Pirmasens Fußball ist sein Leben

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Fußball ist sein Leben. Wohl kein anderer Spieler und Trainer im Südwesten der Pfalz und darüber hinaus hat sich Zeit seines Lebens so dem Fußball verschrieben, wie der Pirmasenser Robert Jung. Heute wird er 70. Anlass, die einmalige, facettenreiche Karriere im Rückspiegel zu betrachten.

Pirmasens

. Kriegsbedingt erblickte Jung, dessen Familie in Kaiserslautern wohnte, 1944 im baden-württembergischen Crailsheim das Licht der Welt. „Wären wir in Kaiserslautern geblieben, würde ich heute nicht sein, denn unser Haus wurde vollkommen zerbombt“, erzählt Jung. Zurück in der Pfalz besuchte Jung nach der Grundschule ein naturwissenschaftlich-mathematisches Gymnasium in Kaiserslautern. Und Jung war zudem Messdiener. Diese assistierten nicht nur dem Pfarrer (oder Kaplan) im Gottesdienst, sondern sie spielten zuweilen auch Fußball. Und als er in einem freundschaftlichen Kick mal fünf Tore erzielte, holte ihn ein Jugendbetreuer zum VfR Kaiserslautern. Auch dort zeigte Jung über dem Durchschnitt liegende Leistungen, so dass er mit elf Jahren das Trikot des 1. FC Kaiserslautern trug. Als A-Junior kehrte er zum VfR Kaiserslautern zurück und kickte mit diesem in der Oberliga, damals die höchste Spielklasse in Deutschland. Jungs Trainer beim VfR: Fritz Walter. 1966 wechselte Jung zum FK Pirmasens, wo er bald schon – vom Mittelfeldspieler zum Vorstopper umfunktioniert – Stammspieler war und auch Spielführer. Auch bei der Bundeswehr, wo Jung zwei Jahre lang seinen Grundwehrdienst ableistete, ließ den Wahl-Pirmasenser der Fußball nicht los. Jung war Mitglied der „Roten Jäger“ und spielte seinerzeit zum ersten Mal gegen Gerd Müller, den Bomber der Nation. Parallel zum Profifußball studierte Jung in Saarbrücken Sport und Mathematik. Insgesamt zehn Jahre war Jung für den FKP am Ball. An der Spitze seines Teams und an der Seite von Franz Beckenbauer führte er 1976 seine Mitspieler im alt ehrwürdigen Stadion an der Zweibrückerstraße zum DFB-Pokalspiel gegen die Bayern (0:2). Der aktuelle Trainer der spanischen Fußballnationalmannschaft, Vicente Del Bosque, tauschte als Kapitän von Real Madrid mit Jung im Ludwigshafener Südweststadion die Wimpel. Del Bosque war anno 1975 in einem Freundschaftsspiel der direkte Gegenspieler Jungs. Madrid spielte unter anderem mit Paul Breitner und Günther Netzer und gewann durch ein Tor in letzter Minute 1:0. Als FKP-Kapitän begrüßte Jung Berti Vogts per Handschlag gegen den als Deutscher Meister angereisten VfL Borussia Mönchengladbach. Mit im Team der Gladbacher: Rainer Bonhof, Alan Simonsen, Jupp Heynckes und Hacki Wimmer. Dreimal versuchte sich der Spieler Jung mit dem FKP am Aufstieg in die Erste Bundesliga und dreimal scheiterte er nur knapp. Beim FK Clausen ließ Jung dann seine aktive Karriere als Spielertrainer ausklingen. Da war er dann schon Lehrer (insgesamt 37 Jahre) am Pirmasenser Leibniz-Gymnasium. Und auch da war der Fußball ein Teil von Jungs (Berufs-)Leben, denn der Diplom-Sportlehrer betreute die Fußballteams des Leibniz mit großem Erfolg. Nach zwei Jahren in Clausen kehrte Jung als Trainer zum FK Pirmasens zurück. Insgesamt zehn Jahre lang war Jung als Übungsleiter für „die Klub“ tätig. 