Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Fischbacher Leon Schröder (SV Hinterweidenthal) für Länderspiele in England nominiert

Im zweiten Jahr beim SV Hinterweidenthal: Leon Schröder.
Im zweiten Jahr beim SV Hinterweidenthal: Leon Schröder.

Leon Schröder, Landesligaspieler des SV Hinterweidenthal, ist in die Herren-Nationalmannschaft des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands berufen worden. Wenn es gut läuft, stürmt der Fischbacher im September bei der Weltmeisterschaft in Kuala Lumpur. In Südostasien hat er schon mal einen großen Erfolg gefeiert.

Als 16-Jähriger erreichte Leon Schröder 2017 mit der deutschen U18-Gehörlosen-Nationalmannschaft bei der Futsal-WM in Thailand den vierten Platz und war mit neun Treffern bester Torschütze seines Teams. Dann war er auch im U21-Nationalteam aktiv. Jetzt, nach Corona, geht es für ihn im Alter von 22 Jahren in der Herren-Fußballnationalmannschaft des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands (DGSV) weiter. Der Fischbacher ist für zwei Länderspiele Ende des Monats in Lilleshall gegen die gastgebende englische Auswahl nominiert. Empfiehlt er sich dort, winkt die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im September in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur.

Torgefährlich: Leon Schröder, hier 2019 beim U21-Gehörlosen-Länderspiel gegen Tschechien.
Torgefährlich: Leon Schröder, hier 2019 beim U21-Gehörlosen-Länderspiel gegen Tschechien.

„Es war am Abend, so gegen 22.30 Uhr, da kam eine Whatsapp rein. Ich dachte, ich trau meinen Augen nicht. Ich bin gleich zu meiner Mutter, damit sie auch draufschaut. Mit dem gleichen Resultat. Ich wurde eingeladen, mit der Herren-Nationalmannschaft vom 23. bis 26. März nach England zu fliegen. Ich habe nicht gezögert und gleich zugesagt“, erzählt der beim FK Pirmasens ausgebildete Fußballer.

Zu WM nach Malaysia?

Und da wusste der aktuelle Landesligaspieler des SV Hinterweidenthal noch nichts vom großen Ziel dieser Nationalmannschaft. Das erfuhr er erst von der RHEINPFALZ. Am 19. September fliegt der bis dahin feststehende Nationalkader von Trainer Michael Scheffel nach Südostasien zur vierten WM im Gehörlosenfußball statt. „Das wäre fantastisch. Dafür lohnt es sich auf alle Fälle, Gas zu geben“, sagt Schröder.

Ohne Hörprothese

Fußball spielt er nicht nur in Hinterweidenthal, sondern auch beim Gehörlosen-Sportclub Frankenthal, mit dem an der Regionalmeisterschaft teilnimmt. Dort kommen die Gegner aus Frankfurt, Karlsruhe, Stuttgart und Heidelberg. In diesen Teams spielen ausnahmslos Fußballer, die eine Hörbehinderung haben. Bei Vergleichen untereinander dürfen auch keine Hörprothesen eingesetzt werden, um eine Chancengleichheit herzustellen. Nicht alle Kicker mit Hörbehinderung können ihre Behinderung dadurch kompensieren, dass sie – wie Schröder – mittels eines Cochlea-Implantats an der Welt der Hörenden teilhaben können. Ist der Hörnerv nämlich funktionsgestört, hilft auch das nicht.

Für alle Spiele im Gehörlosenfußball taucht der Südwestpfälzer in eine völlig geräuschlose Welt ein. Dass er sich prima umstellen kann, bewies er zuletzt beim Ligaspiel des GSC Frankenthal, als er beim 5:0-Sieg gegen Frankfurt drei Tore erzielte.

Lehrstelle gesucht

Bei der Vorbereitung Leon Schröders auf die kommenden hohen sportlichen Anforderungen hilft auch Kalle, der Hund der Familie, der nur ein Leonberger sein konnte. „Und den haben wir auch noch in Leonberg geholt“, fügt Mutter Silke lachend an. Was noch fehlt, sei eine Lehrstelle als Schreiner. „Ich habe schon Praktika gemacht. Das würde mir gut gefallen.“

INTERVIEW MIT LEON SCHRÖDERS TRAINER

Wer könnte über Leon Schröder als Fußballer besser Auskunft geben als Daniel Tretter? Der 30-jährige Hinterweidenthaler trainierte den Gehörlosen-Nationalspieler zusammen mit Gerhard Lorett schon in der Regionalliga-U15 des FK Pirmasens. Vor zwei Jahren stieß der Stürmer aus Fischbach dann zum SV Hinterweidenthal, wo Tretter zusammen mit Christian Singer, Hans Duppré und Florian Eder die beiden Herrenteams coacht. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Arno Noll sprach mit Tretter.

War schon in der FKP-Jugend Leon Schröders Trainer und ist es jetzt wieder beim Landesligisten SV Hinterweidenthal: Daniel Trett
War schon in der FKP-Jugend Leon Schröders Trainer und ist es jetzt wieder beim Landesligisten SV Hinterweidenthal: Daniel Tretter .

Herr Tretter, gibt es Probleme im Umgang mit einem hörbehinderten Fußballer? Wenn ja: Wo liegen die?
Zunächst einmal ist Leon bei uns ein Spieler wie jeder andere auch. Wir haben viele junge Spieler. Für die ist es schon eine Herausforderung, in der Landesliga zu spielen. Sie brauchen Zeit. Und diese Zeit bekommen sie bei uns. Jeder im Kader weiß, mit was für einer Behinderung Leon zurechtkommen muss. Im täglichen Umgang ist das unauffällig. Er braucht manchmal etwas länger, bis er etwas verstanden hat – etwa wenn situativ während des Spiels etwas umentschieden oder umgestellt wird. Aber wo ist das Problem?

Was zeichnet den Fußballer Leon Schröder aus?
Leon ist die Zuverlässigkeit in Person. Er ist in jedem Training da. Leon ist ein eher ruhiger Typ und sehr anpassungsfähig. Als Fußballer schätzen wir bei ihm seine Schnelligkeit, seinen Torinstinkt und dass er flexibel einsetzbar ist.

Gab es Ihres Wissens beim SV Hinterweidenthal vor Schröder schon einmal einen Nationalspieler?
Meines Wissens nicht. Das haben wir zum ersten Mal. Wir freuen uns alle mit ihm. Es wurde ihm schon ganz viel auf die Schulter geklopft und gratulieren. Wir spornen ihn an, damit er sich gut vorbereitet. Das mit der WM in Malaysia haben wir auch noch nicht gewusst. Das ist ja der Hammer. Falls das klappen würde, müssten wir uns aber echt was einfallen lassen. (lacht)

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