Pirmasens Golfplatz statt Judomatte

Von Handicap 54 zu Handicap 3,6: Golferin Sophie-Charlott Hempel aus Pirmasens hat innerhalb von nur vier Jahren einen atemberaubenden sportlichen Aufstieg geschafft.
Dabei deutete zunächst alles auf eine Karriere als Judokämpferin hin. Als sie drei Jahre alt, schenkten ihr Mama Kerstin (1986 für den TV Pirmasens deutsche Judo-Vizemeisterin im Halbmittelgewicht) und Papa Andreas (früher Nationaljudoka, dann Kampfrichter bei Olympischen Spielen) den ersten Judoanzug. „Mir hat Judo immer Spaß gemacht“, erinnert sich die heute 16-Jährige. Von den Erfolgen der Eltern ließ sich das junge Mädchen aber nicht beeindrucken. „Ich spürte keinen Druck, ich sah meine Eltern als Vorbild“, betont sie. Erfolge wie den Gewinn der rheinland-pfälzischen Jugendmeisterschaft in der Klasse bis 36 Kilo und Podestplätze bei internationalen Wettkämpfen erwähnt sie eher beiläufig. „Mit Golf hatte ich bis 2010 nichts am Hut“, erzählt die Elftklässlerin des Pirmasenser Immanuel-Kant-Gymnasiums. Im Sommer 2010 lernte die damals Zwölfjährige bei einem Judoturnier in Berlin die Managerin eines Golfclubs kennen. „Heute Mittag nimmst Du einen Schläger in die Hand und schlägst mal ein paar Bälle“, habe diese sie damals aufgefordert. Gesagt, getan. „Nachmittags stand ich dann auf dem Golfplatz in Pankow und hielt erstmals einen Golfschläger in der Hand, einen für Rechtshänder, wobei ich Linkshänderin bin“, erinnert sie sich schmunzelnd. Das Links-rechts-Problem ließ sich schnell lösen, und damit begann die Golfkarriere. Zusammen mit ihren Eltern trat sie in den Waldfischbacher Golfclub Pfälzerwald ein. „Es hat viel Spaß gemacht, zusammen mit Mama und Papa Golf zu lernen“, blickt sie zurück. Mit Handicap 54 hat sie damals begonnen, ebenso wie die Eltern. Das erste kleine Turnier, die „Minicup-Serie“ für die jüngeren Spieler, gewann die Newcomerin prompt. Noch im Jahr 2010 schraubte Sophie-Charlott nach weiteren Siegen beim Saarpokal ihr Handicap innerhalb weniger Monate auf 36 herunter. 2011 und 2012 landete die Aufsteigerin Siege um Siege wie beispielsweise beim Supercup 2011. 2012 wurde sie Dritte bei der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft. Seit Ende 2012 gehört sie dem Landeskader des Golfverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland an. Sie spielte sich auf Rang eins der Jugend-Rangliste im Südwesten und schaffte 2012 die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft. „Nach neun Löchern lag ich schon sechs über Par“, berichtet sie über ihre erste Enttäuschung. Mit viel Kampfgeist und einer guten Serie bei den nächsten neun Löchern beendete sie die Runde mit sieben über Par. „Ich war total stolz“, erinnert sie sich. Nach zwei 18-Loch-Runden schaffte sie den Cut in die Finalrunde. Für einen Podestplatz hatte es nicht gereicht, aber die bundesdeutsche Konkurrenz kennenzulernen, allein das war ein Erlebnis. Es folgte ein Wechsel zum Ersten Golfclub Westpfalz in Rieschweiler-Mühlbach. Dort trainierte die junge Frau unter dem Engländer Ian Blackburn. „Von ihm habe ich sehr viel gelernt. Leider ist er nach England zurückgekehrt“, so die junge Pirmasenserin. Wie nah Freud und Leid im Sport zusammenliegen musste die Golferin im Jahr 2013 erleben. Nach einer Sehnenentzündung am linken Sitzbein, durch Überlastung ausgelöst, musste sie eine Zwangspause einlegen. Trotz wenigen Turnieren im Jahr 2014 schraubte die ehrgeizige junge Frau ihr Handicap auf 3,6 herunter. Bei den Rheinland-Pfalz/-Saarland-Meisterschaften der Damen Ende September in Boppard erreichte sie den vierten Platz. 75 Schläge benötigte sie für die erste Runde, 80 Schläge für die zweite. Inzwischen trainiert sie trotz Verletzung wieder vier- bis fünfmal wöchentlich, gehört dem Golfclub Rheinhessen an und golft ab 2015 in der 2. Bundesliga. Es verwundert wenig, dass die ehrgeizige und disziplinierte Sportlerin nach dem Abitur auf ein College in den USA gehen möchte und eine Karriere als Golfprofi anstrebt. „Mein großes Vorbild ist Rory Mc Ilroy, Top-Golfer aus Nordirland und Nummer eins der Weltrangliste“, sagt sie. Für den Fall, dass das wider Erwarten nicht klappen sollte, lautet Plan B: Medizinstudium.