Pirmasens Globetrotter Matthias Eder kehrt zurück

Zugezogen: Seit einem Jahr führt Matthias Eder bei Kennel & Schmenger mit Andreas Klautzsch die Geschäfte der Damenschuhfabrik, wohnt mittlerweile in Pirmasens. Doch der Neue ist für manchen Pirmasenser ein alter Bekannter, denn er ist hier aufgewachsen und verwurzelt – auch wenn er in der Zwischenzeit auf der ganzen Welt unterwegs war.
Den Pirmasenser Dialekt hat Matthias Eder nicht verlernt. Ein „Stallgeruch“, der nicht von Nachteil ist, wenn man in der ältesten Industriebranche der Stadt arbeitet. Denn hier ist der Abstand zwischen Kreativen und Produktiven, zwischen Planern und Ausführenden, nicht groß – und die Wege zwischen Geschäftsführung und Fabrikation kurz. Man kennt sich in einem Betrieb, in dem 211 Menschen arbeiten, und das zum Teil schon viele Jahre. Dass Matthias Eder allerdings gleich bei seinem ersten Gang durch die Produktion mehrfach angesprochen wurde, lag an etwas anderem: So mancher Wegbegleiter aus Jugendzeiten hat ihn sofort erkannt – auch der gebürtige Pirmasenser Matthias Eder hat mal in der FKP-Jugend gekickt. Sport verbindet. Es sind die flachen Hierarchien eines mittelständischen Betriebs, die die größte Umstellung für den neuen Geschäftsführer bedeuteten – und den größten Kontrast zum Bosch-Konzern, wo der Diplom-Kaufmann bald 20 Jahre in verschiedenen Führungsfunktionen gearbeitet hat. Im Konzern ließen sich gewisse Themen delegieren, stellt er fest – hier aber finde ein Problem aus der Produktion „direkt den Weg in mein Büro“. Man müsse sich mit mehr Themen beschäftigen, viel flexibler sein, mehr improvisieren, Entscheidungen unter unvollständigen Informationen treffen. Dafür sei man aber auch viel näher an den Menschen, spüre, wie die Leute „ticken“, habe mehr Gestaltungsfreiraum. Das kommt dem 50-Jährigen allerdings entgegen, denn er hat sich bewusst dafür entschieden, Konzernstrukturen gegen Mittelstand zu tauschen. Schon Anfang 2014 wechselte er von Stuttgart, wo er zuletzt für Bosch arbeitete, nach Düsseldorf, in die Geschäftsführung eines mittelständischen Betriebs der Automobilbranche. Eine Rolle gespielt, blickt er zurück, habe damals auch die Überlegung, nicht wieder ins Ausland zu gehen – dem Privatleben zuliebe. Der neue Job habe ihm viel Spaß gemacht, sagt er. Bis er angesprochen wurde, ob er sich denn nicht vorstellen könne, zurück nach Pirmasens zu gehen, wo auch die Eltern und die Schwester leben. „Da gibt es doch keine Jobs“, habe er erst gedacht, räumt er ein. Bis er mit Andreas Klautzsch, dem geschäftsführenden Gesellschafter bei Kennel & Schmenger, sprach. Das habe gleich gepasst, sagt er. Sie ergänzten sich prima: Andreas Klautzsch als kreativer Kopf und er als Zahlenmensch. „Da ist schnell ein Schuh draus geworden“, stellt Eder fest. Eine Umstellung war freilich auch die Branche: Hier die durchgetaktete Automobilzulieferindustrie mit hohem Automatisierungsgrad, dort die traditionelle Schuhindustrie, in der noch immer viel Hand angelegt wird. Und natürlich, sagt er offen, sei das anfangs auch ein Thema gewesen für ihn. Doch er hat inzwischen das Spezifische dieser Produktion kennengelernt: Dass bei K & S – anders als in einem Konzern – mit 600.000 bis 700.000 Paar Schuhen im Jahr noch überschaubare Mengen produziert würden. Und dies vor allem in einer großen Varianz – von sportiv bis elegant. Das Thema Automatisierung, in großen Produktionen und Konzernen ständig präsent, ist daher für ihn in den Hintergrund gerückt. Überhaupt sei er, stellt er mit Blick auf seine Konzernprägung fest, jemand, der bei gewissen Themen Schritt für Schritt vorgehe; einer, der den Dialog suche, also ein eher kooperativer Typ. Bei K & S ist Matthias Eder vor allem zuständig für den kaufmännischen Part und für „Retail“, also die eigenen 16 K&S-Läden inklusive der Outlets. Und da, kündigt er an, wollten sie weiter wachsen, zwischen einem und vier neue Stores im Jahr eröffnen. Dabei, betont er mit Blick auf den kämpfenden Schuheinzelhandel, wollten sie „ihre“ Einzelhändler nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen. „Wir passen genau auf, wo und wie wir Stores eröffnen“ – Konkurrenz zum Fachhandel sollten diese nicht sein. Doch die eigenen Geschäfte seien eben auch eine gute Strategie, um die Marke weiter bekannt zu machen. Läden gebe es in mittelgroßen Städten wie Freiburg, Mainz und Trier; hinzu kämen Shops in Hamburg, Düsseldorf und Paris – auch „Schaufenster“ für Kunden aus Übersee. Deutschland, stellt Eder fest, sei zwar der wichtigste Markt, aber Wachstumspotenzial gebe es vor allem im Ausland. K & S internationaler zu machen – auch das käme dem Neuen entgegen. Denn der war schon auf der ganzen Welt unterwegs, beruflich wie privat – ein echter Globetrotter. Für Bosch war er etwa in Indien, China, Taiwan, Russland und in den USA, spricht fließend Englisch, Französisch und Spanisch. Führungskräfte wie ihn nach Pirmasens zu locken, ist kein Selbstläufer – das ist Eder bewusst. Er selbst setzt beim Nachwuchs daher auf Potenzial der Region, arbeitet etwa mit Studenten umliegender Hochschulen zusammen. Über diese Schiene, sagt er, wolle er Bindungen aufbauen – eine ausgebildete Fachkraft tue sich eher schwer, herzuziehen. Dabei habe Pirmasens trotz sichtbarer Spuren des Strukturwandels viel Positives zu bieten: niedrige Immobilienpreise, viel Natur, kurze Wege, hohe Lebensqualität.