Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel „Frauen gehen ihren Weg“: Schauspielwanderung im Pfälzerwald erzählt regionale Geschichte neu

Gästeführerin Claudia Metzger erzählt aus dem Leben von Maria Anna Lickteig, eine der Frauen des Rosenberg-Stifterkreises um den
Gästeführerin Claudia Metzger erzählt aus dem Leben von Maria Anna Lickteig, eine der Frauen des Rosenberg-Stifterkreises um den Betjörg.

Der Themenwanderweg „Frauen gehen ihren Weg“ im Pfälzerwald bei Rodalben wurde am Samstag bei einer Schauspielwanderung lebendig.

Trotz mehr als 30 Grad am Nachmittag bleibt es im Wald entlang der L482 zwischen Rodalben und Clausen angenehm kühl. Nach und nach treffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Parkplatz ein. Bei einem Glas alkoholfreiem Sekt kommen sie ins Gespräch, bevor die rund drei Kilometer lange Runde startet. „Diese Frauenleben sind auch für Herren ein wichtiges Thema – gerade in der heutigen Zeit“, sagt Teilnehmerin Anneliese Resch, die mit ihrem Mann gekommen ist. Viele Frauen freuen sich, dass auch Männer ihre Wanderschuhe geschnürt haben. Die Führung trifft als Kooperation des Frauenforums Südwestpfalz und der Südwestpfalz Gästeführer-Interessengemeinschaft offenbar den Geschmack.

Der Wald wird zur Bühne

Sieben Gästeführerinnen der Südwestpfalz Gästeführer-Interessengemeinschaft führen die Gruppe und stellen Biografien vor. Ergänzt wird das mit Informationstafeln entlang des Weges. An der ersten Station tauchen die Wandernden in die Welt der einst blühenden Schuhindustrie ein. Im Mittelpunkt steht Adelheid Kuhnle, die sich als Schuhfabrikantin in einer Männerdomäne behauptete. Gästeführerin Ellen Cabrera berichtet in Mundart von der Unternehmerin, die nach dem Tod ihres Mannes 1954 die „Libelle“-Schuhfabrik in Waldfischbach übernommen hat und bis 1962 erfolgreich führte.

Es folgt die Geschichte von Schwester Nicola aus Contwig, die lange den katholischen Kindergarten leitete. „Ein guter Mensch, robust – aber auch streng“, beschreibt Gästeführerin Barbara Danner-Schmidt die Nonne. Eine Anekdote über eine von ihr beendete Feier der katholischen Jugend sorgt für viele Lacher – der Wald wird zur Bühne.

Gästeführerin Hiltrud Woll widmet sich der Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Hedwig Kömmerling. Sie berichtet von Forschungsreisen durch Südamerika und einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Um ihre Persönlichkeit greifbar zu machen, verteilen die Teilnehmenden Papierblüten, auf denen Eigenschaften wie „mutig“, „visionär“ oder „humorvoll“ geschrieben sind. Daraus entsteht eine große, bunte Blume – so bunt wie das Leben der Porträtierten.

Außergewöhnliche Kämpfernatur

Während Gästeführerin Claudia Metzger das Wirken von Maria Anna Lickteig, der treibenden Kraft hinter dem Bau der Wallfahrtskirche Maria Rosenberg, skizziert, kündigt die nächste Station das Thema „Frei leben ohne Gewalt“ an. Hier steht Sieghild Mueller im Mittelpunkt, die sich in Pirmasens über Jahrzehnte für Frauenrechte engagierte. Am 17. Februar 2007 hatte sie die Ehrenbürgerrechte der Stadt erhalten, am 15. Oktober 2017 starb sie im Alter von 100 Jahren.

Vor Muellers Tafel sitzt Gästeführerin Heidrun Johner-Allmoslöchner auf einem Stein und schlüpft in die Rolle von „Marianne“, einer fiktiven Nachbarin Muellers. Sie erzählt von Spaziergängen, Teestunden und dem Leben einer außergewöhnlichen Kämpfernatur. Mueller kam 1949 als Lehrerin nach Pirmasens, unterrichtete über drei Jahrzehnte am Immanuel-Kant-Gymnasium und war eine treibende Kraft bei der Gründung der Pirmasenser Frauenzufluchtstätte. Für ihre lebendige Darstellung erhält Johner-Allmoslöchner viel Applaus.

An der letzten Station erzählt Anke Vogel in Mundart – im schwarzen Kleid, mit Schürze und Korb voller Holzscheite – von den Rodalber Grünesputschefrauen und den Münchweilerer Kienholzfrauen. Mit dem Verkauf von Gemüse und Kiefernholz hatten diese Frauen wesentlich zum Lebensunterhalt ihrer Familien beigetragen und zählten damit zu den oft vergessenen Heldinnen der Region.

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