Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel FKP-Kicker Bürger: Mentalitäts-Monster und (k)ein Kopfball-Ungeheuer

Homburgs Innenverteidiger Stefano Maier (links) reklamiert – mit Recht – Abseits, als Dennis Krob (Dritter von rechts) in der le
Homburgs Innenverteidiger Stefano Maier (links) reklamiert – mit Recht – Abseits, als Dennis Krob (Dritter von rechts) in der letzten Spielminute Torhüter David Salfeld zum 1:1 überwindet. Manuel Grünnagel (Nummer 17), Tim Hecker (15) und Patrick Dulleck (10) schauen zu.

Resignation ist ein Fremdwort. Die Spieler des FK Pirmasens scheinen nicht mal zu wissen, wie man „aufgeben“ schreibt. Bis zum letzten Moment haben Patrick Fischers Kicker im Saar-Pfalz-Derby der Regionalliga gegen den FC Homburg an ihre Chance geglaubt und in der Nachspielzeit den – irregulär erzielten – 1:1-Ausgleich bejubelt. Damit hat „die Klub“ FCH-Trainer Timo Wenzel den Einstand vermiest.

Zehn Minuten nach dem Schlusspfiff – begleitet von Geschrei und Gezeter der Homburger, von fliegenden Wasserflaschen und krachenden Werbebanden – hatten die meisten ihr Mütchen gekühlt. Zwei „Gegner“ fanden sogar die Gelegenheit für eine nette Plauderei am Tor. Aber nicht an jenem Kasten, in dessen Maschen Dennis Krob kurz zuvor den Ball gewuchtet hatte. Vielmehr war das hohe Metalltor der breiten Stadionzufahrt links der Haupttribüne Schauplatz jenes Plauderstündchens. Ins Gespräch vertieft waren Timo Wenzel und Gianluca Lo Scrudato – am Samstag für 90 plus vier Minuten Rivalen, ansonsten aber Sportsfreunde, die sich schätzen.

Wenzel hatte dem heute 24-Jährigen schon ab 2017 bei der U23 der SV Elversberg Beine gemacht. Als der Trainer die Kaiserlinde verlassen und beim FC Schweinfurt angeheuert hatte, lotste er 2018 den inzwischen bei Röchling Völklingen gelandeten Saarlouiser mit italienischen Wurzeln in die Bayernliga. Von dort ist Lo Scrudato im vergangenen Sommer zum FKP gewechselt. Holt ihn Wenzel nun nach Homburg? „Ich weiß nicht, wie er hier Vertrag hat“, scherzte der neue Homburger Coach.

Verteidiger geht weite Wege

Lo Scrudato hatte indes ein gehörigen Anteil daran, den Einstand seines früheren Chefs in der Saarpfalz zu vermiesen. Schlussphase am Samstag im Framas-Stadion: „Die Klub“ liegt zurück, wirft alles nach vorn, Lo Scrudato mittendrin. 90 Minuten lang hatte der Außenverteidiger überwiegend die linke Flanke beackert.

Als die 92. Minute läuft, fliegt der 24-Jährige urplötzlich nahe der rechten Außenlinie über die Grasnarbe und grätscht dem früheren FKPler Jannik Sommer fair in die Parade. Ballbesitz für Blau. Lo Scrudato saust quer übers gesamte Feld, um kurz darauf einen seiner langen Einwürfe von links zu servieren. Der Ball kommt zu Dennis Krob, hüpft über die ebenfalls köpfenden Dennis Chessa, Yannick Grieß und Felix Bürger wieder zu Krob, der sich in Position gemogelt hat. Krob holt aus – Treffer. Riesenjubel bei den Hausherren, Frust pur bei den Gästen.

