Pirmasens Fragile Poesie aus Fragmenten früherer Bilder

Die Dahner Galerie „Kunst-Werk-Drei“ zeigt Mut für Kunst, die nicht den Sehgewohnheiten entspricht. In der aktuellen Ausstellung präsentiert Galeristin Renate J. K. Burkhard den Hauensteiner Christoph Seibel mit Collagen, die vom Material und Inhalt buchstäblich aus dem Rahmen fällt.
Der 1953 geborene Seibel ist einer breiten Öffentlichkeit mit seiner mythisch-fantastischen Malerei bekannt. Für die Ausstellung in der Galerie in Dahn-Reichenbach hat der Hauensteiner jedoch ganz neue Arbeiten mitgebracht, die zwar stilistisch noch klar an seine früheren Bilder anknüpfen, aber bei der Technik und der Überfülle an Inhalt eine ganz andere Richtung einschlagen. „Psalm 148“ ist das Mammutbild betitelt, das mit einer Länge von fünf Metern fast den ganzen Raum in dem früheren Kuhstall einnimmt, der Burkhard als Galerieraum dient. In seiner Größe soll es ein Bild der Unermesslichkeit des Universums sein, erklärt der Künstler selbst zu der Arbeit. Es stellt gewissermaßen eine Quintessenz aus dem früheren Werk Seibels dar. Der Künstler hat es aus unzähligen Fotokopien vorhandener Zeichnungen und Gemälde zusammen collagiert. Fische und Frauen schwimmen oder fliegen durch das Bild. Alles wird kräftig durchgewirbelt. Mathematische Formeln und ein Labyrinth verweisen auf Höheres. Dabei wurde immer halbtransparentes Papier verwendet. Das Bild ist von hinten beleuchtet. Überhaupt hat es der Hauensteiner mit der Transparenz, die er in einen Zusammenhang mit Transzendenz stellt. Zwei weitere, deutlich kleinere Bilder bestehen aus kopierten Folien, die in der Form der Figuren ausgeschnitten wurden und mit Drähten in einem Metallrahmen im Raum hängen. Auch diese Figuren wirken wie Fragmente aus früheren Seibel-Gemälden und können als gemalte Poesie gesehen werden. Eine sehr fragile Poesie, die vom Künstler absichtlich so zart belassen wird und jeden Moment zu zerreißen droht. Seibel hat mit diesen neuen Arbeiten keine einfache und marktgängige Kunst geschaffen. Am deutlichsten wird das am „Narrenschiff“, einem Boot aus Papier, das als Skulptur im Raum schwebt. An Bord sind ein Mann und eine Frau. Ein Hund oder vielleicht auch anderes Tier schaut ebenfalls über den Rand des „Narrenschiffs“. Alle Figuren sind aus halbtransparentem Papier geformt und dürfen nicht mal angefasst werden, ohne die Figur gleich einzudrücken. Seibels Vernissage am Freitag war eingebettet in eine Lesung und ein Konzert zweier weiterer Hauensteiner. Über 50 Besucher drängten sich in der Galerie von Burkhard, um den Texten von Bernd Hecktor und der Musik von Werner Mansmann zu lauschen. Öffnungszeiten Nur noch am Ostermontag und Sonntag, 8. April, von 14 bis 17 Uhr.