WESELBERG / HERMERSBERG
Fußball: Weselberger Cinderella-Geschichte (noch) nicht mit Traumlos vergoldet
Sascha Wilhelm erfuhr erst kurz vor dem Anpfiff des Achtelfinales seines SC Weselberg gegen Oberligist FC Speyer 09 von seinem Einsatz. „Es war mein erstes Spiel von Anfang an seit anderthalb Jahren. Ich war sehr lange verletzt“, sagte der 31-Jährige nach dem 2:1 (1:1)-Überraschungserfolg des Bezirksligisten. Grund für seinen kurzfristigen Startelfeinsatz war, dass sich der eigentlich von Spielertrainer Felix Assel als Außenverteidiger eingeplante Sascha Ahrens beim Warmmachen verletzt hatte.
„Ich war sofort im Spiel drin, auch die Mannschaft war gleich da“, lobt Wilhelm, der die Cinderella-Story perfekt machte, als er in der 50. Minute mit einem Schuss aus der Drehung das Siegtor erzielte. Nach einem Einwurf stand er mit dem Rücken zum Tor und fackelte nicht lange. „Ich habe spekuliert und gewusst, was ich da mache, habe einfach gehofft, dass der Ball hinten auf die Linie fällt“, erklärt Wilhelm die Momente Weselberger Glückseligkeit, die 252 Zuschauer in Ekstase versetzten.
Keßlers Sahnetag
Dabei gingen die Gäste aus Speyer durch Stürmer Alexander Pirogov bereits nach 17 Minuten in Führung. Das war zu erwarten, obwohl einige Stammspieler des FC nicht dabei waren oder erst in der zweiten Hälfte eingewechselt wurden. Aber die Speyerer Antreiber Georgios Goulas, Kevin Diefenbacher und Kapitän Julien Jubin wurden ausgeschaltet. 89 Minuten flitzte Jascha Conzelmann diesmal ungewohnterweise den linken Flügel hoch und runter, weil er mit der Bewachung des ebenfalls sprintstarken Jubin betraut war, den er gänzlich ausschalten konnte.
Auch Kapitän Marco Keßler hatte einen Sahnetag erwischt, erzielte nicht nur den Ausgleich nach einem Eckball (20.), sondern legte mit starkem Stellungsspiel den Angriff des FCS lahm. Der Top-Torjäger des SCW, Kevin Büchler, narrte Abwehr-Hüne Kelly Botha ein ums andere Mal. Speyer kam nach seinem Treffer schlichtweg nicht mehr zur Geltung. „Wir hatten sie zwar nicht vor Ort beobachtet, aber es gibt ja mittlerweile einige Möglichkeiten. Wir wussten schon, was auf uns zukommt“, berichtete Spielertrainer Assel von der Vorbereitung seiner Elf auf dieses Spiel. Seine Mannschaft hatte er in großen Teilen ganz tief stehen und zum Teil erst tief in der eigenen Hälfte angreifen lassen. „Wir können mit dieser Mannschaft in dieser Saison noch ganz viel erreichen“, ist sich Wilhelm sicher, der nach der Partie gehörig ausgelaugt aussah.
Katz’ und Maus-Spiele mit dem Favoriten
Zwar konnten die Weselberger selbst kaum Chancen erspielen, waren in der zweiten Hälfte aber in allen Belangen überlegen. Der SC spielte teils Katz’ und Maus mit dem Favoriten und behauptete den Ball mehr als eine Minute in der Nachspielzeit an der Eckfahne, bevor Speyer letztmals in der Partie den Ball nach vorne donnerte und nur durch einen Weselberger Abwehrfuß, der das Spielgerät abfälschte, noch zu einer Chance kam.
Das Wunschlos des Siegtorschützen Wilhelm war der SV Hermersberg. Vielleicht klappt es ja im Halbfinale, sollten die beiden Teams von der Sickinger Höhe ihre Außenseiterrollen auch im Viertelfinale so bravourös und erfolgreich annehmen.
SO SPIELTEN SIE
SC Weselberg: May – Wilhelm, Marco Keßler, Sebastian Schütz, Conzelmann (89. Mohler) – Assel, Landoll, Markus Keßler – Büchler, Huffmann (75. Alexander Baum) – Baumann (67. Attila Baum).