Steinalben
Weltkriegsgranate explodiert in Keller: Besuch im Haus des Sammlers
Vor ein paar Tagen, um kurz nach 20 Uhr, geriet alles ein Stück weit aus den Fugen. Frau D. sah fern und Herr D. war in seinem Arbeitszimmer, als es einen lauten Schlag gab. Im Keller ihres Hauses in Steinalben war eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert, die ihr Sohn gerade untersucht hatte. Es war ein Schock für beide, von dem sie sich erst langsam erholen. Der Sohn zog sich bei der Explosion schwere Verletzungen zu, kam aber mit dem Leben davon. „Wir sind froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist“, sagt Herr D.
Notoperation über mehrere Stunden
Die Meinung von Experten stützt die Erleichterung der Eltern, denn es gab in der Vergangenheit Vorfälle, bei denen Menschen starben, weil eine Weltkriegsgranate detonierte. In den USA kostete ein solcher Unfall 2023 einen Mann das Leben, seine beiden Kinder wurden verletzt. In der Region Nürnberg verletzte sich vor sechs Jahren ein Mann schwer, als er eine gefundene Granate reinigen wollte.
Ganz ähnlich erging es jetzt dem Sohn der Eltern. Der 51-Jährige liegt seit dem Vorfall in seinem Keller in einer Klinik in Ludwigshafen. Dort wurde die schwer verletzte linke Hand versorgt. Freitagabend erfolgte eine mehrstündige Operation, in der versucht wurde, die komplette Hand zu retten. Nach Angaben der Eltern gibt es Grund zur Hoffnung, aber noch ist nicht endgültig klar, ob Schäden zurückbleiben werden. Klar ist hingegen, dass der Sohn weiter in seinem Handwerksberuf arbeiten möchte. Es wird einige Zeit dauern, ehe es verlässliche Aussagen darüber geben wird, wie schwerwiegend die Verletzungen sind.
Polizei tauscht Schlösser aus
Donnerstagnachmittag hat sich die Aufregung in dem Ort ein klein wenig gelegt, zumindest äußerlich. In Steinalben wird der Papiermüll abgeholt, die Blauen Tonnen stehen am Straßenrand. Zudem sind einige Menschen in der Straße, in der in den Vortagen viel Polizei zu sehen war, damit beschäftigt, ihre Vorgärten von Unkraut zu befreien. Es riecht nach Wald und Normalität in dem Ort, in dem ein paar hundert Menschen leben. Herr und Frau D. sind schon ewig hier, genauso wie ihr Sohn.
Mittwochmorgen konnte die Familie D. in ihr Haus zurückkehren, zwischenzeitlich waren sie bei einem anderen Sohn und der Schwiegertochter untergekommen. Die Polizei hatte das Haus gesperrt. Sie leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Waffen-, Sprengstoff- und Kriegswaffenkontrollgesetz ein. Vorsorglich räumten die Beamten das Einfamilienhaus und versiegelten es. Sogar die Schlösser wurden getauscht, damit das Haus nicht mehr betreten werden konnte.
„Wir haben jetzt die Schlüssel bekommen“, sagt Frau D. Ihnen wurde gesagt, dass dadurch keine Kosten auf sie zukommen würden. Noch wissen sie aber nicht, ob die alten Schlösser wieder eingesetzt werden – oder wie es ansonsten weitergeht.
Kellerraum wie ein kleines Museum
Bis Dienstag durchsuchten Ermittler und Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes das Anwesen des 51-Jährigen und sicherten Beweismittel. Der Einsatz dauerte mehrere Tage, weil der Sohn von Herr und Frau D. eine beeindruckende Sammlung an Fundstücken aus beiden Weltkriegen besitzt. Nicht nur Waffen, Granaten oder Munition: der Militaria-Liebhaber sammelt Uniformen, Krüge, Medaillen und vieles mehr.
Militaria sind meist historische militärische Gegenstände, die gesammelt oder gehandelt werden. Dazu gehören beispielsweise Uniformen, Orden, Helme, Ausrüstungsgegenstände, Dokumente, Abzeichen, Waffen und andere militärische Relikte. Solche Utensilien finden sich überall im Haus der Familie D. Im Keller gleicht ein Raum einem kleinen Museum. „Das ist nur ein Bruchteil der Sachen“, sagt Frau D. Dennoch: Es deutet im Haus nichts darauf hin, dass es einen gefährlichen Waffennarr erwischt hat.
Kein Einbruch, sondern eine Explosion
Seit mehreren Jahrzehnten frönt der Sohn seinem Hobby, regelmäßig macht er sich auf die Suche nach Fundstücken aus beiden Kriegen, immer wieder auch im Pfälzerwald. Das ist in der Straße bekannt. Norbert und Gisela Hauck wohnen seit vielen Jahren ein paar Häuser entfernt. Sie sind erleichtert, dass es dem Sohn der Familie D. den Umständen entsprechend gut geht. Sie haben den großen Polizeieinsatz vor ein paar Tagen mitbekommen und zunächst gedacht, es habe womöglich einen Einbruch gegeben. Schnell hat sich aber herumgesprochen, dass es bei dem leidenschaftlichen Militaria-Sammler eine Explosion gegeben habe.
Keine Hinweise auf Handel mit Waffen
Die Ermittlungen der Behörden stehen gerade am Anfang. Es wird zu klären sein, ob sich der 51-Jährige strafbar gemacht hat. Laut Polizei enthielt ein Teil der Waffen noch Sprengstoffreste oder war nicht fachgerecht unbrauchbar gemacht worden. Möglicherweise hat er deshalb gegen Gesetzte verstoßen. Nach Angaben der Kreisverwaltung Südwestpfalz war der Mann bei den Waffenbehörden nicht registriert. Er habe keine waffenrechtliche Erlaubnis besessen. Der 51-Jährige hat sich inzwischen einen Anwalt genommen, der seine Interessen vertreten soll. Nach Angaben der Polizei gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass der Mann Handel mit den Waffen betrieben hat oder betreiben wollte.
Herr und Frau D. hoffen zweierlei: Ihr Sohn soll sich erstens möglichst schnell von der Operation erholen und wieder ganz gesund werden. Zweitens bauen sie darauf, dass er sich bei seiner Sammelleidenschaft nicht strafbar gemacht hat.