Band-Porträt
Fused auf dem Weg zurück zur Normalität
Wie es den selbst ernannten „Rockfeinschmeckern“ geht? „Alle sind gesund und gut drauf. Das ist schon mal die halbe Miete“, sagt Ahme. Knapp eine Woche bevor es richtig losging mit dem Corona-Lockdown, haben Ahme und seine Jungs noch in einem rappelvollen Irish House gespielt. Seitdem stehen auch bei den „Feinschmeckern“ aufgrund der Situation nur noch selten Auftritte im Kalender. Der Kammgarn-Kulturgarten wird für sie das erste richtige Konzert mit Live-Publikum sein. „Wir gehen fest davon aus, dass wir trotz der Auflagen eine Megastimmung haben werden.“ Die haben sie in den vergangenen zwei Jahren bei jedem Konzert sehr erfolgreich erzeugt.
„Zuhause ist ja auch zu langweilig.“
Umso mehr kreative Ablenkung musste während des Lockdowns her. „Wir haben besonders am Anfang sehr viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht und dort Songs und Videos aufgenommen, die jetzt auf Youtube gelandet sind“, sagt Ahme. „Nur zuhause zu sitzen ist ja auch zu langweilig. Auf die Art hatten wir auch wieder Bezug zu den Fans. Und das Feedback war sensationell.“ Auch an einigen Streamingkonzerten haben sich die Jungs beteiligt, offenbar mit Erfolg. „Die Leute dürsten nach Kultur. Die wollen rausgehen und Musik hören. Ich denke, die Streamingkonzerte machen sie nur noch heißer darauf, weil man daran erinnert wird, was aktuell einfach fehlt.“
Die Fused-Fans fühlen ganz sicher, was ihnen fehlt. Denn die Fused-Shows waren seit ihrem Jubiläums-Konzert 2018 im Kasino der Lauterer Kammgarn brechend voll. Der Grund: Fused sind keine klassische Coverband. „Teilweise bewegen sich unsere Songs weit weg vom Original. Wir versuchen, eine große, professionelle Show aufzufahren, die aber trotzdem immer Raum für Spontanität hat – etwas Besonderes zu liefern und einfach selbst Spaß zu haben. Nur dann kann man das auch sympathisch rüberbringen. Wenn etwas aufgesetzt und nicht ehrlich ist, merkt man das sofort.“
„Veränderungen gehören immer dazu.“
Die Richtung, die Stefan Ahme (Gesang/Gitarre), Florian Schwöbel (Gitarre/Gesang), Philipp Tulius (Gitarre), Johannes „Krone“ Kronenberger (Bass/Gesang) und Martin Drumm (Schlagzeug/Gesang) eingeschlagen haben, sei „ziemlich cool und die wollen wir auch weiterfahren. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht ständig weiterentwickeln. Veränderungen gehören immer dazu.“ An der Reichweite ihrer Konzerte möchten sie aber bisher keine großen Veränderungen vornehmen. „Wir spielen hauptsächlich in Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland und Baden-Württemberg. Viel weiter weg muss es auch nicht sein. Wir haben ein Level erreicht, auf dem es richtig Spaß macht und wir uns wohlfühlen. Dieses Level möchten wir halten. Ich meine, wir haben mit 1000 Besuchern, die nur wegen uns gekommen sind, die Kaiserslauterer Kammgarn ausverkauft. Das ist der Wahnsinn, und wir wissen das zu schätzen.“
„Kultur macht das Leben erst lebenswert.“
Doch dann kam dieser Virus namens Corona, und es war erst mal vorbei mit den ausverkauften Konzerten. „Es hat uns als Band mehr emotional als finanziell getroffen. Dass wir uns so lange nicht sehen, proben, auf die Bühne durften und dass der direkte Kontakt zum Publikum wegbrach, war hart. Aber natürlich haben sich über die Jahre viele Freundschaften zu Veranstaltern, Künstlern oder Technikverleihern entwickelt, die von der Situation auch finanziell stark betroffen sind. Wir hoffen gemeinsam, dass alles möglichst gut abgefedert werden und langsam ein Stück Normalität einkehren kann.“
Als Musiker weiß auch Stefan Ahme: „Wenn die großen und kleinen Locations wegbrechen würden, würde vieles fehlen. Dann bleibt nur noch Essen und Trinken und sonst nichts. Die Kultur macht das Leben erst lebenswert. Daher hoffen wir natürlich, dass dieser Bereich, auch seitens der Politik, die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.“
Den ersten Schritt in die bandeigene Normalität machen die Jungs am 13. August in einem jetzt schon ausverkauften Kammgarn-Innenhof. Gefolgt von einem Gig in der Sommer-Lounge des Congress Centers Ramstein am 21. August. Und auch für das nächste Jahr stehen schon einige Termine im Kalender. „Wir planen natürlich für 2021, als wäre Corona nicht da – der Optimismus bleibt“, sagt der Sänger. „Wir hoffen, dass es nächstes Jahr normal weitergehen kann. Aber wir sind auch realistisch und haben einen Plan B für den Fall, dass dieses nervige Virus eventuell wieder dazwischen funkt. Wichtig ist, dass der Zusammenhalt bleibt und dass uns die Ideen nicht ausgehen.“