dann ging er nach Kaiserslautern, wo er stellvertretender Forstamtsleiter wurde. Aktuell wohnt er in Kaiserslautern und fährt jeden Tag mit seiner Schwarzwildbracke „Fanni“ nach Erlenbrunn. Die Neubesetzung der Stellen in Pirmasens sei ein Glücksfall, meint Kemkes. Denn in ganz Deutschland würden Forstamtsmitarbeiter gesucht.
Mischung der Baumarten soll fortgesetzt werden
Lange kann ein Forstamt in dieser Zeit auch nicht unbesetzt bleiben. Mit dem Klimawandel steht schließlich ein großes Thema an, das zügiges Handeln fordert. „Hier ist es nicht so schlimm wie im Westerwald“, findet Kemkes. Bei der Buche erwartet der neue Forstamtsleiter Probleme in der Zukunft. „Die kommt mit heißen Sommern nicht zurecht“, sagt er. Kemkes wird die von seinem Vorgänger Theodor Ringeisen begonnene Mischung der Baumarten fortsetzen. Mit möglichst vielen verschiedenen Baumarten will Kemkes die Wälder im Forstamt Westrich breit aufstellen für alle Eventualitäten, die der Klimawandel mit sich bringen kann. „Dann haben wir im Ernstfall immer noch andere Bäume auf der Fläche“, sagt er.
Wie Ringeisen auch setzt er auf Linden, Esskastanien, Eichen und die Elsbeere. Versuche mit Bäumen aus der Mittelmeerregion sollen zwar nicht großflächig unternommen werden, dennoch will Kemkes auch im Forstamt Westrich mit Baumhasel, Atlaszeder oder Libanonzeder experimentieren. „Wir probieren eben. Das ist wie bei einem Blick in eine Glaskugel.“ Auf jeden Fall sollen die Wälder im bisherigen Umfang erhalten bleiben, sagt der neue Forstamtsleiter. „Der Wald kühlt das Klima, hält das Wasser zurück und verhindert Erosion“, nennt Kemkes drei Gründe für den Erhalt der Wälder.
Der Regen hat’s noch nicht gerichtet
Der verregnete Sommer in diesem Jahr habe die Wälder noch nicht retten können. Durch die drei vorhergehenden Dürresommer sei der Boden bis in eine Tiefe von zwei Metern ausgetrocknet. Die Regenmengen von 2021 hätten gerade mal gereicht, um die oberen Schichten wieder zu nässen. „Das braucht noch ein bis zwei Regensommer“, schätzt Kemkes. Dann könnten die Waldböden wieder wie früher sein.
Beim Personal werde das Forstamt Westrich den Bestand von 45 Mitarbeitern halten müssen, um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können. „Wir brauchen mehr Leute für die Umweltbildung und die Verkehrssicherung“, sagt Kemkes. Die Ansprüche an den Wald sind generell gestiegen.“
Beim Holzeinschlag rechnet er mit weniger in den kommenden Jahren. Der Bedarf an Bauholz sei zwar enorm und werde auch so hoch bleiben, da inzwischen mehr mit Holz gebaut werde. „Wir werden aber tendenziell weniger Holz einschlagen, damit es im Wald ein feuchteres, dichteres Klima gibt.“ Eine Aufforstung sei in der Region nicht geplant. Höchstens punktuell könne der Wald erweitert werden.
Der Wald ist auch der Ort für die Freizeit
Beim Thema Brennholz kann Kemkes die Pirmasenser, die einen Holzofen haben, vorerst beruhigen. Das Angebot bleibe erst einmal so wie bisher. Langfristig müsse sich die Bevölkerung aber fragen, ob es sinnvoll sein kann, das Holz gleich zu verbrennen oder ob es nicht erst noch in Form von Möbeln oder Bauholz eine Weile genutzt und erst später verheizt werden könne.
Persönlich fühlt sich Kemkes mit der Wahl seines Berufs am idealen Platz. „Ich bin gern draußen und wandere viel auf den Premiumwegen oder jogge“, erzählt er. Aktiv Fußballspielen sei eine weitere Leidenschaft des 28-Jährigen. Insofern wird er auch in der Freizeit öfter im Wald zu sehen sein, so wie viele andere Südwestpfälzer, die seit Corona den Wald wieder neu entdeckt haben. „Das ist sehr positiv“, findet der neue Forstamtsleiter.