Pirmasens Gaukelei, Musik und Tanz
Zur Zeitreise ins 18. Jahrhundert luden am Wochenende die 22. Landgrafentage. Zur Eröffnung waren Scharen von Menschen gekommen, um dem bunten Treiben aus Kunsthandwerk, Gaukelei, Musik und Tanz beizuwohnen.
Samstag, kurz vor 12 Uhr: Der Schlossplatz hat sich in einen historischen Markt verwandelt. Heu liegt auf dem Boden, eine große Bühne ist aufgebaut und allerlei Schausteller haben sich ringsherum angesiedelt. Es gibt Handwerk und Kunst von anno dazumal, die die Besucher staunen lassen. Die Sitzgelegenheiten vor dem Schlossbrunnen sind alle belegt. Bei Kaiserwetter genießen ganze Familien ihr Mittagessen aus Pfanne, Grill und Fass. Wer es lieber süß mag, findet im Landgrafencafé im Alten Rathaus eine gute Adresse. Bewirtschaftet von Mitgliedern des CVP gibt es hier ansehnliche und schmackhafte Kuchen und Torten. Ein Hofnarr hüpft durch die Menge und animiert das Publikum, aus sich herauszugehen. „Es grüßt Sie der Narrenkai“, sagt er. Kai Jordens aus Köln ist bei den Landgrafentagen kein Unbekannter mehr. Fast jedes Jahr ist er in Pirmasens zu Gast und bringt das Publikum zum Lachen. „Ich habe mich in die Pirmasenser gut eingefühlt. Am Anfang war es für mich ungewohnt, weil sie lieber zuschauen als mitmachen. Aber dann habe ich einfach mein Programm umgestellt und jetzt passt es“, erzählt er. Seit 32 Jahren ist Jordens hauptberuflicher Hofnarr und in ganz Deutschland und Europa unterwegs. Auch in Japan war er schon, wo er schallenden Applaus geerntet hat, wie er begeistert berichtet. Denn auch die Japaner mögen historische Figuren aus Europa. „Was Pirmasens angeht, bin ich froh, dass wir wieder auf dem Schlossplatz sind. Für eine solche Veranstaltung ist hier ein schöneres Ambiente als auf dem Exerzierplatz“, erzählt der Narrenkai weiter. Gegenüber von ihm steht Schuster Diethelm Büscher, der ebenfalls ein gern gesehener Gast bei den Landgrafentagen ist. In früheren Tagen war er als Buchbinder zu sehen, an diesem Wochenende hat er seine Schusterei mitgebracht und näht vor den Augen des Publikums Lederschuhe. Einer der Besucher erklärt ihm gerade, was ein „Schlabbeflicker“ ist. Die Maschinen, die Büscher für seine Näharbeiten nutzt, sind über 120 Jahre alt. „Das 18. Jahrhundert übt eine wahnsinnige Faszination auf mich aus. Auch deshalb bin ich gerne Gast in Pirmasens“, erklärt der hauptberufliche Museumspädagoge aus der Voreifel. Auf Mittelaltermärkten in ganz Deutschland sind hingegen Anne und Moritz Engelhardt aus Kusel unterwegs. Sie sind mit ihrem „Silberhof“ das zweite Mal zu Gast in der Horebstadt und finden die Veranstaltung rund um das Leben und Wirken des Stadtgründers gelungen. „Wir kommen gerne her und bieten unseren Schmuck an. Den Leuten gefallen unsere Kreationen und auf dem Markt haben wir immer alle Hände voll zu tun“, berichtet Moritz Engelhardt. Während die zweitägige Veranstaltung stilecht mit Landgraf Ludwig IX., seiner Frau Caroline, der Stadtspitze und den Grenadieren des CVP eröffnet wird, sucht sich Simone Stahl aus Bruchweiler einen Platz zum Sitzen. „Ich bin das erste Mal hier und finde die Veranstaltung toll. Hier herrscht ein richtig schönes Ambiente und es wird ein gutes Gesamtpaket geboten“, meint sie. Beate Särota aus Bann hat ihren Mann zu den Landgrafentagen begleitet. Er ist einer der Fahnenträger des Fanfarenzuges Bann, der zur offiziellen Eröffnung der Landgrafentage jedes Jahr nach Pirmasens kommt. „Ich bin eigentlich immer hier und finde die Veranstaltung sehr gut. Wenn schönes Wetter ist, ist es wunderschön auf dem Schlossplatz. Eine solche Veranstaltung hat man nicht alle Tage“, sagt Särota. Zu Besuch in Windsberg ist wiederum Ursel Reinartz aus Nordrhein-Westfalen. Auch sie ist mit ihrem Mann zu den Landgrafentagen gekommen und findet die Veranstaltung ebenfalls gelungen. „Wir sind wegen unseren Freunden in Windsberg immer mal wieder in Pirmasens und finden das ganze Spektakel eine gelungene Abwechslung“, sagt sie. Die Pirmasenserin Rosemarie Gilbrecht wünscht sich bei der Zeitreise ins 18. Jahrhundert etwas mehr Schausteller, die Handwerk präsentieren. „Ich erinnere mich noch an die Anfänge der Landgrafentage. Da war viel mehr Handwerk auf dem Schlossplatz. Aber ansonsten finde ich es gut, dass sich die Stadt dabei so viel Mühe gibt“, so Gilbrecht.