Regionalliga
Fußball: Schwacher Schiri bei 0:0 des FKP gegen Ulm [plus Kommentar]
Im Framas-Stadion auf der Husterhöhe pfeift der Wind so kalt wie im Westerwald. Davon können die nur knapp 600 Zuschauer beim 0:0 zwischen dem FK Pirmasens und dem SSV Ulm ein Lied singen. Aus dem Westerwald, genauer gesagt aus Montabaur, kam Schiedsrichter Luca Schlosser. Er machte mit seinen vielen schrägen Pfiffen allerdings keine Werbung für die pfeifende Zunft seiner Westerwälder Heimat. Er zeigte sehr früh schon und oft die Gelbe Karte. Seine mitunter haarsträubenden Entscheidungen verursachten allgemeines Kopfschütteln bei Trainern, Spielern und Anhängern beider Lager. „Der Schiri hat keine Linie gefunden“, urteilte FKP-Mittelfeldspieler David Becker.
Geschenk angenommen
Beim Pfiff in Minute 75, als Ulms Nicolas Jann das „Bein-stehen-lassen-Geschenk“ von David Becker gerne annahm, lag Schlosser nicht ganz falsch. „Den kann man pfeifen“, gestand Becker. Der kurz zuvor eingewechselte Haris Hyseni, mit Jahn Regensburg von der vierten bis in die zweite Liga aufgestiegen, trat zur Ausführung an. FKP-Torhüter Benjamin Reitz hatte nach eigenen Worten einen anderen Schützen auf dem Schirm – egal. Der Geiselberger spekulierte auf die vom Schützen aus gesehen rechte Ecke und parierte den gar nicht mal so schlecht geschossenen Elfer zur Freude seiner Mannschaftskameraden.
Lob vom Papa
„Reitz hat den FKP heute gerettet“, stellte Marco Chessa fest. Er ist der Vater des in Günzburg bei Ulm aufgewachsenen FKP-Mittelfeldspielers Dennis Chessa, war früher in der Ulmer B-Jugend der Trainer seines Sohnes und mit Ehefrau eigens zu dem Spiel angereist. Die Leistung des Filius, den er zum zweiten Mal live in Pirmasens beobachtete, bewertete der Ex-Trainer so: „Dennis hat ein gutes Spiel gemacht. Natürlich kann er noch mehr, aber er ist leicht erkältet, wollte aber unbedingt spielen.“
Alter Freund
Zumindest dies freute auch Dennis Chessas Spezi aus gemeinsamen Jugendtagen beim SSV, den Ulmer Kapitän Johannes Reichert. „Das war schon was Besonderes“, erzählte Reichert, der zum ersten Mal überhaupt ein Herren-Punktspiel gegen Chessa bestritt. „Natürlich gibt’s im Spiel keine Freunde“, sagte der Innenverteidiger, der sich einige harte Duelle mit Chessa lieferte, und schmunzelte dabei. „Das gehört eben dazu. Jo ist ein robuster Typ. Das geht in Ordnung“, merkte Chessa an.
„Wenn es windstill ist“
Er ging, weil FKP-Trainer Patrick Fischer mit Dennis Krob noch einen zweiten Stürmer bringen wollte, nach 82 Minuten vom Platz. „Es war ein schwieriges Spiel auf einem extrem schweren Boden. Beide Teams haben auf lange Bällen gesetzt und gehofft, dass ein Ball mal durchrutscht“, analysierte der in Pirmasens heimisch gewordene Schwabe, der Profi bei Bayern München II, Aalen, Ried (österreichische Bundesliga) und Uerdingen war. Der an fast allen gefährlichen FKP-Aktionen beteiligte Chessa trauerte seinem von ihm selbst herausgeholten Freistoß in der 35. Minute hinterher, als der gefühlvoll getretene Ball nur um Zentimeter am rechten Torwinkel vorbeistrich: „Wenn es im Stadion windstill ist, geht der rein.“ Schade, dass in Minute 53 der gut mitspielende FKP-Angreifer Konstantinos Neofytos Chessas famose Vorarbeit nicht mit dem 1:0 krönte. „Wenn wir das erste Tor gemacht hätten, wären wir auch als Sieger vom Platz gegangen“, war sich Chessa sicher.
So aber blieb es beim torlosen Remis, weil auch der 20-Tore-Sturm der „Spatzen“ – Ardian Morina (acht Saisontore), Burak Coban (7) und Albano Gashi (5) erzielten zusammen schon einen Treffer mehr als die gesamte FKP-Mannschaft – immer wieder an der vielbeinigen Pirmasenser Abwehr oder aber an Reitz scheiterten.
KOMMENTAR: Wieder kein Tor
Ist für den FK Pirmasens ein Punkt zu Hause gegen den SSV Ulm angesichts der kritischen Lage im Regionalliga-Abstiegskampf zu wenig? Nein. Ein Remis gegen einen stark besetzten Tabellenfünften ist für den Drittletzten in Ordnung, zumal der FKP damit bis auf einen Zähler an den Viertletzten Gießen heranrückte und nun „nur“ noch sieben Punkte Rückstand auf den garantiert rettenden sechstletzten Platz hat, da Freiburg II und Frankfurt verloren und Alzenau nicht über ein 0:0 bei Schlusslicht RW Koblenz hinauskam. Aber: Nächsten Sonntag muss der FKP in Freiburg gewinnen, da der viertletzte Platz wegen des voraussichtlichen Drittliga-Abstiegs von Großaspach nicht reichen wird. Im schlimmsten Fall gibt es sogar fünf Absteiger, wenn es in Liga drei auch den 1. FC Kaiserslautern erwischen sollte.
Der FKP kann’s noch packen, das Team ist regionalligatauglich, hat allerdings ein wesentliches Manko: den Torabschluss. Das 0:0 am 21. Spieltag gegen Ulm war bereits die zehnte Partie ohne eigenes Tor.