„Vor einem halben Jahr noch hätte ich den wahrscheinlich weit übern Zaun gehauen“, räumte Krob freudestrahlend ein. Nicht auszudenken, wo das Team stünde, wäre „Krobber“ nicht als Chancen-Killer in Vorruhestand gegangen, um sich fortan mit Verve dem Verwerten guter Torgelegenheiten zu widmen. Interessant aber auch, was sich vor Krobs Vollstreckung ereignet hat. All die Schlakse im grünen Dress zogen im Luftduell den Kürzeren. Dass Innenverteidiger-Riese Yannick Grieß mit Köpfchen verlängert hatte, leuchtet ja noch ein. Aber Felix Bürger?

Eben eingewechselt, hatte sich der zu Saisonende nach Morlautern abwandernde Stürmer schon im Duell mit FCH-Abwehrchef Daniel di Gregorio hochgewuchtet, aber das Nachsehen gehabt. Dann aber, im entscheidenden Duell, leitete Bürger mit dem Scheitel zu Krob weiter. „Wahrscheinlich das erste Kopfball-Duell, das Felix gewonnen hat“, witzelte der Schütze.

Bis zum Ende daran geglaubt

In der Tat gilt Bürger ja nicht gerade als Kopfball-Ungeheuer. Dafür aber als Mentalitäts-Monster. Wie auch Tim Hecker: „Klar, haben wir noch daran geglaubt“, versicherte der Sprinter im FKP-Dress. Beide Außen waren erst in Minute 86 aufs Feld gesandt worden, um zu retten, was noch zu retten sei. „Eine Torvorlage in fünf Minuten – geht doch noch, keine schlechte Bilanz, oder? Biste anderer Meinung?“, fragte der mit angenehm trockenem Humor gesegnete Bürger.

Dem 28-Jährigen bleibt momentan nur die Jokerrolle, Hecker hatte nach zwei Einsätzen in der Startelf zunächst zuschauen müssen. Fischer hatte Tom Schmitt den Vorzug gegeben, wohl weil er sich vom Ex-Homburger versprochen hatte, dass er von noch höherem Motivationsschub beflügelt werde. Gegenüber der Startformation beim 1:1 in Hoffenheim war Lo Scrudato („Ist mir im Grunde egal, der rechte Fuß ist aber der stärkere“) von der rechten auf die linke Verteidiger-Position gerückt, Manuel Grünnagel agierte rechts, Sascha Hammann war auf der Bank geblieben. Salif Cissé startete anstelle des Gelb-gesperrten Daniel Bohl.

Carls Billard-Tor reicht für Homburg nicht

Die auf drei Positionen veränderte Elf tat sich schwer gegen die gut eingestellte Saarpfalz-Truppe, bei der Wenzel die Defensive neu justiert hatte. „Die waren schnell in der Rückwärtsbewegung und haben uns keine Räume gelassen. Es war ja fast unmöglich, da hinter die Kette zu kommen“, zollte FKP-Coach Patrick Fischer Wenzels Ausrichtung Anerkennung.

Der Ex-FCK-Profi hatte zur Halbzeit ein Signal für mehr Offensivdrang gesetzt und Patrick Dulleck zu Thomas Gösweiner beordert. Später bewies Wenzel mit der Einwechslung von Marcel Carl ein glückliches Händchen. Dessen Billard-Tor (per Kopf an Aluminium, mit links vollendet) hätte gereicht, wäre da nicht der turbulente Schluss-Moment gewesen, der in Jubel-Geschrei glücklicher Pirmasenser und Frust-Gebrüll aus Homburger Kehlen mündete. Dass Krobs Treffer eine Abseitsstellung vorausging, ist unstrittig. Patrick Fischer kommentierte die Fehlentscheidung diplomatisch: „Der Schiedsrichter hat’s gegeben ...“

Erleichterung nach dem Abpfiff: Ronny Fahr (links), der neue FKP-Co-Trainer „in Einarbeitung“, klatscht sich mit Cheftrainer Pat
Erleichterung nach dem Abpfiff: Ronny Fahr (links), der neue FKP-Co-Trainer »in Einarbeitung«, klatscht sich mit Cheftrainer Patrick Fischer (mit schwarzer Mütze) ab.
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