Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Südwestpfälzer Frauenforum: Die Welt aus Frauensicht

Eine heterogene Gemeinschaft sind die Mitglieder des Frauenforums Südwestpfalz. Das macht die Sache spannend, sagt Gründerin Sus
Eine heterogene Gemeinschaft sind die Mitglieder des Frauenforums Südwestpfalz. Das macht die Sache spannend, sagt Gründerin Susanne Morsch. Foto: Frauenforum

„Ich hab’ gesagt: ,Leute, hier fehlen die Frauen’“, erzählt Susanne Morsch von der Entwicklung der Bürgerbeteiligung in der Südwestpfalz. Genau das ist ihre Aufgabe als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises: Morsch sorgt im Zweifelsfall dafür, dass niemand die Frauen vergisst.

Seit 1998 ist Susanne Morsch als Gleichstellungsbeauftragte beim Landkreis tätig. Auch wenn sich in diesen Jahren viel getan habe – im Grunde sind die Themen, mit denen sie sich beschäftigt, dieselben wie damals: Die Anzahl der Frauen in Führungspositionen ist nicht besonders hoch, Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer und kümmern sich nebenbei noch um die Kinder. Auch körperliche und psychische Gewalt an Frauen, etwa in einer Partnerschaft, sind ungelöste Probleme. Ist es nicht frustrierend, sich immer wieder mit den gleichen Mängeln zu beschäftigen, wieder und wieder Aufklärungsarbeit zu leisten, immer von neuem einen ähnlichen Kampf zu führen? „Manchmal macht es einen müde“, räumt Morsch mit einem Lächeln ein, um jedoch gleich darauf lebhaft ihre Projekte vorzustellen. Anstrengend mag es sein, aber Susanne Morsch hat ihren Eifer nie verloren.

Die Gleichstellungsbeauftragte will Themen, die Frauen bewegen, in die Öffentlichkeit tragen. Das tut sie unter anderem mit dem Frauenforum der Südwestpfalz, ein Zusammenschluss, der gerade seinen 20. Geburtstag gefeiert hat. Netzwerke seien wichtig, um die Situation der Frauen darzustellen und um sich gegenseitig zu helfen. Die Leistungen von Frauen sollen sichtbar gemacht werden. „Wir gehen immer nach außen“, erklärt Morsch eine Grundregel des Frauenforums. So wirke man bei Projekten mit dem Frauenhaus und Schulen zusammen. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für das Forum, das nicht als Verein gegründet wurde. „Es war schnell klar, dass die Frauen keine Vereinsstruktur wollen“, sagt Initiatorin Morsch über die Gründungszeit 1999. Heute sei die Gruppe noch ganz ähnlich zusammengesetzt wie vor 20 Jahren. Es ist ein Zusammenschluss von Frauen aus mehreren Verbänden und Initiativen, auch einzelne Bürgerinnen engagierten sich.

„Keine Einzelkämpferin“

Das Südwestpfälzer Frauenforum geht auf die „Agenda 21“ zurück, berichtet Morsch, ein Konzept, das die Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro beschlossen haben und das eine Handreichung für die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung im nächsten Jahrtausend sein sollte. In der Agenda wurde auch eine höhere Beteiligung von Frauen auf überregionaler und lokaler Ebene gefordert. Susanne Morsch griff das für den Landkreis Südwestpfalz auf und lud Anfang 1999 zu einem ersten Bürgerinnenforum ein, aus dem sich das Frauenforum entwickelte.

„Es geht immer um Projekte“, erklärt Morsch. Ist eines abgeschlossen, sucht sich die Gruppe das nächste aus. Die Arbeit mit den Frauen nennt sie befriedigend. „Ich bin keine Einzelkämpferin.“ Sie organisieren Diskussionsrunden, erarbeiten Stellungnahmen und Konzepte. Der Kalender, den sie seit 2006 zusammenstellen, stellt Frauen und Mädchen aus dem Landkreis vor, die Besonderes in den Bereichen Ehrenamt, Politik, Beruf, Kunst und Sport geleistet haben.

Geschichte aus Frauensicht

Mitte 2004 erarbeiteten die Mitglieder des Frauenforums eine Ausstellung über die Bedeutung von Frauen an der Entwicklung der Schuhindustrie im Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein. Kinderkreisel, eine Kontaktstelle für Kinderbetreuung, sollte Frauen die Aufnahme einer Arbeit leichter machen. Das Forum organisierte 2009 ein Treffen von Alleinerziehenden im Mehrgenerationenhaus in Waldfischbach-Burgalben. Die Frauen sollten sehen, dass sie mit ihrer oft schwierigen Situation nicht allein sind. Eine Mutmach-Broschüre unter dem Titel „Alleinerziehend – na und ...“ wurde erstellt.

Eine andere Broschüre – „Frauen Leben Weltweit“ – befasste sich mit der Gleichstellung von Männern und Frauen in verschiedenen Ländern. Migrantinnen erzählten von ihrem Alltag in der alten Heimat. Zeitzeuginnen des Nationalsozialismus trafen sich bei einem weiteren Projekt mit Schülern und erzählten von ihrer Jugend im Krieg.

Manche Themen bleiben

Die 14 Frauen im Forum haben laut Morsch sehr unterschiedliche Berufe und sind zwischen 30 und über 80 Jahre alt. „Die Heterogenität ist spannend“, meint die Gründerin. Das mache die Gespräche und Sitzungen lebhaft. Auch wenn die Frauen je nach Hintergrund und Alter verschiedene Themen setzen – die Schwerpunkte sind dieselben: Gewalt in der Partnerschaft, geringerer Lohn, Kinderbetreuung während der Arbeitszeit. „Das sind Themen, an denen hat sich nicht viel geändert“, sagt Morsch. Für diverse Seminare oder Mint-Projekte, die Mädchen an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik heranführen sollen, „könnte ich die Konzepte von früher wieder aus dem Schrank holen“, sagt Morsch und lacht.

Zudem gebe es „nach wie vor viel zu wenig Frauen in Positionen, wo Entscheidungen getroffen werden“, meint Morsch. Einige Frauen in Führungspositionen wie die Südwestpfälzer Landrätin Susanne Ganster, Kanzlerin Angela Merkel und die Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die in der Bundespolitik als CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Karriere gemacht hat, bedeuteten noch keine Verbesserung der Situation der Frauen insgesamt: „Das lenkt den Blick ab.“

Frauenforum

Das Frauenforum Südwestpfalz tagt an jedem dritten Montag im Monat von 20 bis 22 Uhr in der Kreisverwaltung. Mitmachen können alle Frauen. Kontakt: Susanne Morsch, Telefon 06331/809-278.

Susanne Morsch ist Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.
Susanne Morsch ist Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. Foto: mefr
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