Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel FCK-Hürdensprinter Heene bei DM in Dresden: „Nichts Halbes und nichts Ganzes“

Gerade hat der Rodalber im FCK-Trikot, Moritz Heene, realisiert, dass er das Finale über 110 Meter Hürden verpasst hat.
Gerade hat der Rodalber im FCK-Trikot, Moritz Heene, realisiert, dass er das Finale über 110 Meter Hürden verpasst hat.

Der Endlauf bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften ist das Ziel gewesen, doch den verpasst der Rodalber Hürdensprinter Moritz Heene deutlich. Er hadert.

Kurz vor der Ziellinie schaut Moritz Heene für einen Augenblick nach links. Was er dort sieht, gefällt ihm gleich in mehrerer Hinsicht nicht: Zwei andere Hürdensprinter liegen vor dem Athleten des 1. FC Kaiserslautern, was bedeutet, dass er sich die direkte Qualifikation für das Finale der deutschen Meisterschaft schon einmal abschminken kann. Der nächste Schock folgt beim Blick auf die Siegerzeit: 13,95 Sekunden. „Da wusste ich, es wird schwierig, weil ich schon noch ein Stück hintendran war“, sagt Heene, „ich weiß nicht, woran es lag.“ Nur zwei weitere Starter qualifizieren sich über die Zeit.

Drei Jahre ist es her, dass Heene das letzte Mal in einem Finale über 110 Meter Hürden bei einer deutschen Freiluft-Meisterschaft stand. Das sollte sich nun bei den nationalen Titelkämpfen in Dresden ändern. Heene: „Obwohl es genau am Höhepunkt meiner Form war, hat es irgendwie doch nicht so geklappt. Ich bin unzufrieden.“ Im Ziel hofft er noch kurz, doch schnell zeichnet sich ab, dass sein erstes Rennen das letzte für ihn bleiben wird bei diesen Titelkämpfen. Heenes Lauf ist das dritte Halbfinale, seine 14,41 Sekunden bedeuten Rang elf. Er bleibt deutlich über seiner persönlichen Bestzeit von 14,25 Sekunden, die er drei Wochen zuvor in Frankreich aufgestellt hat. Heene liegt nun knapp vor Niklas Kaul aus Saulheim bei Mainz. Der Zehnkämpfer, Weltmeister von 2019, testet bei den Spezialisten, um sich auf die WM in Tokio im September vorzubereiten.

Ausverkauftes Stadion

Nach solchen internationalen Großereignissen strebt Heene nicht. Dafür müsste er sich weiter professionalisieren und den vollen Fokus auf den Sport legen. Doch sein Studium von Sport, Geographie und Englisch auf Gymnasiallehramt hat für ihn klar Priorität. Trotzdem hat es seinen Reiz, in der nationalen Spitze der Hürdensprinter dabei zu sein. „In den vergangenen beiden Jahren wäre ich mit der Leistung ins Finale gekommen“, stellt Heene fest, „aber was zählt, ist heute.“ Und da hat es der 24-Jährige im Hürdenwald nicht zusammenbekommen. „Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes, es war nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut.“

Bei der Vorstellung der Athleten macht Heene einen lockeren Eindruck. Er lächelt in die Kamera, winkt ins Publikum. Das Heinz-Steyer-Stadion von Dresden ist an diesem Samstag mit mehr als 10.000 Besuchern ausverkauft. „Es macht mich ein bisschen sauer, gerade weil es so großen Spaß macht, in einer so geilen Atmosphäre zu laufen“, sagt Heene, „auch wenn man sich davon nie täuschen lassen darf.“

Abstände stimmen nicht mehr

Das gelingt dem Sprinter, der beim TV Thaleischweiler mit der Leichtathletik begann, an diesem Nachmittag. Er behält die Konzentration. „Ich war mit dem Kopf beisammen, sonst hätte ich den Start auch nicht so getroffen“, sagt Heene. Die ersten Meter waren in seinen letzten Rennen ein wenig problematisch, deshalb lag der Fokus im Training auf dieser Phase. Die deutschen Meisterschaften waren wahrscheinlich der Abschluss seiner Saison. Heene: „Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, wenn ich noch was mache.“

Je länger das Rennen dauert, umso mehr gerät Heene in Schwierigkeiten. „Kleinigkeiten an jeder Hürde“, analysiert er, „sodass ich nicht in den Lauf gefunden habe, den ich mir vorgenommen habe.“ Die Abstände stimmen nicht mehr, Heene kommt zu nah an die Hürden und versucht aktiv, Timing und Rhythmus wiederzufinden. Es gelingt ihm nicht – was bleibt, ist der Blick nach links und die bittere Erkenntnis.

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