Pirmasens
Fußball: Das außergewöhnliche Tor des David Becker für den FK Pirmasens
Der dritte Saisonsieg, das verdiente 2:0 gegen den FC Bayern Alzenau, lässt den FK Pirmasens hoffen, bis zur Winterpause nach Koblenz und Balingen auch noch Gießen hinter sich zu lassen. Drei bis fünf Mannschaften müssen am Saisonende absteigen. Der FKP ist nach einem Horror-Saisonstart eindeutig im Aufwind.
David Becker hielt es nicht auf der Bank. Als Salif Cissé in der Nachspielzeit das 2:0 erzielt hatte, rannte der 13 Minuten zuvor sicherheitshalber ausgewechselte Vize-Kapitän mit schwarzer Jacke 40 Meter über den Rasen, um seinem langjährigen Partner im defensiven Mittelfeld des FK Pirmasens zu gratulieren. Schiedsrichter Luigi Satriano sah darüber gnädig hinweg.
Karten sitzen locker
FKP-Trainer Patrick Fischer hatte den verwarnten Becker aus Furcht, Satriano könnte ihm Gelb-Rot zeigen, trotz dessen neuerlich starker Leistung in der 78. Minute vom Feld geholt. „Ich musste ihn runternehmen“, sagte Fischer. Er fand dafür Verständnis bei Becker: „Der Schiri hat die Karten relativ locker sitzen gehabt. Er hätte mich beim nächsten Foul runtergestellt.“
Dass sich Satriano nicht scheut, Rot zu zeigen, musste zuvor Bayern Alzenau schmerzhaft erfahren. Erst sah der sehr offensiv, fast wie ein dritter Innenverteidiger agierende Keeper Daniel Endres in der 53. Minute die Rote Karte, weil er den Ball außerhalb des 16-Meter-Raums mit der Hand abgewehrt hatte, als Felix Bürger auf sein Tor zugestürmt war. 13 Minuten später zog er Gelb-Rot gegen den Mittelstürmer der Unterfranken, Dominique Jourdan, nachdem dieser Moritz Zimmer gefoult hatte. Beide Entscheidungen gehen in Ordnung. Pikant: Der Referee aus dem Süd-Schwarzwald pfiff diese Saison schon mal ein Spiel von Alzenau und stellte auch hier einen FCB-Spieler vom Platz.
Schnell umgeschaltet
Zurück zu David Becker. Einen Tag, nachdem der FKP seine ligaunabhängige Vertragsverlängerung bis Juni 2021 bekanntgegeben hatte, schoss der 27-Jährige sein zweites Saisontor und das mit links! „Ich weiß selbst nicht, wie ich das gemacht habe“, scherzte der sonst fußballerisch fast alles mit rechts erledigende Grundschullehrer. Er habe in dieser Situation 22 Meter vorm Tor des Gegners „gar nichts anderes machen können“, als es mit dem linken Fuß zu probieren. Becker: „Wenn man nicht schießt, kann man auch nicht treffen.“ Vorausgegangen war eine Balleroberung auf der rechten Seite, bei der Sascha Hammann (anstelle des gesperrten Manuel Grünnagel diesmal Rechtsverteidiger) und Sven Sellentin einen Alzenauer „doppelten“. Becker zog direkt danach zügig mit dem Ball nach vorne, spielte unfreiwillig Doppelpass mit einem Gegner und schoss dann gedankenschnell mit links. „Genau dieses schnelle Umschalten war vorige Saison unsere Stärke“, sagte Becker mit Verweis auf den überraschenden neunten Platz im vergangenen Spieljahr.
Das ganz andere Gesicht
In die aktuelle Runde startete seine Mannschaft katastrophal: sechs Niederlagen in den ersten sechs Spielen, nach zwölf Spieltagen noch kein Sieg. Doch inzwischen zeige seine Mannschaft „ein ganz anderes Gesicht als zu Rundenbeginn“, betont Becker. Wenn nun in dem „ganz entscheidenden Spiel am nächsten Samstag in Gießen“ noch ein Sieg gelingen sollte, würde der FKP auf den viertletzten Platz vorrücken, wäre damit erstmals seit dem zweiten Spieltag nicht mehr auf einem sicheren Abstiegsplatz.
Außenangreifer Sellentin, erstmals seit dem 10. August wieder in der FKP-Startelf und vor allem in der ersten Halbzeit mit einigen guten Szenen auf der rechten Seite („ich bin noch nicht ganz bei 100 Prozent“), sieht es so: „In Gießen siegen und dann mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen.“