Pirmasens Gelegenheit zum „Abkühlen“

Fünf Minuten zuschauen! Schiedsrichter Christian Weinkauff zeigt eine Zeitstrafe an.
Fünf Minuten zuschauen! Schiedsrichter Christian Weinkauff zeigt eine Zeitstrafe an.

Der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) hat für Jugendspiele mit Beginn der Saison 2017/18 den Feldverweis auf Zeit (Zeitstrafe) wieder eingeführt. Dieser beträgt in allen Altersklassen fünf Minuten und ersetzt von der Kreisklasse bis einschließlich Verbandsliga die Gelb-Rote Karte. Die RHEINPFALZ hat sich bei den Jugendtrainern und Jugendleitern im Fußballkreis umgehört, was sie davon halten.

Die Zeitstrafe kann sowohl ohne vorausgegangene als auch nach erfolgter Verwarnung ausgesprochen werden, jedoch pro Spieler nur einmal im Spiel. Eine Verwarnung nach einem Feldverweis auf Zeit ist unzulässig. Dann kann nur noch die Rote Karte gegeben werden. „Hier sehe ich einen Vorteil für die Trainer. Sie können bei einer Zeitstrafe auf den Spieler einwirken oder ihn gleich runterholen. Reagieren Spieler und Trainer nicht, sind die Folgen schwerwiegender, da beim kleinsten Vergehen danach nur die Rote Karte bleibt, und die zieht mindestens ein Spiel Sperre nach sich“, sagt Gerhard Lorett, lange Jahre Trainer und Jugendleiter beim FC Fehrbach, jetzt Jugendkoordinator im Leistungsbereich beim FK Pirmasens. „Ich finde das gar nicht so schlecht. Die Jungs haben dann Zeit nachzudenken. Meist bereut ein Spieler ja, wenn er mal überzogen hat“, sieht Günter Pritz, Trainer der A-Junioren der JSG Wasgau, hier durchaus ein erzieherisches Mittel. Pritz schiebt nach: „Ich hoffe allerdings, dass die Schiris hier nicht übertreiben.“ Axel Werner, Trainer der Bezirksmädchenauswahl aus Hinterweidenthal, meint, dass „diese kurze Zeitstrafe für den Gegner nicht viel bringt, weil die personell reduzierte Mannschaft das normalerweise clever runterspielt oder den Ball wegschlägt“. Werner weiter: „Ich denke, die Gelbe Karte gab es zuvor schneller, als das jetzt der Fall sein wird.“ Patrick Seibel, Trainer der Landesliga-B-Junioren des SC Hauenstein, hat die Zeitstrafe einst schon als Spieler erlebt und hält sie für „eine harte Strafe“. Seibel: „Das schwächt das Team. Dann ist auch der Trainer gefordert. Er muss entscheiden, wie er mit einem betroffenen Spieler verfährt. Bei der nächsten Kleinigkeit bekommt der die Rote Karte, ist raus aus der Partie und wird noch für das nächste Spiel gesperrt.“ Er sieht wie Lorett aber auch die Chance, dass sich die Spieler „abkühlen“ können. „Wenn die Trainer es schaffen, den Spieler von seinen Emotionen herunterzuholen, dann ist das besser als Gelb-Rot“, tendiert Thorsten Müller, Jugendleiter des SV Hermersberg, eher zur neuen Regelung. Er sieht hier auch ein gutes erzieherisches Mittel, das wohl insbesondere im A- und B-Juniorenbereich wichtig sei. „Darunter wird das eher selten angewendet werden müssen“, kennt er die Szenerie in den einzelnen Altersklassen gut. Müller: „Ich sehe hier insbesondere eine Herausforderung für die Trainer, die, wenn es zu Zeitstrafen kommt, auf ihre Spieler und ihr Team einwirken müssen.“ „Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich sehe das als Rückschritt gegenüber der bisherigen Kartenregelung“, sagt Thomas Bauer, der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses. Dem Zweibrücker behagt der schmale Grat nach einer Zeitstrafe hin zur Roten Karte nicht. „Wegen einer Lappalie kriegt der Spieler dann ein Spiel Sperre“, sagt er. Bauer, selbst noch Spieler-Papa, Jugendtrainer und auch manchmal Schiedsrichter, befürchtet auch mehr Stress für die Unparteiischen: „Wenn dieser drei, vier Zeitstrafen zu überwachen hat, schaut er ständig zur Uhr.“ „Die jüngeren Kollegen kannten die Zeitstrafe noch gar nicht“, berichtet der Lehrwart der Schiedsrichter im Fußballkreis Pirmasens/Zweibrücken, Christian Weinkauff, und gibt zu bedenken: „Nach einer Zeitstrafe wandeln die Spieler auf einer ,Rasierklinge’ hin zu Rot. Die Zeitstrafe zählt zu den Feldverweisen. Hat eine Mannschaft weniger als sieben Spieler auf dem Platz, muss die Partie abgebrochen werden.“ Das könnte insbesondere bei Neuner-Teams wie im D-Juniorenbereich oder bei den Mädchen schnell passieren.

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