1987 führte er den FSV Salmrohr, wo er insgesamt sechs Jahre tätig war, in die Zweite Bundesliga. Nach seiner Trennung von Salmrohr als Trainer in der Zweiten Liga übernahm er Kickers Offenbach. Die Offenbacher hatten Jung nur für die Aufstiegsspiele zur Zweiten Liga verpflichtet – mit Erfolg. Nach einem Engagement beim SC Birkenfeld übernahm Jung den FSV Mainz 05 und stieg auch mit den Kickern aus der Landeshauptstadt in die Zweite Liga auf. Dabei blieb Mainz mit Jung in 33 von 34 Spielen ungeschlagen. Ein heute noch gültiger Rekord. In der Zweiten Liga führte Jung die Mainzer auf Platz acht. Er wurde von seinen Kollegen zum Trainer des Jahres gewählt. Ein Titel, der Jung viel bedeutet. Jung: „Da war ich schon ein bisschen stolz.“ Stolz darf Jung auch sein, einen gewissen Jürgen Klopp entdeckt zu haben. Jung, ein Freund hoch aufgeschossener, robuster Innenverteidiger, holte Klopp von Rot-Weiß Frankfurt nach Mainz, wo dieser zunächst Spieler und dann auch Trainer wurde, ehe er zu Borussia Dortmund wechselte. Jung war dann noch beim Oberligisten SC Hauenstein als Trainer tätig. Zweimal erreichte er mit dem SCH das Endspiel um den Verbandspokal und er führte den Verein aus dem Wasgau zur Vizemeisterschaft. Weitere Stationen in insgesamt 38 Jahren als Trainer waren der SV Wehen, Wormatia Worms, der SV Mehring, Rot-Weiß Frankfurt und der SV Erlenbrunn. „Erlenbrunn war mein Experiment“, blickt Jung auf die Saison 2008/09 zurück. Er habe wissen wollen, ob seine Trainingsmethoden auf eine junge C-Klasse-Mannschaft übertragbar sind. „Wir haben dreimal in der Woche trainiert und am Schluss konnten die Spieler acht Systeme spielen. Wir haben die Saison ungeschlagen beendet und 84 von 90 möglichen Punkten bei einem Torverhältnis von 114:12 geholt“, sah sich Jung als Trainer bestätigt. Jung, ein Mann mit dem Faible für Statistiken, hatte bereits 1985 mit seinem Buch „Attraktiver Amateurfußball“ ein Stück Fußballgeschichte geschrieben. Er war wohl der Erste überhaupt, der schriftlich eine Abhandlung über die Raum- anstelle der Manndeckung veröffentlichte. Nebenher war Jung zehn Jahre lang im Bereich des SWFV als Fortbilder für Fußballlehrer und Trainer mit A-Lizenz tätig gewesen, „obwohl ich nie selbst Fußballlehrer gewesen war, weil sich dies nicht mit meinem Beruf als Lehrer verbinden ließ. Ich war so gerne Lehrer wie Trainer.“ Und weil er sehr gerne Lehrer war, habe er auch nie den Schritt ins Vollprofitum gemacht. Das Sportdiplom und die Trainer A-Lizenz hat er übrigens mit sehr gut abgelegt. Unvergessen bleibt Jung der Sieg mit dem FK Pirmasens im DFB-Pokal gegen Werder Bremen und jüngst der Erfolg mit dem FC Homburg, mit dem er als nachrückender Trainer den Saarlandpokal holte. Jung ist aktuell als Scout für den FC Homburg tätig und hat bislang bereits „37 Regionalligaspiele beobachtet“. Er könne einfach nicht loslassen, merkt Jung an. Und „so wie die Zeit war, habe ich alles richtig gemacht“, blickt der in Pirmasens-Ruhbank wohnende Vater eines Sohnes auf sein (Fußballer-)Leben zurück. Heute wird Jung, wie bei jedem seiner Geburtstage, nicht erreichbar sein.

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