Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Attila Baum als sportlicher Leiter des FK Pirmasens zurückgetreten

Nachdenklich: Attila Baum (Mitte) auf der Tribüne während des Spiels gegen die SV Elversberg am 14. September. Der 33-jährige Ba
Nachdenklich: Attila Baum (Mitte) auf der Tribüne während des Spiels gegen die SV Elversberg am 14. September. Der 33-jährige Baum ist seit 2003 beim FKP, erst lange Jahre als Spieler, seit 2017 als sportlicher Leiter. Foto: Christian Hamm

Die sportliche Krise des Fußball-Regionalligisten FK Pirmasens hat eine erste personelle Konsequenz. Attila Baum ist am Mittwoch nach Differenzen mit Hans Schaufler, Aufsichtsratsmitglied und Hauptsponsor (Framas), von seinem Amt als sportlicher Leiter zurückgetreten. Im Interview mit der RHEINPFALZ spricht Baum über Beweggründe.

Herr Baum, waren Ihre kritischen Äußerungen in der RHEINPFALZ-Montagausgabe der Auslöser für Ihren Rücktritt?
Ich habe nach dem 0:5 zu Hause gegen Steinbach nur sachlich analysiert, dass wir nicht mehr in das schnelle Umschaltspiel kommen, das uns in der erfolgreichen vergangenen Saison ausgezeichnet hat. Und es geht mit unserem Kader nur mit möglichst vielen Ballgewinnen und schnellem Umschalten, Ballbesitzfußball funktioniert da nicht. Und wir haben nicht mehr so viele Balleroberungen, obwohl Becker, Cissé, Hammann, Grünnagel und so weiter noch da sind. Aufgrund meiner sachlichen Kritik hat mir Hans Schaufler vorgeworfen, dass mein Verhalten „unterste Schublade“ sei. Er hat damit gedroht, deswegen eine Aufsichtsratssitzung einzuberufen. Dabei hat er das Spiel gar nicht gesehen.

Hans Schaufler hat mir bezüglich meiner sportlichen Kompetenz bei den Verpflichtungen von Yacine Baizidi und Luis Kiefer, über den ihm Patrick Fischer gesagt habe, dass er nicht oberligatauglich sei, schon vorgehalten, dass ich ja bislang nur Trainer in Weselberg gewesen sei. Seither müssen alle Spielerverpflichtungen ab einem gewissen Betrag vom Aufsichtsrat genehmigt werden, was das Arbeiten hemmt. Ich lasse mich nicht wie eine Marionette behandeln.

Der FKP ist nach zwölf Regionalligaspielen unter Trainer Patrick Fischer noch ohne Sieg und ohne Tor aus dem Spiel heraus. Was haben Sie sich als sportlicher Leiter vorzuwerfen?
Ich nehme mich nicht aus der Kritik aus. Ich habe extrem unterschätzt, was es bedeutet, dass wir uns für einen Trainer entschieden haben, der in Karlsruhe beruflich voll eingebunden ist, noch als Stützpunkttrainer arbeitet und als bisheriger Trainer unserer Verbandsligamannschaft naturgemäß die Regionalliga nicht so gut kannte. Da fehlt auch einfach die Zeit für die Spiel- und Gegnervorbereitung.

Ich war ein Fürsprecher von Patrick Fischer, der lange auf diese Position hingearbeitet hat. Ich wollte unbedingt, dass Peter Tretter – wenn schon nicht mehr als Trainer, dann als Sportkoordinator – weiter für den Verein tätig ist. Daher kam mit unserem Budget nur eine interne Lösung infrage. Wenn sich dann aber kein Erfolg einstellt, sollte man das nicht einfach hinnehmen. Spieler und ich wurden, nachdem wir Kritikpunkte ans Präsidium weitergegeben haben, intern als Verräter dargestellt, wie ich aus dem Aufsichtsrat erfahren habe.

Natürlich hat in meiner Zeit auch nicht jeder Transfer funktioniert, wobei immer nur elf spielen können. Andererseits habe ich einen Florian Bohnert als Oberliga-Ersatzspieler geholt, der bei uns Regionalliga-Stammspieler wurde und dem FKP 2020 durch Länderspiel-Abstellungen 40.000 Euro bringt.

Auf dem Platz stehen weder der Trainer noch der sportliche Leiter …
Ich will die Mannschaft nicht komplett in Schutz nehmen. Unser Publikum will sehen, dass jeder Spieler an seine Leistungsgrenze kommt, dass die Mannschaft immer aggressiv gegen den Ball arbeitet.

Wie lange lief Ihr Vertrag als sportlicher Leiter noch?
Als ich 2017 anfing, hatte ich einen Ein-Jahres-Vertrag. Seither gab es nur eine mündliche Vereinbarung. Ich werde keine finanziellen Ansprüche stellen. Ich habe das alles nicht aus finanziellen Gründen getan.

Bleiben Sie dem FKP trotzdem verbunden?
Natürlich, der FKP ist ja mein Verein. Ich habe ja als Erster eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit abgeschlossen. Ich hoffe, dass ich irgendwann – in welcher Funktion auch immer – zurückkehre.                  

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